Regina Möller, embodiment - dress plot, Photo: Hannes Böck
Regina Möller siedelt ihre Arbeiten im Grenzbereich von Kunst, Mode und Comic
an. Sie greift verschiedene Formate gegenwärtiger kultureller Kommunikation
auf und reflektiert deren identitätsstiftende, ökonomische und funktionale
Konnotationen. So adaptiert sie zum Beispiel in ihrer Zeitschrift
regina,
mit der sie seit den späten 90er Jahren eine breite Öffentlichkeit erreichte,
die Sprache von Frauenzeitschriften und unterläuft durch leichte Verschiebungen
die gewöhnlichen Konstruktionen weiblicher Identität. Parallel dazu
hat Regina Möller seit 1993 unter ihrem Label
embodiment Kleidung,
Tapeten, Möbel und Innenausstattungen entworfen, bei denen sie die Materialien
mit neuen Bedeutungen auflädt und die soziokulturellen Parameter der Produkte
jenseits von aktuellen und somit vergänglichen Moden untersucht.
Regina Möller, embodiment - dress plot, Photo: Hannes Böck
Für ihre Ausstellung
embodiment - dress plot in der Secession hat
Regina Möller eine neue Kollektion entworfen und installativ inszeniert.
In der medialen Verschränkung von Kleidung, Bühnenbild und Hörspiel
entwickelt sie eine komplexe Erzählung.
Regina Möller, embodiment - dress plot, Photo: Hannes Böck
Thematischer Ausgangspunkt ist die Comicfigur Poison Ivy. Ursprünglich als
Randfigur bei Batman konzipiert, hat sie sich inzwischen mit einem eigenen Comic
als Superheldin emanzipiert. Charakteristisch ist ihre Doppelidentität als
Pflanzen und Umwelt schützendes Wesen einerseits und als zerstörende
Verbrecherin andererseits. Dank eines hyperaktiven Immunsystems reagiert ihr Körper
nicht auf das tödliche Gift jener Pflanzen, die sie in ihrem grünen
Paradies liebevoll umhegt, deren Killer-Reben und giftige Pollen sie aber zugleich
als biologische Waffe gegen ihre Feinde einsetzt.
Regina Möller, embodiment - dress plot, Photo: Hannes Böck
Diese Wandelbarkeit Poison Ivys und das damit verbundene doppelte Bild des Weiblichen
als Heimchen und "Femme Fatale" spiegelt sich in der Inszenierung Regina
Möllers auf vielfache Weise wieder. Sie hat zwei fiktive Frauencharaktere
entwickelt, die letztlich für eine Person stehen. Definiert werden sie über
das Environment, ihre Stimmen und ihre Kleidung. Die Kostüme leben durch
ihre Details und sind prinzipiell tragbar. Die identitätsstiftende Funktion,
die dem Kostüm im Comic zukommt, begründet sich durch seine Vorstellung
als zweite Haut. Eine solche Verkörperung der Hülle - wörtlich
für embodiment - wird durch den im Hörspiel aufgeführten Kampf
mit dem Kostüm zu einem dramatischen und amüsanten Ereignis der Selbstfindung
verdichtet.
Regina Möller, embodiment - dress plot, Photo: Hannes Böck
Regina Möller konterkariert den Entwurf idealer Weiblichkeit, indem sie ihn
durch den Bezug zu ihrer eigenen Person erdet. Der Standardisierung und Normierung
des Körpers, allegorisch durch die Schneiderpuppen als Träger der Kostüme
verkörpert, stellt Möller den eigenen Körper, an dem sie für
die Kostüme maßgenommen hat, gegenüber. Ihr Portrait, comicartic
stilisiert, findet sich als Druck auf Modell-Entwürfen der Kostüme ebenso
wie als überlebensgroße Wandzeichnung.
Regina Möller, embodiment - dress plot, Photo: Hannes Böck
Die Installation von Regina Möller zitiert die Präsentationsformen der
Modewelt, das Schaufenster oder den Laufsteg, aber auch der Sprache musealer Ausstellungsdisplays
und die Theaterbühne. Zwischen diesen Referenzräumen oszillierend, an
der Nahtstelle von Kunst und Mode, Körper und Kostümbild präsentiert
sie ein Szenario, das Individualität und Typik, Fiktion und Tatsächlichkeit
gegeneinander ausspielt.
Regina Möller, embodiment - dress plot, Photo: Hannes Böck
PUBLIKATION
 |
REGINA MÖLLER
40 Seiten, 28 Farbabbildungen
Texte: Matthias Herrmann, Hedwig Saxenhuber, Barbara Vinken
Secession 2004, ISBN 3-901926-76-3
___________________
Erhältlich im
Shop |
REGINA MÖLLER lebt und arbeitet in Berlin und Stockholm.
Ausstellungen (Auswahl): 2004 3. berlin biennale für zeitgenössische
kunst, Kunst-Werke Berlin; Martin-Gropius-Bau, Berlin; 4 & 4, Galerie Müller
de Chiara, Berlin; 2003 Between the Lines, apexart, New York; 2002 International
Art Flag Festival, Seoul; re-direct, Künstlerhaus Stuttgart; 2001 First Story
- Women Building / New Narratives for the 21st Century, Galeria do Palácio,
Porto; Spiel-Skulptur, Kindergarten, Grossmugl/Niederösterreich; 2000 Rénovation,
F.R.A.C. Languedoc-Roussillon, Montpellier; Models of Resistance, Overgarden,
Kopenhagen; All You Can Eat, Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig;
Cross Female, Künstlerhaus Bethanien, Berlin; Mengenbüro, Skuk Galerie,
Ljubljana; 1999 embodiment LineOne, F.R.A.C. Champagne-Ardenne, Reims; Kunstpreis
der Böttcherstraße in Bremen, Kunsthalle Bremen; Space, Witte de With,
Rotterdam; 1997 Meinen Arbeitsplatz gibt es noch nicht, Kunstverein München;
Grazer Kunstverein
Regina Möller, embodiment - dress plot, Photo: Hannes Böck
Edition: Poison Ivy, Blumentopf mit Filz überzogen, Hydrokultursteinchen,
Hörspiel auf CD / min. Auflage 20 Stück. Preis je 390,00 Euro
Die Ausstellung wird unterstützt von:
IFA.
Institut für Auslandsbeziehungen e.V.
plan 2. neubert & fuchs oeg
Die Ausstellungen wurden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank - Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession
HS Art Service, Kunsttransporteur der Secession
Für weitere Informationen, Presse-
und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
Pia Leydolt
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