Brian Jungen, Prototype for New Understanding, Ansicht, Secession
Die Skulpturen von Brian Jungen zählen zu den zentralen künstlerischen
Beiträgen in der aktuellen Neuformulierung von ethnologischen und kultur-evolutionären
Blickweisen. Jungen, der der Kultur der kanadischen Dàne-Zaa-Indianer (First
Nations) angehört, verfolgt hierbei nicht die Reanimation einer marginalisierten
(Bild-)Sprache und Symbolik. Vielmehr zeigen seine Arbeiten Kultur als eine Fusion
von Kulturen, so dass der Glaube an eine Authentizität aber auch eine Vorrangstellung
sowohl in bezug auf eine "indianische" als auch eine dominante westliche
Tradition in Frage gestellt wird. Darüber hinaus betonen seine Arbeiten die
Bedeutung einer ästhetischen Sprache als Werkzeug für eine emanzipatorische
Kulturkritik.
Brian Jungen, Prototype for New Understanding, Ansicht, Secession
Internationale Bekanntheit erlangte Jungen mit den Skulpturen
Prototype for
New Understanding, (1998-2003) einer Serie von Masken, die aus zerlegten Nike
Air Jordan Basketballschuhen genäht sind. Die Objekte erinnern an zeremonielle
Masken der Nordwestküstenindianer, wie sie aus ethnologischen Sammlungen
bekannt sind. Die Farben schwarz, weiß, rot der Turnschuhe korrespondieren
mit den ästhetischen Codes der indigenen Nordwestküstenkunst. In seinem
Überdenken von Tradition fordert Jungen Erwartungen an einen (anti-)nostalgischen
Stil heraus.
Brian Jungen, Prototype for New Understanding, Ansicht, Secession
Auch
Shapeshifter (2000) und
Cetology (2002), museologisch
anmutende Wal-Skelette, die aus billigen, weißen, universell verbreiteten
Plastikstühlen gebaut sind, stehen emblematisch für diese Praxis. In
ihrer mimikryhaften Äußerlichkeit verbreiten sie die Aura von Präparaten
aus einem naturhistorischen Museum und verbinden das Motiv (Wal) mit der Mythologie
einer indigenen Nordwestküstenbevölkerung. Gleichzeitig aber positioniert
Jungen seine Arbeiten weder im noch gegen den Diskurs "Ethnologie",
sondern diskutiert Hybridität als Bedingung von Kulturgeschichte.
Brian Jungen, Prototype for New Understanding, Ansicht, Secession
Durch die mehrfache Verschiebung des Kontexts dirigiert Jungen die Aufmerksamkeit
der BetrachterInnen auf den materiellen und ästhetischen "Ursprung",
so dass der Charakter eines Artefakts in den Hintergrund tritt.
Brian Jungen, Untitled, Secession
Jungen nutzt gewöhnliche industrielle Produkte, die überall erhältlich
sind, als Ausgangsmaterial für seine Arbeiten. Die Verwandlung der Produkte
weist auf ihre ihnen eigene Doppelfunktion als Gebrauchsgegenstände und für
den Hersteller gewinnbringende Waren hin. Sie thematisiert so die Praxis des globalen
Kapitalismus, menschliche Arbeitskraft, Ästhetiken und Rohstoffe zu funktionalisieren:
Nike-Turnschuhe oder Plastikstühle werden vorwiegend in den ärmsten
Ländern der Welt von Billigarbeitskräften hergestellt.
Brian Jungen, Untitled, Secession
Ein Hinweis auf das globale Netz von Gebrauchsgegenständen findet sich auch
in der Arbeit
Untitled (2001). Die Skulptur ist aus einem Stapel von zehn
Paletten gebaut, welche dieselbe Größe haben wie Paletten, die als
Unterlage für Transporte verwendet werden. Die verwendete Holzart zeigt allerdings,
dass die Arbeit gleichzeitig in ein ästhetisches Objekt transformiert wurde,
das an die Minimal Art der 60er Jahre erinnert: sie ist aus rotem Zedernholz gefertigt.
Hier dreht sich die Logik um: die fast gebrauchsgegenständlich erscheinende
Arbeit ist aus einem wertvollen, raren Rohstoff - Zedernholz ist eine der teuersten
Holzarten - hergestellt.
Brian Jungen, Untitled, Secession
Die Ausstellung in der Secession, die die erste große Präsentation
der Arbeiten Brian Jungens in Europa ist, zeigt einen Überblick seiner Arbeiten.
Neben einer Auswahl aus der Serie
Prototypes for New Understanding und
der Skulptur
Untitled, wird in den Galerieräumen der Secession ein
drittes Walskelett zu sehen sein, das Jungen eigens für die Ausstellung in
der Secession konstruiert hat.
Brian Jungen, Little Habitat, Secession
PUBLIKATION
 |
BRIAN JUNGEN
32 Seiten, 9 Farbabbildungen, 27 s/w Abbildungen,
Texte: Matthew Higgs & Brian Jungen, Matthias Herrmann
Secession 2004, ISBN 3-901926-66-6
erschienen in Zusammenarbeit mit ART METROPOLE
___________________
Erhältlich im
Shop |
Brian Jungen, Untitled, Secession
BRIAN JUNGEN, geboren 1970, lebt und arbeitet in Vancouver
Einzelausstellungen (Auswahl): 2002 Catriona Jeffries Gallery, Vancouver; 2001
Contemporary Art Gallery, Vancouver; Art Gallery of Calgary, Happy Medium, Calgary;
2000 Solo Exhibition Space, Toronto; Or Gallery, Shapeshifter, Vancouver; YYZ
Artist's Outlet, Bush Capsule and Toronto Fieldwork, Toronto; 1999 Charles H.
Scott Gallery, Vancouver
Gruppenausstellungen (Auswahl): 2002 Power Plant, Bounce, Toronto, Gasworks, Beachcombers,
London; Blackwood Gallery, New Modular, Mississauga; Fruitmarket Gallery, Relic:
New Art from the West Coast, Edinburgh; 2001 Kiasma Museum of Contemporary Art,
ARS 01, Helsinki
In-Situs: Matthias Herrmann
Die Ausstellung wurde unterstützt von:
Kanadische Botschaft Wien
Canada Council for the Arts
Dank an: blaha Gartenmöbel
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte
an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
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