Rirkrit Tiravanija, Ausstellungsansicht, Secession 2002
Rirkrit Tiravanija bezieht sich in
seinem Projekt für die Secession auf das Wohnhaus von Rudolf Schindler in
Los Angeles und die dahinter stehenden, sowohl für die Architektur als auch
die Kunst bedeutenden Visionen des Architekten. Rirkrit Tiravanija wird eine Rekonstruktion
des Studiotraktes des sogenannten Schindler-Hauses im Hauptraum der Secession
installieren und diese als Bühne für diverse Aktivitäten nutzen.
Im Fokus seines Interesses steht dabei weniger das detailgetreue architektonische
Faksimile als vielmehr eine "Animation" der Gedankenwelt Rudolf Schindlers,
dessen Konzept von Innen und Außen in Relation zu den Bedingungen von privaten
und öffentlichen Räumen. Tiravanija fügt dem seine eigenen Ideen
von Beziehungen und Gemeinschaften, die ihm charakteristische Auffassung von Kunst
als Untersuchung und Etablierung von "Gut-leben" hinzu. Während
ihrer gesamten Laufzeit werden Tiravanija und unterschiedliche Gäste die
Ausstellung mit einem multimedialen Programm bespielen, wie Filmvorführungen,
Konzerte, Präsentationen und Vorträge.
Rirkrit Tiravanija, Ausstellungsansicht, Secession 2002
Mit seinem 1921/22 entstandenen Haus in der Kings Road, Los Angeles stellt Rudolf
Schindler Gewohnheiten und bisherige Erwartungen an das Wohnen in Frage. Die Definition
des Gartens als integraler Bestandteil des Hauses ebenso wie der Schlafplatz auf
dem Dach öffnen die etablierten Grenzen des Wohnraums und führen andere
und alternative Formen des "Aufenthalts" ein. Zentral sind hierbei die
Motive von Bewegung und Reisen. Schindler ersetzt verfestigte architektonische
Muster durch fließende Raumstrukturen, in denen sich Innen und Außen
verschränken und sich Formen von Geselligkeit und Rückzug spontan und
immer wieder neu definieren lassen.
Rirkrit Tiravanija, Ausstellungsansicht, Secession 2002
Rirkrit Tiravanija greift diese Ideen auf. Er baut Schindlers Wohnhaus als Modell
für die Ausstellung in der Secession nach und positioniert das Architekturelement
als Plattform und Bühne im hinteren Teil des Hauptraumes. So schickt er Schindlers
Haus auf Reisen, wobei er dem Ansatz einer mobilen Lebensorganisation in Schindlers
Architektur nachgeht. Er bringt aber auch seine privaten Erinnerungen an den Ort
in den öffentlichen Ausstellungsraum der Secession ein.
Rirkrit Tiravanija, Ausstellungsansicht, Secession 2002
Statt wie Schindler möglichst naturnahe Materialien zu verwenden, baut Tiravanija
sein Modell aus Edelstahl. Es geht nicht darum, den Aspekt des Materialgewichts
zu betonen und so etwa Solidität zu suggerieren; es ist die Qualität
des Spiegelnden, die eingesetzt wird: in den Oberflächen des Stahls reflektieren
sich die verschiedenen Aktivitäten, die im Raum vor sich gehen, und bringen
damit in ihrer kaleidoskopischen Vervielfachung und Facettierung das "Bild"
des Hauses zum Verschwinden. Die Fragmentierung des Geschehens verweist dabei
auf die räumliche wie zeitliche Versetzung. Während Ausstellungsraum
und architektonisches Modell in der Spiegelung direkt aufeinander treffen, knüpfen
andere Elemente an die Ausstellungsgeschichte des Hauptraumes der Secession an,
so die erneute Ummantelung der Säulen mit Edelstahl, ein Zitat aus den 80iger
Jahren, oder das große Teppichmöbel, eine Kopie, die sich auf ein Gruppenfoto
der Secessionisten von 1902 bezieht.
