Klub Zwei, in Zusammenarbeit mit, Secession 2005
Seit 1992 arbeiten Simone Bader und Jo Schmeiser als Kollektiv Klub Zwei. Zwischen Kunst, Film und neuen Medien angesiedelt, leisten ihre Arbeiten eine kritische Auseinandersetzung mit Migration, Rassismus und Antisemitismus und der Form ihrer Darstellung in den Medien und der Öffentlichkeit. Klub Zwei analysieren Repräsentationsordnungen, weil strukturelle Verände-rungen immer auch mit Sichtbarkeit bzw. Sichtbarmachung einhergehen. Gleichzeitig reflektieren Klub Zwei die eigenen Produktionsbedingungen und entwickeln egalitäre Modelle der Zusammenarbeit, die das Schema der autoritären AutorInnenschaft verlassen. Für ihre Ausstellung in der Secession haben Klub Zwei drei Videoinstallationen entwickelt, die in Fortsetzung ihres jüngsten Film- und Buchprojektes
Things. Places. Years. die Folgewirkungen der Shoah auf nachgeborene Generationen und die nachhaltige Präsenz des Verlusts untersuchen.
Klub Zwei, in Zusammenarbeit mit, Secession 2005
Die Installation
Phaidon. Verlage im Exil / Phaidon. Presses in Exile im Kreuzraum der Galerie thematisiert die Geschichte des ursprünglich in Wien ansässigen Phaidon Verlags. Der 1923 von Béla Horovitz, Ludwig Goldscheider und Fritz Ungar gegründete Verlag spezialisierte sich ab 1933 auf Publikationen zu Kunst und Kunstgeschichte. Sein Erfolg beruhte auf dem verlegerischen Mut, Bücher von hoher Qualität in hohen Auflagen und zu für eine breite Öffentlichkeit erschwinglichen Preisen anzubieten. Bereits in den 1930er Jahren forcierte Horovitz internationale Kooperationen mit englischen und amerikanischen Verlagen. Darauf aufbauend konnte er den Verlag 1938 pro forma an den englischen Verlag George Allen & Unwin verkaufen, so dass Phaidon vor der Arisierung gerettet werden konnte. Wenig später emigrierte Horovitz mit seiner Familie ebenfalls nach England. Es gelang ihm nicht nur, den Nationalsozialisten zu entkommen, sondern auch weiterhin als Verleger tätig zu sein und seine Bücher in NS-Deutschland und -Österreich zu vertreiben.

Zeitlose Kunst, Phaidon Verlag, Wien, 1934
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Art Without Epoch, Allen & Unwin / Phaidon Press, London, 1937
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Exemplarisch zeigt sich diese Geschichte an dem Buch
Zeitlose Kunst von Ludwig Goldscheider, das 1934 in Wien und drei Jahre später unter dem Titel
Art without Epoch in London erschien. Die Auswahl der Kunstwerke, welche die Moderne einbezieht, die grafische Gestaltung und die Typografie offenbaren das international orientierte Selbstverständnis des Verlags. Die im Titel und für den Text verwendete Schrift Grotesk wurde Anfang des 19. Jh. entworfen und im 20. Jh. von den Bauhaus- GrafikerInnen zur Futura weiterentwickelt: bereits zur Zeit des Ständestaates stand sie in deutlicher Opposition zu der von den Deutschnationalen propagierten Fraktur Schrift und der damit einhergehenden Ideologie.
Klub Zwei, in Zusammenarbeit mit, Secession 2005
Die Installation kombiniert Interviews
mit der Tochter von Béla Horovitz, Kunstverlegerin Elly Miller, und seiner Enkelin, der Autorin und Herausgeberin Tamar Wang, sowie mit Ursula Seeber, der Leiterin der Exilbibliothek des Literaturhauses in Wien
mit Schriftbildern, den typografisch gestalteten Übersetzungen, sowie zusätzlichen Anmerkungen, die im Raum selbst ein Nebeneinander finden. Klub Zwei erinnern nicht nur an die kosmopolitischen und ästhetischen Ansprüche des Verlages, sie verbildlichen auch eine Folge der Emigration: den Verlust der Sprache und das gleichzeitige Fortbestehen des kulturellen Zusammenhangs.
