12. 24. 4. 5. 10. 4. 29. 3 3. 4. 22. 27. 3. 15. 20. 3. 8. 13. 3. 1. 6. 3. 24. 2. 27. 2. 23. 2.
Die Regierung. Paradiesische Handlungsräume
Sonia Abián / Carlos Piegari, Ibon Aranberri, Maja Bajević, James Coleman, Alice Creischer, Danica Dakić, Ines Doujak, Peter Friedl, Andrea Geyer, Sanja Iveković, Ambrogio Lorenzetti, Rainer Oldendorf, Lisl Ponger, Alejandra Riera / Fulvia Carnevale, Dierk Schmidt, Allan Sekula, Andreas Siekmann, Hito Steyerl, Jürgen Stollhans, Archivo Tucumán Arde (Graciela Carnevale), Francesca Woodman, Olivier Zabat u.a.
kuratiert von Ruth Noack und Roger M. Buergel
Hat es Sinn, die Regierung nicht im Sinne von HandlungsträgerInnen zu denken, sondern im Sinne von Handlungen? Hat es Sinn, auf die Milosevics, Berlusconis, Putins, Bushs und Schüssels dieser Welt zu verzichten und sich für eine Weile in der Schönheit der politischen Abstraktion zu ergehen? Für eine Weile, die ungefähr so lange währt wie ein Ausstellungsbesuch?
Das Thema dieser Ausstellung ist nicht sonderlich originell. Bereits Mitte des 14. Jahrhunderts interessierte sich die Kunst für eine Darstellung der Wirkung von Regierung auf Menschen, Tiere, Landschaften und Ökonomien (Ambrogio Lorenzetti,
Allegorie der guten und der schlechten Regierung , Rathaus Siena). In ähnlichem Sinne, obgleich ein paar Jahrhunderte später, machte der französische Philosoph Michel Foucault den Vorschlag, Regierung im Sinne von Handlungen zu verstehen, die auf andere Handlungen (die Handlungen anderer) einwirken.
Eine solche Konzentration auf Handlungsräume hat Vorteile, jedenfalls wenn es mit ihrer Hilfe gelingt, den bekannten Freund-Feind-Schemata sowie den schalen Gegensätzen von Individuum und Staatsmacht, von lokalen und globalen Verhältnissen auszuweichen, und die Dinge neu und anders zu sehen. (Dennoch bleibt es wichtig, gewisse Dinge, Folter zum Beispiel oder Abschiebung, nicht neu und anders zu sehen, sondern immer wieder als das zu benennen, was sie sind).
"Handlungen, die auf andere Handlungen (die Handlungen anderer) einwirken" was hat das mit Kunst zu tun? Unmittelbar nichts, mittelbar dafür umso mehr, da die Kunst im Medium der Ausstellung sichtbar wird. Der Raum der Ausstellung ist selbst ein Handlungsraum, der durch Eingriffe reguliert wird. Die Ausstellungsreihe
Die Regierung hat an ihren bisherigen Orten (Lüneburg, Barcelona, Miami) verschiedene Eingriffe durchgespielt, die von den dramatischen Veränderungen im Bildungssystem bis zur Auslöschung von kollektivem Gedächtnis reichen. In der Secession wird nun ein Aspekt entfaltet, der der Kunst innewohnt: die künstlerischen Arbeiten sind selbst verdichtete Handlungen.
Dabei handeln sie weniger als konkrete Interventionen in der Lebenswelt; vielmehr löst sich ihr Handlungscharakter im Prozess der Kunsterfahrung ein. Und damit ist auch klar, dass nicht allein die Werke handeln. Es geht um die Interaktion zwischen Werken und Publikum, welches sich ebenfalls erst im Akt der Rezeption als solches verstehen kann.
Paradiesische Handlungsräume ist also ein Versuch, die verdichteten Handlungen der Kunstwerke in der Form der Ausstellung weiter zu tragen, wenn nicht gar zu verschmelzen. Es entsteht eine Art dreidimensionaler Film, der die BetrachterInnen in sein kompositorisches Tun zu involvieren sucht: jeden Dienstag verändert die Ausstellung ihre Erscheinung, es wechselt die Mis-en-scène, wobei die einzelnen Einstellungen einander kommentieren, revidieren und überlagern, Werke verschieden kontextualisieren oder in die Beziehungslosigkeit entlassen. Vielleicht, so die Hoffnung, gelangen wir auf diese Weise zu einem dynamischen Bild unserer Welt, einem Bild, in dem wir darüber hinaus selbst mitspielen.
Da wir es ernst meinen mit der Behauptung, dass das Publikum erst in der Kunstwahrnehmung entsteht, interessieren uns die Effekte unseres experimentellen Handlungsraumes auf die AusstellungsbesucherInnen. Um diese Effekte wiederum im Verlauf der Ausstellung wahrnehmen zu können, haben wir einen Teil der Ausstellung vorgelagert, in die Ausbildung von SchülerInnen, die im Rahmen der Ausstellung Verantwortung für die Vermittlung derselben übernehmen werden. Wer will, kann sich also wöchentlich bei den Dialogführungen von SchülerInnen in die Geheimnisse der einzelnen Arbeiten und ihrer Zusammenhänge einweihen lassen.
SchülerInnen führen durch
Die Regierung. Paradiesische Handlungsräume
AUSSTELLUNGSGESPRÄCH
Donnerstag, 10. 3. 2005, 18.30 Uhr
Die KuratorInnen Ruth Noack und Roger M. Buergel im Gespräch mit Alice Creischer und Andreas Siekmann, KünstlerInnen der Ausstellung DIE REGIERUNG
Paradiesische Handlungsräume.
Eine Veranstaltung der
Freunde der Secession.
FILMSCREENING
Allan Sekula,
The Lottery Of The Sea, 2005, 180 min
2. April 2005, 15 Uhr
Filmmuseum, Augustinerstr.1, 1010 Wien
PUBLIKATION
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DIE REGIERUNG
Paradiesische Handlungsräume
68 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen + 1 CD MS Berlin
Texte: Matthias Herrmann, Ruth Noack / Roger M. Buergel
Secession 2005, ISBN 3-901926-77-1
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Erhältlich im Shop |
Die Stationen der Ausstellungsreihe
Die Regierung:
Kunstraum der Universität Lüneburg
http://dieregierung.uni-lueneburg.de
Museu d'Art Contemporani de Barcelona
http://www.macba.es
Miami Art Central (MAC)
http://www.miamiartcentral.org
Secession
www.secession.at
Witte de With Center for Contemporary Art Rotterdam
http://www.wdw.nl
Die Ausstellung wird unterstützt von:
L. Bösendorfer Klavierfabrik GmbH
Brumec GesmbH
Filmmuseum
Kulturstiftung des Bundes
Mit Loidl oder Co.Graz
Technic Design AG, Wels
Zumtobel Staff Österreich
Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank - Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession
Für weitere Informationen, Presse-
und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
Pia Leydolt
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
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