Bernhard Fruehwirth, Reelle Duelle, 2004
Bernhard Fruehwirth geht in seinen Arbeiten oftmals von biografischen Momenten
und alltäglichen Beobachtungen aus, die er mithilfe unterschiedlicher Verfahren
der Transformation in modellhafte Situationen übersetzt. Dieser Prozess der
Übertragung fragmentiert die ursprünglichen Bezüge zum Ausgangsmaterial
so, dass sie nicht mehr als Überbau präsent sind, sondern ein Spannungsverhältnis
zwischen Idee und Bild, zwischen Index und Symbol erzeugen.
Bernhard Fruehwirth, Hoblower & Weeks, 2004
In seinem aktuellen Projekt für die Secession setzt Bernhard Fruehwirth eine
Serie von neuen Arbeiten unterschiedlicher Medien - u.a. Zeichnung, Skulptur und
Ton - zueinander in Beziehung. Die Entscheidung als Titel der Ausstellung
Reelle
Duelle zu wählen, konterkariert eine konzeptuelle Strenge und betont
zugleich die Präzision in der Setzung der gewählten Objekte und ihrer
Konstellationen.
Bernhard Fruehwirth, Deposit National Bank, 2004
Als zentrales Element der Ausstellung setzt Bernhard Fruehwirth eine Böschung
in das Grafische Kabinett der Secession. Der Erdwall und die karge, winterliche
Vegetation erstrecken sich von der Decke bis zum Boden und okkupieren den Großteil
des Raums. Das Motiv der Böschung weckt eine Reihe von Assoziationen: die
Böschung ist eine Art Niemandsland, sie dient als Müllhalde oder Schrottplatz
für Autos und wird als Ort mit Verbrechen, Unfällen und merkwürdigen
oder sogar kuriosen Ereignissen in Verbindung gebracht und sie erweisen sich als
komplexe Biotope... Gleichzeitig erinnert die Böschung an das Genre der Landschaftsmalerei
und steht als gemaltes Bild symbolisch für eine Weltvorstellung.
Bernhard Fruehwirth, Reelle Duelle, 2004
Parallel zu der raumgreifenden Installation präsentiert Bernhard Fruehwirth
eine Reihe von Zeichnungen. Der Aspekt des Grafischen spielt immer wieder als
Ausgangspunkt und Bezugssystem eine zentrale Rolle in der künstlerischen
Praxis von Bernhard Fruehwirth. Die Zeichnungen selbst stellen vergrößerte
Aktienpapiere dar und basieren auf historischen Vorlagen vom Beginn des letzten
Jahrhunderts bis zur dot.com-Ökonomie. Neben der grafischen Gestaltung der
Papiere, deren homogenem, strengem, formularartigem Aufbau, gilt das Interesse
des Künstlers den Aktionen, Funktionen und Projektionen, die mit Wertpapieren
verbunden werden: Aktien vergegenständlichen ein unsichtbares Recht in Form
eines Stück Papiers, sie sollen Beständigkeit, Sicherheit und Vertrauen
vermitteln, während sie gleichzeitig die potentielle Auflösung von Kapital
durch Spekulation und Unsicherheit verkörpern. Und sie stehen für den
Prozess der visuellen Transformation des Objektes "Geld" in dessen abstrakte
Fiktion.
Bernhard Fruehwirth, Reelle Duelle, 2004
Der Vorgang, Gegenstände und Materialien symbolisch und damit auch psychisch
aufzuladen, spielt auch bei zwei weiteren Arbeiten in der Ausstellung eine wesentliche
Rolle. Gegenüber der Böschung ist in einer Nische ein vergoldeter Fön
platziert, der im Dauerbetrieb bläst. Der warme Wind und das Geräusch
stehen in direktem Dialog mit der Böschung. Während in diesem Fall die
Farbe "Gold" das Objekt mit einer weiteren Bedeutung anreichert und
fetischisiert, führt bei der zweiten Toninstallation die Form der Präsentation
zu einer ästhetischen Erhöhung: Ein portables Tonbandgerät ist
in der Vitrine im Aufgang zum Grafischen Kabinett so ausgestellt, dass es Sammlerqualitäten
erhält. Das Tonband agiert parallel zum Fön und zur Böschung. Die
Kombination des Föngeräusches mit dem Sound des Tonbandes formuliert
eine Interpretation der Theorie der Neutralisierung, der zufolge Überlagerungen
Aufhebungen evozieren.
Bernhard Fruehwirth, Reelle Duelle, 2004
In
Reelle Duelle adressieren sich die einzelnen Arbeiten gegenseitig, fordern
sich heraus und formieren Konstellationen, die einerseits Neusetzungen hervorrufen
und andererseits eine Spannung zwischen der Auflösung und Bildung von Bedeutungen
erzeugen.
PUBLIKATION
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BERNHARD FRUEHWIRTH
96 Seiten, 10 Farbabbildungen, 5 s/w Abbildungen
Text: Astrid Wege
Secession 2004, ISBN 3-901926-69-0
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Erhältlich im Shop |
BERNHARD FRUEHWIRTH, geboren 1968, lebt und arbeitet in Wien.
Ausstellungen (Auswahl): 2003 Precise Models, Remont, Belgrad; Durchzug
/ Draft, Kunsthalle Zürich; Breathing the Water, Galerie Hauser
& Wirth & Presenhuber, Zürich; Zwischen Klammerbeinen, Galerie
Bleich-Rossi, Graz; 2002 All Burn Down, Gabriele Senn Galerie, Wien; Doubleheart,
Kunsthalle Exnergasse, WUK, Wien; Ten Years After; 2001 Open Studio,
ISC Program, New York; 2000 Gabriele Senn Galerie, Wien; DELAY (in Kooperation
mit GRAM), Forum Stadtpark, Graz; 1998 Neue Galerie Graz, Studio, Graz; 1997 Stereo,
Austrian Cultural Institute, London
Die Ausstellung wurde unterstützt von:
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Kulturabteilung
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und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
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