Manfred Willmann, Ausstellungsansicht
Der österreichische Fotograf und Herausgeber der Zeitschrift "Camera
Austria", Manfred Willmann, zeigt in der Secession die beiden Fotozyklen
Das Land (1981 - 1993) und
Oman (1997). Die Fotoreihen sind im Dokumentarischen
angelegt und gehen doch über das reine Registrieren von Erscheinungen hinaus.
Manfred Willmanns Intention ist es, über das Regelhafte des Genres hinauszugehen:
"Ich möchte dem Zeitgefühl voraus sein. Ich möchte die Dinge
schöner zeigen als sie sind, oder hässlicher". (Manfred Willmann)
Manfred Willmann, Ausstellungsansicht
Jede Fotografie ist ein Dokument. Allerdings hat der Diskurs die Definition von
Fotografie als unvermittelte Übertragung von physischen Erscheinungen schon
lange verlassen. Wir nehmen inzwischen als gegeben hin, dass die Kamera durch
die Übersetzung des Realen in das Bildhafte ideologisch besetzte Repräsentationen
produziert. Gerade Dokumentarfotografie ist oft von dieser Wahrnehmung und Instrumentalisierung
determiniert.
Manfred Willmann hingegen ist Vertreter einer Richtung der Dokumentarfotografie,
die sich einer ideologischen Vereinnahmung entzieht. Seine Fotografie ist eine
konzeptuelle, die sich des dokumentarischen Stils lediglich als Geste bedient.
Manfred Willmann, Ausstellungsansicht
In der Galerie der Secession sind ca.135 Fotografien aus dem Zyklus
Das Land (1981 -1993) zu sehen. Die Auswahl basiert auf dem gleichnamigen Buch, das 2000
in der Fotohof Edition (Salzburg) erschien, sowie einigen bisher nicht publizierten
Fotografien aus der gleichen Serie. Die Bilder, die in loser Folge entstanden,
zeigen Aufnahmen aus der Südsteiermark. Das Spektrum der Darstellungen ist
groß, bestimmte Motive kehren allerdings immer wieder: Menschen bei unspektakulären,
alltäglichen Verrichtungen; arbeitend, sich reinigend, essend, feiernd, Karten
spielend; Tiere, lebend, tot, geschlachtet; die Orte ländlichen Lebens und
deren Details: Küchen, Essen, Speisereste; Lokale, Kirmessituationen, und
dazwischen immer wieder Landschaftsaufnahmen der Südsteiermark.
Manfred Willmann, Das Land (1981 - 1993)
In den Fotografien wechselt Willmann zwischen Landschaften und Details, Personen
und Stillleben. Den Fotografien ist anzumerken, dass Willmann sich seinen Objekten
nicht als Außenseiter genähert hat. Die Steiermark, Lebensort des Fotografen,
wird nicht aus einem städtischen Blick heraus als
"Exotisches" konstruiert, sondern als Lebensraum dokumentiert.
Das
Land ist weniger Thema als Motiv.
Manfred Willmann, Das Land (1981 - 1993)
Die künstlerischen Eingriffe erfolgen in Willmanns Fotografien nicht in der
Ausarbeitung, sondern in der Aufnahme. Die Bilder sind nicht bearbeitet und das
einheitliche Format der Abzüge von 70 x 70 cm entspricht den 6 x 6 cm des
Dias.
Manfred Willmann, Das Land (1981 - 1993)
In den Aufnahmen interveniert Willmann, vielleicht auch, um sie einer eindeutigen
Lesbarkeit zu entziehen, beim Licht und der Perspektive. Sehr oft verwendet er
ein spezielles Blitzlicht, dass die Figur, ob einen Menschen, eine Kuh oder Äpfel
am Baum, aus dem Hintergrund auf eine Weise herausreißt, durch die die ganze
Szene eine andere Aufladung erfährt.
Manfred Willmann, Ausstellungsansicht
Im Grafischen Kabinett der Secession sind Fotografien aus der Serie
Oman zu sehen. Diese Fotografien von 1997 sind im zentralen Unterschied zu
Das Land während einer Reise entstanden und panoramatisch aufgenommen worden. Die
Bilder, im Format von 80 x 160 cm, vermitteln einen anderen Zugang als den von
Reisefotos oder Fotografien für ein geografisches Magazin; Willmanns Blick
reicht über ein spezifisches Land hinaus. Willmann räumt dem Horizont
eine zentrale Rolle - er ist immer genau in der Mitte des Bildes positioniert
- ein. Die Serie
Oman war bisher nur in Zagreb und in Trier zu sehen und
wird nun in der Secession zum ersten Mal in Österreich gezeigt.
Manfred Willmann, Ausstellungsansicht
Sei es durch den Einsatz von Blitzlicht in
Das Land oder durch die Wahl
der panoramatischen Darstellung bei
Oman, es gelingt Willmann, weder einer
einseitigen Darstellung des Gegebenen noch der Gefahr eines auratischen Pathos,
die jene mit sich bringen würde, in die Falle zu gehen.
Manfred Willmann, Ausstellungsansicht
PUBLIKATION
|
MANFRED WILLMANN
32 Seiten, 32 Farbabbildungen
Texte: Marina Grzinic, Matthias Herrmann, Wolfgang Kos
Secession 2003, ISBN 3-901926-53-6
___________________
Erhältlich im
Shop |
Manfred Willmann, Oman, 1997
MANFRED WILLMANN, geboren 1952 in Graz, lebt und arbeitet
in Graz
Einzelausstellungen (Auswahl): 2002 Das Land, Galerija Miroslav Kraljevic, Zagreb;
Oman, Galerija Krizic, Zagreb; 2001 Lebensmittel, KunstRaum Hinrichs, Trier; 1997
Werkschau II, Arbeiten von 1971-1996, Fotogalerie Wien; 1996 Das Land, Stedelijk
Museum, Amsterdam; 1995 Pour Christine, Le Garage, Reims; 1993 Die Japan-Arbeit,
Galerie Eugen Lendl, Graz; 1991 Die Sieger and more, Galerie Torch, Amsterdam;
1990 Die Sieger, Museum Flokwang, Essen; 1983 Die Welt ist schön, Neue Galerie
am Landesmuseum Joanneum, Graz
Gruppenausstellungen (Auswahl): 2002 Augenblick, Sammlung Essl, Kunst der Gegenwart,
Wien; 2001 Oh, Europe!, nederlands foto instituut, Rotterdam; La Natura della
Natura Morta, Galleria d'Arte Moderna, Bologna (Katalog); 2000 Milano Senza Confini
- 10 fotografi europei leggono la città, Spazio Oberdan, Mailand; Der anagrammatische
Körper, ZKM Karlsruhe; 1997 Tokyo Today, Kagoshima City Museum of Art
1980 Gründung und seither Herausgeber der Zeitschrift CAMERA AUSTRIA
Manfred Willmann, Oman, 1997
Die Produktion der Ausstellung wurde unterstützt von:
www.megalab.de
Alle In-Situs: Matthias Herrmann
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte
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Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
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