Nicole Wermers, Chemie, Secession 2004


In ihren Collagen und Skulpturen abstrahiert Nicole Wermers Attraktionen und Oberflächen einer zeitgenössischen Konsumkultur zu architektonischen Strukturen, die ein Wechselspiel von Verführung und Kontrolle anklingen lassen.



Nicole Wermers, Chemie, Secession 2004


Im Grafischen Kabinett der Secession zeigt Nicole Wermers eine Reihe abstrakter Skulpturen, die meist paarweise im Raum angeordnet sind. Als architektonische Leitsysteme bilden sie Schleusen und Durchgänge, ihre formale Struktur erinnert aber auch an Warensicherungssysteme, wie sie an den Ein- und Ausgängen von Kaufhäusern platziert sind. Nicole Wermers greift diese Artefakte, deren Design normalerweise gen Null strebt, auf und aktualisiert deren bildhauerisches Potenzial. Die Wahl der Materialien (u. a. Holz, Stahl, Noppen-PVC) knüpft dabei an eine Geschichte der minimalistischen Skulptur und modernistischen Oberflächengestaltung an.


Nicole Wermers, Chemie, Secession 2004
Nicole Wermers, Chemie, Secession 2004


Die Arbeiten wirken in ihrer profillosen, reduzierten Form nahezu zweidimensional, entwerfen allerdings atmosphärisch eine Dreidimensionalität, die über das Materielle hinausgeht und auf ein Spektrum unsichtbarer Strahlungen und Wirkungen anspielt - seien es spirituelle, repräsentationssymbolische oder elektromagnetische. Gleichzeitig erinnern die Zwillingsskulpturen auch an jene herrschaftlichen "Wächter" links und rechts von Portalen, die den Übergang zwischen zwei Räumen regulieren und als eine Zone der Be- und Überwachung, aber auch der neugierigen Verführung und lautlosen Bedrohung dramatisieren.


Nicole Wermers, Chemie, Secession 2004
Nicole Wermers, Chemie, Secession 2004


Als weiteres Element der Ausstellung setzt Nicole Wermers eine neue Serie von Collagen in Dialog zu den Skulpturen: die Collagen ( Katzensilber V - VII , 2004) aus Abbildungen von Kristallen, rohen Edelsteinen und Mineralien sind in boxenartige Rahmenobjekte eingepasst. Ausschließlich an einer Seite angebracht verleihen sie den ansonsten eher neutralen Boxen eine Richtung und "strahlen" in den Raum. Die Platzierung unterstützt diesen Eindruck, so dass die Rahmenobjekte auch als materielle und immaterielle Resonanzkörper zu den Skulpturen gelesen werden können.


Nicole Wermers, Chemie, Secession 2004
Nicole Wermers, Chemie, Secession 2004


Nicole Wermers dehnt diese ambivalent aufgeladene Spannung bis in den Aufgang zum Grafischen Kabinett aus, wo eine Skulptur aus Stahl platziert ist. Ähnlich wie in der früheren Serie French Junkies (2002), nimmt diese die Form eines Standaschenbechers auf: ein Accessoire, das ebenso wie die Warensicherungssysteme das Konsumverhalten reglementiert, aber auch an das auratische Moment der Verführung erinnert.



Nicole Wermers, Chemie, Secession 2004



PUBLIKATION

Katalog NICOLE WERMERS

40 Seiten, 18 Farbabbildungen
Texte: Tom Holert, Vanessa Joan Müller
Secession 2004, ISBN 3-901926-73-9
Vertrieb: Revolver Verlag

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Erhältlich im Shop



NICOLE WERMERS, geboren 1971 in Emsdetten, Nordrhein Westfalen, lebt und arbeitet in Hamburg und London
EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl): 2004 Katzensilber, Millers Terrace, London; 2003 Galerie Borgmann-Nathusius, Köln; 2002 French Junkies, Produzentengalerie Hamburg; 2000 Förderkoje (Young Artist Programme), Art Cologne, Köln, Produzentengalerie Hamburg; GRUPPENAUSSTELLUNGEN (Auswahl): 2004 Reality Real, Galerie Gebrüder Lehmann, Dresden; The Future Has A Silver Lining, migros museum für gegenwartskunst, Zürich; 2 oder 3 Dinge, Die Ich Von Dir Weiss, Produzentengalerie Hamburg; Pin Ups, Contemporary Drawing and Collage, Tate Modern, London; 2003 Handlungsräume, Halle für Kunst, Lüneburg; Renderings, Delfina Gallery, London; Neue Kunst in Hamburg, Kunsthaus, Hamburg; Help, Galerie Els Hanappe Underground, Athen; A Nuova Geometria, Galeria Fortes Vilaça, São Paulo; 2002 The Day After, Galerie Cookie Snoie, Rotterdam; Building Anxiety, Ten in One Gallery, New York; 2001 Sammlung Karl-Ernst-Osthaus Museum, Hagen; Liminal, Minimal, Nominal - Architectual Traces, John Hansard Gallery, Southhampton; German Leitkultur, Kunsthalle Friedericianum, Kassel; Zero Gravity, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf; Videonale Bonn, Bonner Kunstverein; A Sport and A Passtime, Greene Naftali Gallery, New York; Szenarien oder Hang zum Theater, Bonner Kunstverein und Stadthaus Ulm; Szenenwechsel XX, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main; 2000 And If There Were No Stories, Stephen Friedman Gallery, London; Pallisades, Centre d’Art, Bretigny-sur-Orge



Nicole Wermers, Chemie, Secession 2004
Nicole Wermers, Chemie, Secession 2004


Photos: Matthias Herrmann
Die Ausstellung wird unterstützt von: IFA. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.



ALBERT OEHLEN   JOSEPHINE PRYDE AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2004



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Tamara Schwarzmayr
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