Projekt-Dokumentation www.secession.at/trespassing
Konzept: Sandrine von Klot (*escape spHere), Angelika Fitz
con: (Wien), C2S2 (Innsbruck), FAT ltd (London), the next ENTERprise - architects
(Wien), offshore (Amsterdam), Pauhof (Wien), Schie 2.0 (Rotterdam), SPLITTERWERK
(Graz), Klaus Stattmann (Wien), Wolfgang Tschapeller (Wien)
the NEXT enterprise, Installationsansicht, Foto: Matthias
Herrmann
Das Ausstellungsprojekt Trespassing - Konturen räumlichen Handelns diskutiert
Ansätze, die Architektur als gestaltende, kulturelle, soziale und politische
Praxis begreifen. Charakteristisch für die gegenwärtige Architekturproduktion
ist die Entwicklung neuer Aufgabenstellungen, Arbeitsweisen und Organisationsformen,
die es unmöglich machen, Architektur weiterhin als "ganzheitliche",
anderen Disziplinen gegenüber abgegrenzte Tätigkeit aufzufassen. Die
heutige Architekturpraxis ist zunehmend von kleinen, selbstständigen, operativen
Einheiten geprägt, die in sehr dichten Netzwerken, in wechselhaften Verbunden,
vielfach transdisziplinär, zum Teil nomadisch und transnational agieren.
Multiple Autorenschaft, das gemeinsame Verfügen über technisches Know-how
und Infrastruktur, Updates via kollektiver Netzwerke, der Austausch von disziplinenübergreifenden
Kenntnissen und Auftragsbereichen werden begleitet von starker individueller Ausdifferenzierung
und einem hohen Spezialisierungsgrad.
Trespassing, Installationsansicht, Foto: Matthias Herrmann
Die neue Operationalität impliziert auch inhaltliche Re-Orientierungen. Die
einzelnen architektonischen Ansätze können kaum mehr übergeordneten
stilistischen, theoretischen oder ideologischen Strömungen zugeordnet werden.
Welche Strategien entwickeln ArchitektInnen in einer Situation, in der sie nur
noch partikuläre Relevanzen und nicht mehr die Erfindung utopischer Entitäten
beanspruchen können, um in aktive Haltungen hineinzufinden? Wie wird seitens
kleinerer Teams, mit entsprechend beschränkter Kapazität, auf zunehmend
komplexere Aufgabenstellungen reagiert, ohne zu reinen DienstleisterInnen für
einen diversifizierten Architekturmarkt zu werden oder der Konstruktion kurzlebiger
Trends und "Brands" zu erliegen? Wie wird der Raum als sozialer, als
medialer, als privater und kollektiver, als prozesshafter, als integrativer und
daher konfliktfähiger Raum gedacht, modelliert?
Trespassing, Installationsansicht, Foto: Matthias Herrmann
Trespassing - Konturen räumlichen Handelns nähert sich diesen Fragestellungen,
indem es ein ProduzentInnenforum etabliert und Potenziale heutiger Produktionsbedingungen
untersucht. Bereits im Vorfeld der Ausstellung wurden Strategien, Vorgangsweisen
und Inhalte in Ateliergesprächen reflektiert und auf einem gemeinsamen Workshop
mit TheoretikerInnen aus verschiedenen Fachbereichen diskutiert. Dieses mehrstufige
Recherche- und Feedbackverfahren legt die Basis für die gemeinsam entwickelte
Ausstellung in der Secession.
con:, Tafel, Foto: Matthias Herrmann
In der Ausstellung zeigt sich die spezifische Arbeitsweise der beteiligten ArchitektInnen/Teams
auf zwei verschiedenen Ebenen: zum einen in der Realisierung der Ausstellungsgestaltung,
zum anderen in der Präsentation bestehender Projekte als Arbeitsarchive.
Das für die Ausstellung benötigte Display wurde in seinen Elementen
arbeitsteilig von den beteiligten Teams entworfen, wechselseitig verhandelt und
weiterentwickelt. Die verschiedenen, miteinander korrespondierenden Projekte umfassen
unter anderem eine Text- und Videobibliothek, eine Lounge und diverse Kommunikationsplattformen
ebenso wie die Entwicklung eines Leitsystems für die BesucherInnen oder die
Entwicklung von sowohl topografischen als auch konzeptionellen Schnittstellen
zwischen der Secession und dem öffentlichen/medialen Raum. Zugleich Beispiel
individueller Positionsbestimmung als auch Resultat der Zusammenarbeit verweisen
die Projekte in ihrer Gesamtheit auf zwei Tendenzen der heutigen Architekturproduktion:
die Fragmentarisierung der Disziplin und die zeitgleiche (Suche nach) Vernetzung
der einzelnen ArchitektInnen/Teams. Angesiedelt an der Schnittstelle zwischen
experimenteller künstlerischer Intervention und funktionaler Aufgabenstellung
oszillieren sie zwischen kohärenten Teilwelten und dienstleistendem Dasein.
con:, Detail, Foto: Matthias Herrmann
Die Spezifika der einzelnen Herangehensweisen an architektonische Fragestellungen
bestimmen auch die Auswahl der bestehenden Projekte und Archivmaterialien der
ArchitektInnen/Teams. Im Gegensatz zu herkömmlichen Projektpräsentationen
wird nicht die Vermittlung von Ergebnissen in den Vordergrund gestellt, sondern
bewusst die Prozessdokumentation und die Heterogenität favorisiert, um auf
tiefer liegende Parallelen der Produktion, wie z.B. die Überschreitung in
andere Disziplinen, zu verweisen. Auf diese Weise zeichnet die Ausstellung nicht
nur Spuren einer sich kontinuierlich verändernden, fragmentierten Architekturlandschaft
nach, sondern schärft auch den Blick für Gemeinsamkeiten und Zusammenhänge.
Eine ausführliche Dokumentation mit zentralen Texten finden Sie auf unserer
Website
www.secession.at/trespassing
PUBLIKATIONEN
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TRESPASSING
I
80 Seiten, Farbabbildung
Texte: con:, C2S2, FAT Itd., Angelika Fitz, Matthias Herrmann, Sandrine von Klot,
Sanford Kwinter, Michael Mönninger, offshore, PAUHOF, Marc Ries, R&Sie,
Schie 2.0, Oliver Schürer, SPLITTERWERK, Klaus Stattmann, the next ENTERprise,
Robert Thum, Wolfgang Tschapeller
Secession 2002
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TRESPASSING
II
32 Seiten, Farbabbildung
Texte: Angelika Fitz, Sandrine von Klot, Marc Ries, Oliver Schürer
Secession 2002
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Erhältlich im
Shop |
AUSSTELLUNGSGESPRÄCH
Mittwoch, 30. 10. 2002, 18.30 Uhr mit Angelika Fitz, Sandrine von Klot, Dietmar
Steiner und Andreas Ruby
anlässlich der Ausstellung
TRESPASSING
- Konturen räumlichen Handelns in der Secession
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte
an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
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