Catherine Sullivan, Ausstellungsansicht
Im Zentrum der Arbeiten von Catherine Sullivan steht die Befragung der Zwänge und Paradoxien theatralischer Repräsentation. Ihre Filmarbeiten, Theaterinszenierungen und requisitenartigen Skulpturen basieren auf der konkreten Erfahrung schauspielerischer Praxis und ihrer aus der Diskrepanz zwischen Rolle, Person und Körper erwachsenden schizoiden Struktur. Sullivans Interesse gilt den Formen der Kodierung von Ausdruck ebenso wie den Hilfsmitteln, die eingesetzt werden, um das Auftreten von SchauspielerInnen zu bestimmen und zu steuern. Anhand der Grammatik des Theaters gelingt es ihr so, kulturell verankerte Kodierungen der Gestik und Definitionsmuster des Selbst offen zu legen.
Catherine Sullivan, Ausstellungsansicht
In der Secession wird Catherine Sullivan erstmals ihre neue Arbeit,
The Chittendens, zeigen. Ausgangspunkt sind numerische Kompositionsstrategien und die Möglichkeiten ihrer Übertragung auf das Verhalten der DarstellerInnen. Die Strategien des Separierens, der Neukombination und Variation finden ihr Echo in der räumlichen Umsetzung der digitalisierten, auf 16mm gedrehten Filmarbeit. Zugeschnitten auf die Ausstellungsräume der Galerie zeigt Sullivan ihre Arbeit in Form einer 6-fachen Projektion.
Catherine Sullivan, Ausstellungsansicht
Konkret hat Catherine Sullivan eine abstrakten Regeln folgende Choreografie entwickelt: Sie hat 16 SchauspielerInnen jeweils 14 einzelne Posen zugeordnet, die nach strengen Formeln interpretiert, auf ein numerisches Muster übertragen und rhythmisch in verschiedenen Tempi ausgeführt wurden. Inwieweit lassen sich Handlungen überhaupt, ähnlich wie bei einem Musikstück, in isolierte, quantifizierbare Einheiten zerlegen? Andersherum gefragt, inwieweit formen sich aus der willkürlichen Zusammenstellung separater Posen doch wieder Personen? Wie äußern sich Selbstbeherrschung und Entscheidungsfreiheit, eingebettet zwischen Widerstand und der Komplizenschaft mit den aufgetragenen Posen?
Catherine Sullivan, Ausstellungsansicht
Die Reinheit des analytischen Ansatzes und die darin scheinbar eingeschlossene Objektivität koppelt Catherine Sullivan mit Verfremdungsverfahren zeitlicher und räumlicher Verschiebungen. So basieren die Kostüme auf den verschiedensten Stereotypen des 19. und 20. Jahrhunderts und bieten weder den SchauspielerInnen noch den BetrachterInnen Identifikation. Während Sullivan das Geschehen in früheren Arbeiten häufig in historische Situationen transferierte, basiert die Wahl der Schauplätze für diese Arbeit auf der Suche nach einer möglichst aufgeblähten Metapher für das Individuum. Im Zuge ihrer Recherche stieß Sullivan auf das Logo der dann titelgebenden Versicherungsfirma The Chittendens: ein einsamer Leuchtturm wie andere maritime Motive ein häufiges Motiv in Zusammenhang mit der Selbstdefinition amerikanischer Unternehmen. Gedreht wurde daraufhin in einem weitgehend verlassenen Bürogebäude in Chicago, das ursprünglich die unterschiedlichsten Firmen beherbergte, und in einem kleinen Leuchtturm auf Poverty Island vor der Küste von Wisconsin.
Catherine Sullivan, The Chittendens, 2005
Die Kostüme und Schauplätze fungieren als neue, arbiträre Beziehungssysteme für die separaten Auftritte. Sie erzeugen ein Auftürmen von Bedeutungen und Anhäufen von Gesten. Im Spannungsverhältnis zwischen dem Besonderen und dem allgemein Gültigen sind es dabei letztlich die Verhaltensregime selbst, die in ihrer historischen und kulturellen Prägungen sichtbar werden. Wo erschafft sich das Individuum als Eigenes, wo wird es über eine scheinbar persönliche Geste wieder in eine Gemeinschaft und eine Epoche eingeschrieben?
Catherine Sullivan, The Chittendens, 2005
PUBLIKATION
Zum Projekt erscheint ein Künstlerbuch, das gemeinsam mit Tate Modern, London, produziert wird.
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CATHERINE SULLIVAN
64 Seiten, 41 Farbabbildungen, 18 s/w-Abbildungen
Texte: Pierre-Yves Fonfon, Sean Griffin, Zoltàn Krapschutt, Wolf-Dieter
Schlünz, Catherine Sullivan
Secession 2005, ISBN 3-901926-85-2
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Erhältlich im Shop |
CATHERINE SULLIVAN, geb. 1968, lebt und arbeitet in Los Angeles.
EINZELAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL): 2005 Catherine Sullivan, Kunsthalle Zürich; 2004 Catherine Sullivan. Ice Floes of Franz Joseph Land. house of Alex / house of Peter (and some of those crappy details), Kunstverein Braunschweig; Catherine Sullivan: Getting Out of the 20th Century Alive, Neuer Aachener Kunstverein; Catherine Sullivan Ice Floes of Franz Joseph Land, Giò Marconi Gallery; 2003 Tis Pity She's a Fluxus Whore, Wadsworth Atheneum Museum of Art, Hartford; 2002 Catherine Sullivan Five Economies (big hunt / little hunt), T he Renaissance Society at the University of Chicago; 2001 Gestus Maximus (Gold Standard), Galerie Christian Nagel, Köln; GRUPPENAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL): 2004 Videodreams. Zwischen Cinematischem und Theatralischem, Kunsthaus Graz; The 2004 Whitney Biennial, Whitney Museum of American Art, New York
Catherine Sullivan, The Chittendens, 2005
Catherine Sullivan, The Chittendens, 2005
Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:
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Wien Kultur
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