Hans Schabus Arbeiten stehen in unmittelbarer Beziehung zu einem räumlichen
Denken und Erleben; oft beziehen sich seine Skulpturen und Interventionen direkt
auf das psychische und physische Umfeld des Künstlers, vor allem auf sein
Atelier und das hier zu bearbeitende Material. Der Ort, an dem Kunst entsteht,
wird auf sein Gleichnispotenzial dem Leben gegenüber untersucht. Die Arbeiten
sind als Meditation über den schöpferischen Akt, seinen Anspruch, aber
auch die Differenz gegenüber alltäglichem Tun lesbar. Die sich mit Reisen,
Geschwindigkeit und nicht zielorientierter Bewegung beschäftigenden Filmarbeiten
verweisen auf die Bedeutung einer interdisziplinären Reflexion für Kunst.
Das Ausstellungsprojekt von Hans Schabus in der Secession umfasst mehrere Elemente,
die aus verschiedenen Perspektiven kommend Möglichkeiten des "leeren
Raums" als skulpturalem Material verhandeln. An der Fassade der Secession,
unter der Kuppel, leuchtet in großen gelben Neonbuchstaben geschrieben das
Wort "Astronaut" und verweist auf die Unbegrenztheit des Weltalls im
Gegensatz zum umschlossenen Raum.
Innen lässt Schabus den Eingang zum Ausstellungsraum mit einer Mauer verstellen,
die im Eingangsraum unverputzt noch Spuren der Arbeit zeigt, während sie
auf der anderen Seite als Teil der Wand unsichtbar ist. Den BesucherInnen dient
als einziger Eingang in den Hauptraum ein Tunnel, der durch die verzweigten Keller-
und Nebenräume der Secession führt. Im Hauptraum hat Schabus maßstabsgetreu
sein Atelier aus Pappe und Vierkanthölzern nachgebaut. Erst nachdem man das
fensterlose Modell des Ateliers verlassen hat, erschließt sich mit dem Blick
von außen Konstruktion und Positionierung des "Ateliers". Die
architektonische Skulptur greift formal das Bodenraster der Secession auf und
dringt so quasi von unten in den repräsentativen Raum ein. Es geht Schabus
nicht um eine Zurschaustellung seiner Arbeitssituation oder Produktionsstätte,
vielmehr spiegelt der Ateliernachbau, als Raum in den Raum gesetzt, den Präsentationskontext
des Ausstellungsraums wieder. Ähnlich einer Filmkulisse hat der "leere"
Raum dabei mehr Potenzial als Realität.
In den Seitendepots des Hauptraums zeigt Hans Schabus zusätzlich zwei Filme,
in denen es um Durchgänge, Passagen und Tunnel geht. In Western, einem Video,
das schon mit großem Erfolg auf der Manifesta IV in Frankfurt gezeigt wurde,
sieht man Schabus in einem kleinen, selbstgebauten Segelboot namens "forlorn"
durch die Abwässerkanäle Wiens schippern. Die Bootsreise beginnt im
Kanalbereich genau unter der Secession. Seine scheinbar unendliche Reise durch
die Kanäle, das Dunkel und den Dreck berührt universale Fragen nach
Flucht und Nicht-ankommen. Schabus referiert mit dieser Arbeit auf Bas Jan Ader,
einen holländischen Konzeptkünstler der 70er Jahre, der bei einer Atlantiküberquerung
mit einem kleinen Boot spurlos verschwand. "Wie Bas Jan Ader versuche ich,
sinnliche, poetische und auch pathetische Projekte zu realisieren". Zugleich
bringt das Video den bekannten Film Der dritte Mann (Reg. Carol Reed, 1949) in
Erinnerung, dessen Schlüsselszene in eben jenem Wiener Kanalsystem spielt.
Das zweite Video, Astronaut, zeigt, wie der Künstler in seinem Atelier einen
Schacht aushebt, um dadurch hinabzusteigen und dann gehetzt durch einen nicht
enden wollenden, engen Tunnel zu rennen, um endlich, erschöpft am vorläufigen
Ende angekommen, weiterzugraben. Assoziativ mündet er im verzweigten Wiener
Kanalsystem, führt dann weiter von unten durch das Tunnelsystem in die Secession
und vielleicht ins All.
Der Weg durch die Secession ist von Hans Schabus als Rundweg angelegt und führt
nach Tunnel, "Atelier" und Hauptraum schließlich durch eines der
Seitendepots, an der Filmprojektion vorbei, hinunter in den Kreuzraum der Galerie
und endet im Putzraum unter der Treppe. Implizit ist hier das Interesse daran,
wie sich über einen Wegverlauf eine Erzählung gestalten kann. Diese
Erzählung wird im Stadtraum fortgeführt. In Kooperation mit museum in
progress und Infoscreen wird als Teil der Ausstellung in den U-Bahnstationen und
-wägen ein weiterer kurzer Film von Hans Schabus gezeigt, der sein Atelier
mit der Secession über das U-Bahnnetz verbindet.
PUBLIKATION
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HANS SCHABUS
64 Seiten, 83 Farbabbildungen, 30 s/w Fotos
Texte: Otto von Guericke, Matthias Herrmann, Hans Schabus
Secession 2003, ISBN 3-901926-53-4
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Erhältlich im
Shop |
AUSSTELLUNGSGESPRÄCH
Donnerstag, 3. 4. 2003, 18.30 Uhr
Astronaut (komme gleich) mit Hans Schabus und Werner Würtinger anlässlich
der Ausstellung von Hans Schabus
HANS SCHABUS, geboren 1970, lebt und arbeitet in Wien
Einzelausstellungen (Auswahl): 2003 Der Schacht von Babel, Kerstin Engholm Galerie,
Wien; 2002 I don't look back I look in front, James Cohan Gallery, New York; 2000
Nur weil ich Paranoia habe, heißt das noch lange nicht, dass mich niemand
verfolgt, Galerie Luis Campaña, Köln; 1999 Fotoprofile (mit Gottfried
Bechtold), Camera Austria, Graz
Gruppenausstellungen (Auswahl): 2002 Uncommon Denominator: New Art from Vienna,
Massachusetts Museum of Contemporary Art, Williamstown; Das Neue, Österreichische
Galerie Belvedere, Wien; Manifesta 4, Europäische Biennale der zeitgenössischen
Kunst, Frankfurt/Main; 2001 Ein gut platzierter Helm ist wie ein beruhigender
Blick, Kunsthalle Nürnberg; 2000 Milch vom ultrablauen Strom - Strategien
Österreichischer Künstler, Kunsthalle Krems; Fouri da Qui, Österreichisches
Kulturinstitut, Rom
Alle In-Situs: Matthias Herrmann
Die
Arbeiterkammer Wien ist Hauptsponsor der Ausstellung Hans Schabus.
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Tamara Schwarzmayr
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