Klub Zwei, in Zusammenarbeit mit, Secession 2005
Interviewpartnerinnen der zwei anderen, zusammenhängenden Installationen
Verlust / Loss und
Antworten geben können /
Response Ability sind Katherine Klinger und Ruth Sands - beide arbeiten am Institute of Contemporary History & Wiener Library London
und Hannah Fröhlich, die in der Kultusgemeinde Wien tätig ist. Ausgangspunkt der in Wien geführten Gespräche ist die durch die Geschichte des Nationalsozialismus und der Shoah geprägte Wahrnehmung der Stadt. Die InterviewpartnerInnen thematisieren, wie sich Vertreibung und Vernichtung unrevidierbar in die Stadt Wien eingeschrieben haben. U. a. wirft das Projekt Fragen danach auf, welche unterschiedlichen Standpunkte die Nachkommen - der Überlebenden bzw. der TäterInnen(gesellschaft) - einnehmen und auch einnehmen müssen, welches Wissen die Eltern- bzw. Großelterngeneration an sie weitergegeben hat, wie sie mit diesem Wissen umgehen und wie es ihr Leben, ihre Haltungen und Handlungen in der Gegenwart prägt.
Klub Zwei, in Zusammenarbeit mit, Secession 2005
PUBLIKATION
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KLUB ZWEI
64 Seiten, 28 Seiten mit Farbabbildungen
Texte: Anthony Auerbach, Karin Gludovatz, Matthias Herrmann, Klub Zwei, Sabine
Rohlf, Hito Steyerl
Secession 2005, ISBN 3-901926-81-6
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Erhältlich im
Shop |
Klub Zwei, in Zusammenarbeit mit, Secession 2005
KLUB ZWEI leben und arbeiten in Wien.
EINZELAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL): 2005 Noir sur blanc - le revers des images, Bétonsalon Paris; 2003 Things.Places.Years. & Arbeit an der Öffentlichkeit (Klub Zwei/Maiz), Halle für Kunst e.V., Lüneburg; 2001 At Home In Vienna, Austrian Cultural Forum London; Things. Places. Years. & Work on / in the Public (Klub Zwei/Maiz), Queen Elizabeth Hall, London; 2000 Arbeit an der Öffentlichkeit (Klub Zwei / Maiz), Kunstraum Goethestraße, Linz; Antirassistische Öffentlichkeiten. Feministische Perspektiven. <Vor der Information>, Nr. / no. 99/00, Kunsthalle Wien, Schaufenster; 1996 Map, Museum für angewandte Kunst, Wien; 1995 Hotel Room Movie, Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz
AKTUELLE KOOPERATIONEN: 2005 Born to be white. Rassismus und Antisemitismus in der weißen Mehrheitsgesellschaft, Jo Schmeiser in Zusammmenarbeit mit Rosa Reitsamer, IG Bildende Kunst, Wien; Raum als soziale Kategorie, genderspezifische Vorlesung, Simone Bader in Zusammenarbeit mit Sascha Reichstein und Isa Rosenberger, Akademie der Bildenden Künste, Wien; Arbeit an der Öffentlichkeit, Klub Zwei in Zusamenarbeit mit SFC - Schwarze Frauen Comunity, Öffentlicher Raum und Generali Foundation, Wien
FILMVORFÜHRUNGEN
Klub Zwei,
Things. Places. Years., A/GB 2004, Beta SP, Farbe, 70 Min, engl. OF mit dt. UT
Freitag, 21. 10. 2005, 19 Uhr / Sonntag, 13. 11. 2005, 19 Uhr (Gespräch mit Katherine Klinger, Institut of Contemporary History & Wiener Library, London)
Topkino, Rahlgasse 1, 1060 Wien
Ausstellungsansichten: Matthias Herrmann
Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession
Für weitere Informationen, Presse-
und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
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