Bik Van der Pol, Past Imperfect, In-Situ, Secession, 2005, Photo Matthias Herrmann


Liesbeth Bik und Jos van der Pol arbeiten seit 1995 unter dem Namen Bik Van der Pol zusammen. In ihren kollaborativen Projekten intensivieren sie die Zirkulation von Wissen: die Reaktivierung von Geschichte und Erinnerung wird zur Basis eines assoziativen Dialogs über die Aussagekraft von Information.


Bik Van der Pol, Past Imperfect, In-Situ, Secession, 2005
Bik Van der Pol, Past Imperfect, In-Situ, Secession, 2005, Photo Bik Van der Pol


Seit einiger Zeit recherchieren Bik Van der Pol Situationen, in denen das Bekenntnis zu einer spezifischen Zeitlichkeit in der künstlerischen Produktion zu radikalen Entscheidungen innerhalb einer kulturellen/künstlerischen Praxis führt, zu Brüchen und Richtungswechseln; Situationen, die in ihrer Unbedingtheit auch die Frage aufwerfen, inwieweit sie den Verlauf der (Kunst-)Geschichte beeinflussen.


Bik Van der Pol, Past Imperfect, In-Situ, Secession, 2005
Bik Van der Pol, Past Imperfect, In-Situ, Secession, 2005, Photo Bik Van der Pol


Past Imperfect, so der Titel des aktuellen Projekts, umfasst eine Serie von Ausstellungen und begleitenden Zeitschriften, die 2005 im Witte de With (Rotterdam), bei Casco (Utrecht) und in der Secession gezeigt werden. Bereits 2001 gaben die performativen Arbeiten der us-amerikanischen Konzeptkünstlerin Lee Lozano den Anstoß, Beispiele radikaler Gesten (Äußerungen, Ereignisse oder Taten) zu sammeln. Die künstlerische Übersetzung dieser fortlaufenden Recherche – in Zeichnungen, Videos und Installationen – fragt u.a., auf welche Weise Radikalität in der Geschichte überlebt, ob ihr per se eine Zeitlichkeit anhaftet, oder wie sie als Ware in aktuelle Interessen integriert wird.



Bik Van der Pol, Past Imperfect, In-Situ, Secession, 2005, Photo Matthias Herrmann


Für Past Imperfect entwickelten Bik van der Pol ein Format, das über die Person Lee Lozano hinausgeht, denn Faszinosum war weniger sie als Person, sondern die Aspekte, die sie durch ihr Werk verkörperte: Kontrolle, Zerstörung, Verschwinden. Dieses Interesse führte zu einer abstrakteren Untersuchung des Erlebens von Wissen, und wie politische oder individuelle Radikalität Öffentlichkeit beeinflusst oder gar formt. Neben "Fällen" aus dem Kunstfeld – wie Bas Jan Ader, Lee Lozano etc., die sich aus unterschiedlichen Gründen aus der Kunstwelt verabschiedet haben – beziehen Bik Van der Pol aber auch Momente aus der Filmgeschichte, z. B. die 10stündige Originalversion Greed von Erich von Strohheim, und Fälle aus der Politik, der Literatur, dem Geheimdienst, aus der Wissenschaft oder dem alltäglichen Leben in ihre Recherchen ein.

In der Secession lenken Liesbeth Bik und Jos van der Pol den Blick u. a. auf die Trinity Site in New Mexico, jenes Stück Land, das in der öffentlichen Aufmerksamkeit vom geheimen Atombomben-testgebiet zur Touristenattraktion wechselte. Die erste Nuklearsprengung fand nicht in Japan, sondern in New Mexico statt – an einem Ort, der heute Trinity genannt wird und der nicht permanent öffentlich zugänglich ist. Zweimal pro Jahr aber wird Publikum Zugang gewährt. Trinity ist e in Ort, dessen Ereignisse und Folgen in den 50er und 60er Jahren von der allgemeinen Öffentlichkeit ferngehalten bzw. nicht im Ausmaß ihrer Radikalität wahrgenommen wurden.

Die plötzliche Wiederaufnahme der öffentlichen Debatte über mögliche Verwendungszwecke von Nuklearenergie und das Phänomen ihrer medialen Nichtpräsenz während der letzten 10 bis 15 Jahre gaben den Anstoß, die Trinity Site zu besuchen und vor Ort Material für einen Film zu sammeln, der erstmals in der Secession gezeigt wird.


PUBLIKATION
Für die Secession erscheint die 2. Ausgabe der Zeitschrift Past Imperfect als zweisprachiger Katalog (D/E) zur Ausstellung mit Texten von Bik Van der Pol, Arnon Grunberg und Nina Möntmann sowie einem Interview von Bik Van der Pol mit Susanne Neuburger und Hedwig Saxenhuber.


Katalog BIK VAN DER POL

80 Seiten, 101 Farbabbildungen, 46 s/w Abbildungen
Texte: Nina Möntmann, Bik van der Pol, Susanne Neuburger, Hedwig Saxenhuber, Arnon Grunberg
Secession 2005, ISBN3-901926-78-X
Vertrieb: Revolver

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Erhältlich im Shop



BIK VAN DER POL (Liesbeth Bik und Jos van der Pol) leben und arbeiten in Rotterdam.
Einzelausstellungen (Auswahl): 2005 Exposorium, Free University, Amsterdam; 2004 Mobile Home, Virtueel Museum, Amsterdam; 2003 Past Imperfect (werktitel), Casco projects, Utrecht; Nomads in Residence, Leidsche Rijn, Utrecht (mit Korteknie und Stuhlmacher Architekten); Sleep With Me, Rooseum Universal Studios Part 1, Rooseum, Malmö; 2002 Married by Powers, a selection from the collection Frac Nord-Pas de Calais by Bik Van der Pol, TENT., Rotterdam; 2001 Insert, BüroFriedrich, Berlin (mit Arbeiten von Lee Lozano)
Gruppenausstellungen (Auswahl): 2005 Life, once more, Forms of Reenactment in Contemporary Art, Witte de With, Rotterdam; 2004 Teasing Minds, a project for SMS (School of Missing Studies), Kunstverein München (mit Stealth Group); 2003 Moskva Ter (Gravitation), Ludwig Museum, Budapest



In-Situs: Matthias Herrmann



Die Ausstellung wird unterstützt von:
Mondriaan Stichting

Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank – Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession



EVA SCHLEGEL     KIRSTEN PIEROTH AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2005



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Tamara Schwarzmayr
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