Julie Ault / Martin Beck, Installation, Secession 2006
Die mit
Installation betitelte Ausstellung von Julie Ault und Martin Beck wirft den Blick auf die unterschiedlichen Aspekte ihrer künstlerischen Praktiken, zu denen sowohl individuell als auch gemeinsam durchgeführte Arbeiten zählen. KünstlerIn, DesignerIn, KuratorIn, AutorIn, HistorikerIn und HerausgeberIn verweisen auf die primären kulturellen Handlungsfelder und Produktions-methoden, die in der Ausstellung artikuliert werden.
Installation thematisiert in erster Linie Fragen von Autorschaft und Möglichkeiten künstlerischen Handelns und setzt diese Aspekte, die herkömmlicherweise über unterschiedliche Felder rezipiert werden, in einem kohärenten Raum in Bezug. Die Ausstellung arrangiert individuell und/oder kollaborativ entwickelte Displays, thematische Felder und Arbeiten zu einer künstlerischen Installation, die speziell für den Hauptraum der Secession konzipiert ist.
Julie Ault / Martin Beck, Installation, Secession 2006
Als Klammer dient der Ausstellung das in Felix Gonzalez-Torres Fotoserie „
Untitled“
(Natural History) (1990) eingeschriebene Vokabular – Patriot, Historiker, Rancher, Wissenschaftler, Soldat, Menschenfreund, Autor, Naturschützer, Gelehrter, Entdecker und Staatsmann. Die entsprechenden Fotografien werden auf den permanenten Wänden des Hauptraums präsentiert. Die Verwendung dieses Werks verweist auf die kuratorische Dimension von Aults und Becks Arbeit, während dieses zugleich auch die Spielarten kultureller Partizipation symbolisiert. Zudem bezieht sich dessen Einbeziehung in die Ausstellung auf das gerade erschienene, von Ault herausgegebene Buch
Felix Gonzalez-Torres (2006).
Julie Ault / Martin Beck, Installation, Secession 2006
StrucTube ist Becks Rekonstruktion eines modularen Ausstellungssystems, das ursprünglich 1948 von George Nelson entwickelt wurde. Dieses System ist ein früher Vorläufer vieler transportabler Ausstellungssysteme aus den 1950er und 1960er Jahren, als man meinte, mit einem Ausstellungsapparat die emanzipatorische Utopie der Ausstellung als Kommunikationsformat umsetzen zu können. Becks Rekonstruktion wird sowohl als Einzelarbeit präsentiert, als auch als funktionales Ausstellungssystem von Ault und Beck für ihre
Installation als solches bespielt.
Julie Ault / Martin Beck, Installation, Secession 2006
Die übergroße Wandarbeit
Information ist eine visuelle Aufarbeitung der Entwicklung der systemischen Maßstäbe dafür, ab wann – seit 1964 – in den Vereinigten Staaten jemand offiziell als „arm“ gilt und wie diese Maßstäbe Regierungspolitik widerspiegeln. Sie ist mit der grafischen Darstellung der auseinander gehenden Einkommensschere zwischen den Reichen und dem Rest der amerikanischen Bevölkerung in den vergangenen 25 Jahren verbunden. Diese Gemeinschaftsarbeit von Ault und Beck ist eine Analyse sozialer und ökonomischer Sachverhalte in künstlerischer Form. In der Secession ist
Information als freistehende Wand präsentiert.
Corita Kent (1918–1986) war eine Druckgrafikerin, Aktivistin und Kunstlehrerin, die für ihre eigenwillige spirituelle Pop Art und ihre anschauliche Verhandlung jener Grenzen bekannt war, die festlegen, wie eine katholische Nonne in den 1960er Jahren auszusehen hätte, sein und was sie tun sollte. Die nachhaltigsten Medien, die Corita verwendete, sind Serigrafien, doch zusätzlich organisierte sie auch große temporäre Ausstellungen und inszenierte Events. Julie Ault beschäftigt sich schon seit längerem mit Coritas Arbeit, als Ausstellungskuratorin, und als Autorin des Buches
Come Alive! The Spirited Art of Sister Corita (2006). Mit einem Hauptaugenmerk auf die ephemeren Kontexte, in denen Corita handelte, hat Ault für die Secession eine Diapräsentation zusammengestellt, die jenes Milieu in den 1960er Jahren behandelt, in dem Corita und ihre StudentInnen Happenings und temporäre Ausstellungen schufen. In
Installation ist eine Doppelprojektion zu sehen, die im Zusammenhang mit einer speziell für diese Ausstellung grafisch gestalteten Plattform steht.
