Andrea Geyer, Parallax, 2003
Andrea Geyer inszeniert soziale Interaktionen oder Navigationen durch (Stadt-)Räume
als Orte der Produktion von Kultur und Quellen unserer Erfahrungen. Die Arbeiten,
in die fiktionale Elemente und theoretische Referenzen, Interviews sowie breit
angelegte Recherchen einfließen, verfolgen dabei das Interesse, Identitäten
nicht als statische, fixierte Bilder, sondern als bewegliche Konfigurationen zu
verdeutlichen. In ihren Rauminstallationen geht es auch darum, in diverse sprachliche
und visuelle Kontroll- und Regulierungsmechanismen zu intervenieren.
Andrea Geyer, Parallax, 2003
Für die Secession entwickelte Andrea Geyer das Projekt
Parallax. Die
Inszenierung von
Parallax erinnert an die Atmosphäre eines Klassenzimmers.
Vor einer Projektionswand in Reihen aufgestellte Stühle bieten den BesucherInnen
Platz, um einem Diavortrag zu folgen. Acht aufeinander abgestimmte Projektoren
erzeugen auf der Leinwand acht parallele Bilder, die in Sequenzen nacheinander
auftauchen oder sich zu einem Bild zusammensetzen.
Andrea Geyer, Parallax, 2003
Andrea Geyer, Parallax, 2003
Das Projekt umkreist die Themen Stadt, Nation und Staatsbürgerschaft und
deren Rolle in der Erschaffung von individuellen und staatlichen Handlungsräumen
am Beispiel der Vereinigten Staaten.
Andrea Geyer, Parallax, 2003
Die Dias vereinen Fotografien, Textausschnitte aus Zeitungen und Presseagenturen
sowie inszenierte Bilder, die eine Protagonistin begleiten. So wie die Fotografien
eine Referenz zu einem bestimmten Wissen herstellen, das etwas über die Funktionsweise
der Orte aussagt, verbildlicht die Einführung der anonymen Protagonistin
exemplarisch das Verhältnis des Individuums zur Medieninformation, zum Staat
und seiner Politik. In gewisser Weise verkörpert ihre Figur auch die Fragestellung,
wie sich antizipatorische und emanzipatorische Praktiken handelnder Subjekte zu
realen politischen Zusammenhängen verhalten.
Andrea Geyer, Parallax, 2003
Textausschnitte aus amerikanischen Medien wie der
New York Times und
The
Associated Press dokumentieren die aktuelle Diskussion um konstitutionelle
Grundrechte der Demokratie, Migrationsprozesse, Rassismus und die zunehmende Militarisierung
der Wirtschaft und Kultur der Vereinigten Staaten. Die Nachrichten gehen häufig
über die eigentliche Mitteilung von Ereignissen hinaus und zeigen sich in
der Anordnung Andrea Geyers als Mechanismen und Orte der Selektion, Interpretation
und Manipulation von Informationen.
Parallax stellt die Frage, wo und wie
der konservativen Reformulierung/Kanalisierung von Nationalität und nationaler
Identität andere räumliche Modelle entgegengesetzt werden können.
Andrea Geyer, Parallax, 2003
Andrea Geyer, Parallax, 2003
Die Fotografien, alle in den USA aufgenommen, zeigen, neben den inszenierten Szenen
mit der Protagonistin, Demonstrationen gegen das Gebaren amerikanischer Politik,
gegen die U.S. Invasion in den Irak, aber auch Demonstrationen gegen die mit den
außenpolitischen Aggressionen einhergehenden innenpolitischen Verschärfungen
wie beispielsweise den Veränderungen des Einwanderungsgesetzes bzw. der schleichenden
Neudefinition der Rechte von StaatsbürgerInnen. Fotografien von administrativen
Situationen wie Gerichtssälen, Wartehallen, Bibliotheken, aber auch der wachsenden
Präsenz staatlicher Exekutive wie Militär und Polizei in amerikanischen
Städten vervollständigen die Erzählung von der Widersprüchlichkeit
der US-Kultur. Die gegenwärtige US-Politik und ihr Ausdruck in den Medien
stehen exemplarisch für globale Tendenzen und dienen Andrea Geyer zur Herstellung
einer kritischen, emanzipatorischen Distanz.
Andrea Geyer, Parallax, 2003
Andrea Geyer, Parallax, 2003
Geyer behandelt dabei Dokumentation gleichwertig zu Fiktion. Die Zeitungstexte
sind gleichberechtigt zu den Fotografien in den Diafolgen untergebracht. In
Parallax verschiebt die Künstlerin noch stärker als in früheren Arbeiten
(z.B.
Interim, Manifesta 4) die narrative Ebene in die visuelle. So entsteht
ein Informationsgewebe, das in der Verbindung aller Teile eine Metaebene der Information
herstellt. Mit diesem Ansatz offenbart die Künstlerin die Idee der Objektivität
des Dokumentarischen als Illusion und demaskiert dieses Konzept als Teil von Repräsentationspolitiken.
PUBLIKATION
 |
ANDREA
GEYER
80 Seiten, 102 Farbabbildungen, 5 s/w Abbildungen
Texte: Barbara Clausen, Jeff Derksen, Matthias Herrmann
Secession 2003, ISBN 3-901926-60-7
erschienen by Revolver
___________________
Erhältlich im
Shop |
ANDREA GEYER, geboren 1971 in Freiburg, lebt und arbeitet
in New York
Einzelausstellungen (Auswahl): 2002 Raum für aktuelle Kunst, Luzern; Galerie
Paula Böttcher, Berlin (mit Sharon Hayes); 2001 Fantasies are feelings given
form. Don't worry, they are safe if understood, Parlour Projects, Brooklyn; Information
Upon Request, Galerie Paula Böttcher, Berlin; Galerie T-19, Wien; 2000 Project
space, P.S.1 Contemporary Art Center, Long Island City (mit Sharon Hayes); Cambio
de Lugar_Change of Place, La Panaderia, Mexico City (mit Sharon Hayes) Gruppenausstellungen
(Auswahl): 2003 The American Effect, Whitney Museum of American Art, New York;
Usted está aquí (You are here), Espacio La Rebeca, Bogotá;
Between Spaces, Centro Cultural Andratx, Mallorca; Opening, Andrew Kreps Gallery,
New York; 2002 On Route, Serpentine Gallery, London; Formen der Organisation,
Gallerija kuc, Ljubljana; Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst
Leipzig; Kunstraum der Universität Lüneburg; Manifesta 4 - Europäische
Biennale Zeitgenössischer Kunst, Frankfurt/M.
Alle Installationsansichten © Andrea Geyer
Die Ausstellung wurde unterstützt von:
IFA. Institut für Auslandsbeziehungen
e.V.
Dank an:
Egg's Vienna
Stiers GmbH
Magistratsabteilung der Stadt Wien MA 56 / Städt. Schulverwaltung
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte
an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
presse@secession.at