Rirkrit Tiravanija, Ausstellungsansicht, Secession 2002
Rirkrit Tiravanija funktioniert den Ausstellungsraum um, indem er ihm potenzielle
Lebensentwürfe einschreibt. Angesiedelt zwischen realer Handlung und Utopie
ist sein Angebot die Inszenierung einer idealen Lebenssituation, eines Ortes der
Geselligkeit und Gastfreundschaft.
Rirkrit Tiravanija, Ausstellungsansicht, Secession 2002
Lassen sich die großzügig gruppierten Pflanzen im Ausstellungsraum
noch als Metapher eines Gartens verstehen, öffnet eine Glastür den Raum
in den tatsächlichen Garten hinter der Secession und schafft so eine direkte
Verbindung nach Draußen. Freiflächen und Sitzkissen schaffen Raum für
spontane Zusammenkünfte.
Rirkrit Tiravanija, Ausstellungsansicht, Secession 2002
So setzt Rirkrit Tiravanija neben dem Veranstaltungsprogramm auch die Ausstattung
ein, um Handlungsangebote zu machen und die BesucherInnen mit der konkreten Option
ihrer Beteiligung zu konfrontieren: sie können den Raum besetzen, für
sich als Treffpunkt und Bühne nutzen, sich aber auch ausruhen oder schlafen
legen. Sie sind aufgefordert diese Atmosphäre der Begegnung aufzunehmen,
das Verweilen gegen das Mobile auszuspielen und sich als AkteurInnen an der Gestaltung
kulturellen Raumes zu beteiligen.
Rirkrit Tiravanija, Ausstellungsansicht, Secession 2002
RIRKRIT TIRAVANIJA geboren 1961 in Buenos Aires, Argentinien.
Lebt und arbeitet in Berlin, New York und Bangkok.
Einzelausstellungen (Auswahl): 2002 untitled 2002 (the raw and the cook) Opera
City, Tokyo; 2001 Rirkrit Tiravanija - Over Magazine, Oslo Kunsthall; no fire
no ashes, neugerriemschneider, Berlin; untitled - the two sons of Mönchengladbach,
Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach; DemoStation, Portikus,
Frankfurt am Main; Rirkrit Tiravanija, Kunstverein Wolfsburg; 1999 Dom-Ino effect,
zus. mit Lincoln Tobier, Los Angeles County Museum; Community Cinema for a Quiet
Intersection (After Oldenburg), The Modern Institute, Glasgow; untitled, 1999
(Mobile Home), Fundació "la Caixa", Barcelona; untitled 1999
(tomorrow never lies), Gavin Brown's Enterprise, New York; Gruppenausstellungen
(Auswahl) 2002 The object sculpture, Henry Moore Foundation, Leeds; 2001 Yokohama
Triennale, Yokohama; public offerings, Museum of Contemporary Art, Los Angeles
2000 ein/räumen - Arbeiten im Museum, Hamburger Kunsthalle
Rirkrit Tiravanija, Ausstellungsansicht, Secession 2002
PUBLIKATION
 |
RIRKRIT
TIRAVANIJA
Secession
120 Seiten, ca. 200 Farabbildungen und Schutzumschlag
Texte: Matthias Herrmann/Rirkrit Tiravanija, Phillipe Parreno, Andreas Spiegl
Secession 2003, ISBN 3-901926-55-0
___________________
Erhältlich im
Shop |
AUSSTELLUNGSGESPRÄCH
August 2002. Die KünstlerInnen Rirkrit Tiravanija und Swetlana Heger im Gespräch
mit Peter Noever (Direktor des MAK). In Kooperation mit dem MAK Artist and Architects-in-Residence
Program
Rirkrit Tiravanija, Ausstellungsansicht, Secession 2002
Alle in situ Photos: Matthias Herrmann
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte
an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
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