Rumor (June 14, 1969) von Martin Beck besteht aus drei gerahmten Fotografien und drei Bibliografien. Die Bilder zeigen ein Fassadendetail von Paul Rudolphs Art and Architecture Building an der Yale University in New Haven. Die Bibliografien dokumentieren deren wechselhaft kritische Rezeption des Gebäudes über die vergangenen vier Jahrzehnte. Nach seiner Fertigstellung im Jahr 1964 galt das Gebäude unmittelbar als modernistisches Meisterwerk, doch stellte es sich in der Nutzung als schwierig heraus. Es wurde zu einem Symbol für die Krise des modernen Funktionalismus und dessen Beziehung zu autoritären Strukturen. Am 14. Juni 1969 brach im Gebäude ein Feuer aus, das – so das nie offiziell bestätigte Gerücht – im Zuge einer StudentInnendemonstration absichtlich gelegt worden sei.
Ein in die Rückwand von
Information eingebautes Zweikanalvideo von Ault und Beck übernimmt die Rolle der Publikumsorientierung. Das Video behandelt bestimmte Prinzipien der Ausstellung als Medium und Form sowie Methoden der Ausstellungsgestaltung. Es verwendet historische Diskurse und gegenwärtiges Bildmaterial und wurde zusammen mit dem als Rahmen fungierenden Setting eigens für diese Ausstellung hergestellt.
PUBLIKATION
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JULIE AULT/MARTIN BECK
95 Seiten, 37 Farbabbildungen
Texte: Matthias Michalka, Felicity D. Scott
Secession 2006, ISBN 78-3-901926-97-6
Vertrieb: Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln
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Erhältlich im Shop |
VERANSTALTUNGEN
Ausstellungsgespräch mit Julie Ault und Martin Beck
Dienstag, 26. 9. 2006, 18 Uhr
Eine Veranstaltung der
Freunde der Secession.
Another Form of Order, Vortrag von Felicity D. Scott
Sonntag, 8. 10. 2006, 17 Uhr
JULIE AULT, geb. 1957, organisiert sowohl als Einzelkünstlerin als auch in Zusammenarbeit Ausstellungen und Projekte in zahlreichen Formaten. Ihre Arbeit akzentuiert die Beziehungen zwischen Kulturproduktion und Politik. Sie ist Herausgeberin von Alternative Art New York 1965–1985 (2002). 1979 war Ault Mitbegründerin von Group Material, eines in New York ansässigen KünstlerInnenkollektivs, das von 1976 bis 1996 aktiv war.
MARTIN BECK, 1963, beschäftigt sich in seinen Ausstellungen und Projekten mit Fragen der Autorschaft, Geschichtlichkeit und Display und bezieht sich dabei immer wieder auf die Felder Architektur, Design und Populärkultur. Zu seinen Arbeiten zählen an Exhibit viewed played populated im Grazer Kunstverein (Graz, 2003) sowie storage (displayed) bei Spot (New York, 1997).
Ault und Becks gemeinsame künstlerische Arbeiten inkludieren u.a. die Projekte Social Landscape im Weatherspoon Art Museum (Greensboro, North Carolina, 2004) und die Ausstellung OUTDOOR SYSTEMS, indoor distribution in der NGBK (Berlin, 2000). Ault und Beck sind die AutorInnen von Critical Condition: Ausgewählte Texte im Dialog (2003).
Ault und Beck leben und arbeiten in New York.
Ausstellungsansichten:Werner Kaligofsky
Die Ausstellung wird unterstützt von: Vorarlberg Kultur
Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession
Für weitere Informationen, Presse-
und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
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