Symposium 15. - 16. 10. 2004, ab 15.30 Uhr
THE ARTIST AS PUBLIC INTELLECTUAL?
Eine Veranstaltung der Akademie der bildenden Künste Wien und der
Freunde der Secession
Silvia Kolbowski, inadequate...Like... Power, In-Situ: Hannes Böck
Wo und wie kann heutzutage eine kritische künstlerische Praxis platziert
werden? Welche Möglichkeiten bieten konzeptuelle Strategien und Methoden,
um zu einer Kritikfähigkeit zurück zu finden? Silvia Kolbowski zählt
zu den zentralen VertreterInnen einer Generation von KünstlerInnen, die in
Anlehnung an konzeptuelle Methoden der 60er und 70er Jahre den Objektivitätsanspruch
von Aussagen - seien es Bilder, Töne oder Gesten - zugunsten einer Politisierung
derselben radikal in Frage stellen. Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Praxis
war vor allem eine intensive Auseinandersetzung mit Feminismus, feministischer
Filmtheorie, Avantgardefilm und Überlegungen der Psychoanalyse, sowie in
weiterer Folge der Konzeptkunst. In ihren Installationen thematisiert Silvia Kolbowski
paradigmatische Phänomene eines aktuellen Zeitgeistes: die Faszination von
Shopping, die Historisierung der Konzeptkunst, die Symbolkraft von Macht. Sie
stehen für Erfahrungsräume einer Massenkultur, die von Dominanz und
nicht von Diskurs geprägt ist. Diesen dominanten, monologischen Stimmen setzt
Silvia Kolbowski modifizierte Interviewsituationen entgegen, die sowohl eine Vielstimmigkeit
als auch eine "Ethik des Scheiterns" (Jacqueline Rose) zeigen, ohne
aber über eine Personalisierung und Ich-Erzählung zu individualisieren.
Silvia Kolbowski, an inadequate history of conceptual art (1998-1999)
Im Hauptraum der Secession sind das erste Mal drei raumgreifende Installationen
der Künstlerin zu sehen:
an inadequate history of conceptual art (1998-1999),
Like Looking Away (2000-2002) und
Proximity to Power: American Style (2003-2004), ein Projekt, das die Künstlerin speziell für die Secession
entwickelte.
Silvia Kolbowski, inadequate...Like... Power, In-Situ: Hannes Böck
Silvia Kolbowski, inadequate...Like... Power, In-Situ: Hannes Böck
Die Ton- und Videoinstallation
an inadequate history of conceptual art entstand als Reaktion auf das Revival der Konzeptkunst Mitte der 90er Jahre. Das
erneute Interesse an konzeptuellen Strömungen aus Europa, den USA, Asien
und Lateinamerika führte zu einer abrupten Historisierung und Vermarktung.
Ausgehend von dieser Beobachtung bat Silvia Kolbowski 22 KünstlerInnen, aus
der Erinnerung ein Werk aus den Jahren 1965 bis 1975 zu beschreiben, dessen Zeuge
sie waren. Die Erzählungen, die weder Namen der KünstlerInnen noch Titel
der Arbeiten nennen, bieten einen Einblick in eine Vielzahl an Details und Nebenschauplätzen,
die die Erfahrung und Erinnerung geformt haben. Wiederholungen, Verwechslungen,
Lücken und divergente, subjektive Bewertungen vermitteln eine "unangemessene"
(inadequate) Darstellung. Das hier vorgeführte Geschichtswissen ist von einer
Vergangenheitsform, dem Unbewussten und Subjektiven, von Vielstimmigkeit, aber
auch einem Scheitern in der sprachlichen Erfassung geprägt, was wiederum
den offiziellen Fluss der Geschichtsschreibung stört. In der räumlichen
Übersetzung trennt Silvia Kolbowski den Ton vom Bild. Während in einem
Raum die Interviewstimmen zu hören sind, zeigt im anderen eine Videoprojektion
nur die Hände der GesprächspartnerInnen. Die Bild- und Tonspur sind
nicht synchronisiert, sondern verweisen auf die ethisch-politische Dimension der
"Unangemessenheit".
Silvia Kolbowski, Like Looking Away (2000-2002)
In
Like Looking Away befragt Silvia Kolbowski junge Frauen zwischen 18
und 34 nach ihrer Beziehung zu Shopping. Auch hier beinhaltet die Installation
nur die Antworten der Interviewten, nicht aber die Fragen der Künstlerin.
