Joke Robaard, Stand-In Session 4, 2003
Joke Robaard verhandelt in ihren Fotografien, Foldern und Videos die Begriffe
von Präsentation und Repräsentation, deren Abgrenzung voneinander als
auch ihre Auflösung ineinander. In verschiedenen Zusammenhängen untersucht
sie, wie sich Gruppen und sukzessive Netzwerke bilden. Dabei werden die den Personen
von einer Institution ursprünglich zugeteilten Regeln und Rollen aufgehoben.
Die Posen, die Robaard den Repräsentanten in ihren Fotografien zuweist, lenken
vielmehr den Blick auf den Zusammenhang von Erscheinung und der Vertretung von
Ideen und Ideologien. Darüber hinaus fließen immer wieder kunsthistorische
Referenzen auf Bildgenres - wie das Gruppenportrait - ein.
Joke Robaard, Stand-In Session 3, 2003
Für die Secession hat Joke Robaard ein neues Projekt,
Stand-In, entwickelt,
das unter Verwendung verschiedener Medien - Fotografie, Video und einem Folder
- das gewachsene Netzwerk der KünstlerInnenvereinigung und ihres Ausstellungshauses
abbildet.
Joke Robaard, Stand-In Session 1, 2003
Für eine Reihe inszenierter Gruppenbilder wurden in der Secession und in
drei Firmen, die regelmäßig mit der Secession zusammenarbeiten, sieben
Personen stellvertretend ausgewählt und vor Ort fotografiert. Während
die charakteristische Umgebung, der leere Ausstellungsraum ebenso wie die Empfangshallen
und Arbeitsräume, durchaus auf das alltägliche Selbstverständnis
und die Corporate Identity der Firmen verweisen, widersetzen sich die Fotos durch
die Form der Inszenierung der Personen der traditionellen Sprache der Repräsentation.
Die Anordnung der Personen geht auf ein Foto zurück, das Joke Robaard vor
ca. 20 Jahren mit einer Gruppe von Freunden gemacht hat, und nunmehr in den einzelnen
Settings wiederholt und variiert.
Joke Robaard, Stand-In Session 2, 2003
Die Auswahl der fotografierten Personen folgt einem für Joke Robaard typischen
Muster: aus einer von den Firmen zusammengestellten Liste aller MitarbeiterInnen
werden zwei Personen vom Anfang, zwei vom Ende und drei aus der Mitte der Liste
gewählt. Die daraus entwickelten Diagramme vermessen, ähnlich einem
Impressum, die Positionen der TeilnehmerInnen innerhalb des Netzwerkes. Zusammen
mit den Fotos sind sie in einem Folder wiedergegeben. Mit diesem
Folder # 43 führt Robaard eine langjährige Arbeitsweise fort. Aus dem Interesse,
die eigene künstlerische Praxis zur Etablierung von Dialogen und Netzwerken
einzusetzen, entwickelt sie kleinformatige Faltblätter, die immer im gleichen
Format und als Take-away-Objekt eine Zusammenfassung ihrer Projekte bieten.
Joke Robaard, Stand- In, In-Situ, Secession, 2003
Wie um das Fotografische, das scheinbar Ergebnishafte des eingefrorenen Moments,
bloßzustellen, zeigt Robaard in einem Video das Geschehen am Set. Der allgemeine
Repräsentationsgestus wird dadurch in gewisser Weise auf die Gruppe der Individuen
selbst zurückgeführt. Der Prozess, wie die einzelnen TeilnehmerInnen
in die ihnen zugewiesenen Pose finden, offenbart auch die Diskrepanz zwischen
angenommener Haltung bzw. Rolle und einem anderen, persönlichen Selbstverständnis.
Joke Robaard, Stand- In, In-Situ, Secession, 2003
Außer dem Projekt
Stand-In wird eine Auswahl weiterer Folder, Videodokumentationen
und Trailer früherer Projekte zu sehen sein. Ein wesentliches Charakteristikum
der Videos ist, dass Robaard hier mit einem offenen Werkbegriff operiert, der
von der Idee des aktiven Bildarchivs ausgeht und immer wieder neue, auf die aktuelle
Präsentations- und Ausstellungsform zugeschnittene Überarbeitungen zulässt.
Das verbindende Thema der (Selbst-)Präsentation, Körpersprache und Gruppenbildung
spiegelt sich auch in der Ausstellungsgestaltung. Die in Zusammenarbeit mit Arno
von der Mark zur Betrachtung der Filme entworfenen Hocker geben nicht nur eine
bestimmte Haltung vor, sondern lassen sich auch ineinanderschieben und zu immer
wieder neuen Anordnungen formieren. An der Schnittstelle von Kunst, Architektur,
Mode und Design inszeniert Robaard so komplexe Panoramen, in denen die unterschiedlichen
Diskurse als gleichwertige Elemente nebeneinander stehen.
Joke Robaard, Stand- In, In-Situ, Secession, 2003
Ausstellungsarchitektur: DRFTWD OFFICE ASSOCIATES (design team: Arno van der Mark,
Tsugumi Kanno, Gilbert Koskamp).
Videoschnitt und Kamera: Maarten Theuwkens
Diagramme und Folder: Barbara Hermann
Research: Martine van Kampen
Joke Robaard, Stand- In, In-Situ, Secession, 2003
Parallel zur Ausstellung erscheint bei Valiz, Amsterdam, eine umfassende Dokumentation
der Projekte Joke Robaards seit 1988.
Joke Robaard, Stand- In, In-Situ, Secession, 2003
JOKE ROBAARD, geboren 1953, lebt und arbeitet in Amsterdam
Ausstellungen und Projekte (Auswahl): 2002 S(T)OCK, Casco, Utrecht, mit StudentInnen
der Gerrit Rietveld Academie; 2001 No Hortus is conclusus, Marres Centrum beeldende
Kunst, Maastricht; 2000 Fotobiennale Rotterdam; Revisiting the Readymade, Green
on Red Gallery, Dublin; 1999 Cut-off Suit, 20er Haus, Museum für Moderne
Kunst, Wien; DEFILE, Festival a/d Werf Utrecht; 1996 White Suit, Museum Boijmans
van Beuningen, Rotterdam; Wet Suit, Stedelijk Museum Amsterdam
Die Ausstellung wurde unterstützt von:
Mondriaan Stichting
Für weitere Informationen, Presse-
und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
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