Darüber hinaus wurden alle sprachlichen Verweise auf "Shopping"
weggelassen. Die auf diese Weise bearbeiteten Aussagen der jungen Frauen ließ
Silvia Kolbowski von einer Schauspielerin sprechen. Diese imitiert die spezifischen
stimmlichen Eigenschaften und Intonationen der Protagonistinnen, während
ihr Einsatz gleichzeitig eine Spannung zwischen Stimme und Ich-Erzählung
erzeugt. Parallel zur Tonebene zeigt Silvia Kolbowski 31 Fotografien: es sind
Portraits der 30 Frauen, die aufgenommen wurden, während die Frauen sich
das Playback ihrer Tonaufnahmen anhörten; die 31. Fotografie zeigt die Schauspielerin
im Tonstudio. Räumlich, aber nicht akustisch getrennt sind in einem Videoloop
Auszüge aus einem Hollywood Blockbuster zu sehen, der nur die gewalttätigsten
Szenen des Films herausgreift.
Like Looking Away thematisiert die Sublimierung
persönlicher und öffentlicher Erfahrung und hebt so die Rolle des Unbewussten
als treibende kulturelle Kraft hervor.
Silvia Kolbowski, inadequate...Like... Power, In-Situ: Hannes Böck
Die dritte Installation,
Proximity to Power: American Style, die speziell
für die Ausstellung in der Secession entstand, befragt Männer aus dem
Bereich der Wirtschaft, Politik, Religion sowie der Medien- und Unterhaltungsindustrie,
die in einer engen beruflichen Beziehung zu "Männern mit Macht"
stehen. Diese Personen haben eine Stellvertreter- bzw. Mediatorenposition und
tragen wesentlich zur Organisation der Macht bei. Für Silvia Kolbowski sind
die relationalen Aspekte von Macht hinsichtlich amerikanischer und anderer weltweiter
Tendenzen des Diktierens und Auferlegens von Macht und Kultur relevant. Die bearbeiteten
Interviewsequenzen wurden ebenfalls von Schauspielern gesprochen. Sie sind mit
einer Filmmusik gemischt, die auf dem Soundtrack eines bekannten Films über
den Vietnamkrieg basiert, und bilden das Voiceover für zwei Diaserien. Die
erste Serie zeigt ausschließlich Details jener bekannten Radierung
Der
Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer (1796-1797) von Francisco Goya. Die
Vergrößerung überführt die metaphorische und kulturkritische
Bildsprache in eine Abstraktion. Im Dialog dazu findet sich eine zweite Serie,
die eine konträre Bildsprache inszeniert: es sind Abbildungen, die Aussagen
von ca. 40 Jungen zwischen 7 und 11 Jahren (laut Freud die Latenzzeit) illustrieren,
denen Silvia Kolbowski die Frage stellte: Wodurch wird für Dich Macht repräsentiert?
Silvia Kolbowski, inadequate...Like... Power, In-Situ: Hannes Böck
Silvia Kolbowski war Mitherausgeberin der Zeitschrift
October (1993-2000),
kooperierte in den 90ern mit Architekten wie Peter Eisenman, lehrte u.a. am Whitney
Independent Study Program (1988-1996) sowie der derzeit am CCC Programm der Ecole
Supérieure d'Art Visuel, Genf und im Architekturdepartement der Parsons
School of Design, NY. Die Architektur der Ausstellung entwickelte Silvia Kolbowski
gemeinsam mit dem Architekten Ali Tayar (parallel design, NY). Die Musik zu
Proximity
to Power: American Style wurde von Maxim Kolbowski-Frampton arrangiert.
Silvia Kolbowski, inadequate...Like... Power, In-Situ: Hannes Böck
PUBLIKATION
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SILVIA KOLBOWSKI
176 Seiten, 49 Farbabbildungen, 50 s/w Abbildungen
Texte: Rosalyn Deutsche, Mignon Nixon, Stephan Schmidt-Wulffen, Interview von Hal Foster mit Silvia Kolbowski
Secession 2004, ISBN 3-88375-894-9
Vertrieb: Verlag der Buchhandlung Walther König
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Erhältlich im Shop |
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Silvia Kolbowski,
Proximity to Power: American Style (2003-2004)
SILVIA KOLBOWSKI , geboren 1953 in Buenos Aires, lebt und
arbeitet in New York
Ausstellungen (Auswahl): 2004 Rapture, Barbican Art Gallery, London; The Last
Picture Show, Walker Art Center, Minneapolis; 2002 Like Looking Away, American
Fine Arts Gallery, New York (S); 2000 The Whitney Biennial, Whitney Museum of
American Art, New York; an inadequate history of conceptual art, Western Front,
Vancouver (S); 1999 an inadequate history of conceptual art, American Fine Arts
Gallery, New York (S); 1997 Closed Circuit, Postmasters Gallery, New York (S)
Silvia Kolbowski, inadequate...Like... Power, In-Situ: Hannes Böck
Die Ausstellung wurde unterstützt von:
Bang
& Olufsen Flich (1010 Wien)
Hanno
Dicht- und Dämmsysteme
Die Ausstellungen wurden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank - Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession
HS Art Service, Kunsttransporteur der Secession
Für weitere Informationen, Presse-
und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
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