Trina Robbins, She Draws Comics, Secession 2002
Die Cartoonistin und Pophistorikerin
Trina Robbins zählt bereits seit den 60er Jahren zu den zentralen Figuren
der amerikanischen Frauen-Comicszene. Sie besetzt zahlreiche Rollen: Künstlerin,
Produzentin, aktive Networkerin und seit einigen Jahren auch Chronistin der Women
Comics-Bewegung. Die von ihr für die Secession zusammengestellte Ausstellung
She Draws Comics zeigt anhand einer großen Auswahl sowohl historischer als
auch zeitgenössischer Originalzeichnungen, Comics und Zines aus den USA die
dortige Vielfalt der Comicproduktion von Frauen. Sie vermittelt historische und
biografische Hintergründe, ohne die Vielzahl der individuellen Ansätze
zu nivellieren, und beleuchtet Aspekte der Produktion und Distribution im Rahmen
emanzipatorischer Do-it-yourself Strategien, nachdrücklicher Formulierung
der eigenen Position und des industriellen Comicmarkts.
Trina Robbins, She Draws Comics, Secession 2002
Comic ist zwar auch in der Kunst ein viel verwendetes Medium, die hier gezeigte
Sammlung ist jedoch außerhalb des Kunstkontextes entstanden. Innerhalb der
Ausstellung lassen sich trotzdem diverse Stränge und Zusammenhänge festmachen,
die an im Kunstfeld aktuelle Diskurse anknüpfen. In der Auseinandersetzung
mit Themen der Produktion und Verortung im Sinne von Gegenöffentlichkeit
zeichnen sich verschiedene Stationen einer feministischen Sprache ab.
Trina Robbins, She Draws Comics, Secession 2002
Das Spektrum der Ansätze reicht von Science Fiction und Fantasy (Donna Barr)
über Seifenopern (Dale Messick), von bissig humorvollen Newspaperstrips (Nina
Paley) bis zum Genre des autobiografischen Comics, wobei letzteres in der Gegenwart
zu dominieren scheint. Die Geschichten der Autorinnen widmen sich gewöhnlichen
Begebenheiten ebenso wie der schonungslosen Offenlegung psychologischer Übergriffe
(Debbie Drechsler, Phoebe Gloeckner, Penny Van Horn). Die Bild-Textgeschichten
sind ein ideales Medium, um gesellschaftliches und politisches Engagement zu diskutieren
und dabei gleichzeitig persönliche Erfahrungen auszudrücken (Jessica
Abel, Julie Doucet, Leanne Franson). In ihrer Unterschiedlichkeit spiegeln die
in den Comics vorgestellten Lebensentwürfe das veränderte weibliche
Selbstbewusstsein ebenso wie den sich wandelnden Umgang mit Identitätspolitiken
der letzten Jahrzehnte wieder. Bereits die Titel, Tits & Clits in den 70iger
Jahren oder Girlhero, Actiongirl und Slutburger in den 90ern verweisen in der
Eroberung und Umdeutung der Begrifflichkeiten auf das Ziel, die Darstellungen
und Repräsentationen von Frauen jenseits von Stereotypen selbst zu bestimmen.
Trina Robbins, She Draws Comics, Secession 2002
Die Ausstellung gibt einen breiten Einblick in die Comicproduktion von Frauen
in den USA. Trina Robbins steht für diese emanzipatorische Intention mit
ihrer ganzen Lebensgeschichte. Sie ist eine Protagonistin der Underground Comix
Bewegung. Bereits Anfang der 60er Jahre veröffentlichte sie ihre ersten Comics
in New York (East Village Other). 1968 zog sie nach San Francisco, der Geburtsstätte
des Undergroundcomix, wo sie beispielsweise als Mitbegründerin des Wimmen's
Comic Collective und als Herausgeberin der Anthologie It Aint Me Baby. Women's
Liberation immer wieder Netzwerke und Plattformen für die Comicproduktion
von Frauen geschaffen hat. Im Rahmen dieser Kollektive entstanden die ersten Comicreihen,
die sich mit feministischen Themen wie Abtreibung, Coming Out und Sexualität
beschäftigten.
Trina Robbins, She Draws Comics, Secession 2002
Um zu beweisen, dass auch Comics, die ihre weiblichen Figuren nicht auf vollbusige
Sexwunder reduzieren, kommerziell erfolgreich sein können, hat Trina Robbins
als Zeichnerin und Texterin mit Meet Misty, GoGirl und in der Arbeit für
Barbie Geschichten erfunden, die insbesondere jungen Mädchen eine Alternative
zu den von der Industrie favorisierten, männlichen Machtfantasien entsprungenen
Übermenschen und Superhelden und ihren weiblichen Appendixen bieten. So kämpft
das Mutter-Tochterteam der von Ann Timmons gezeichneten Go-Girl Hefte nicht nur
gegen das Böse, sondern auch mit dem Problem, dass Superkräfte und ihre
Fähigkeit zu fliegen weder reich machen noch helfen, den vergleichsweise
durchschnittlichen Schwarm zu erobern.
Trina Robbins, She Draws Comics, Secession 2002
Trina Robbins publizierte eine große Anzahl von Büchern und Magazinen,
darunter From Girls to Grrrlz - A History of American Women's Comics from Teens
to Zines (1999), eine umfangreiche Dokumentation der von ihr mitbegründeten
und mitgeprägten Comiczeichnerinnen-Szene. Dieses Buch wurde zur Grundlage
von Robbins' ersten Präsentationen in Europa, die im Jahr 2001 im
Künstlerhaus
Stuttgart und im Rahmen der Ausstellung
First
Story - Women Building/New Narratives for the 21th Century in Porto stattfanden.
Ihre jüngste Publikation The Great Women Cartoonists (2001) bildet den Ausgangspunkt
für die Ausstellung in der Secession.
Trina Robbins, She Draws Comics, Secession 2002
PUBLIKATION
Für den zur Ausstellung erscheinenden Katalog-Comic She draws Comics hat
Trina Robbins 28 Kolleginnen eingeladen ein gemeinsames Comic zu produzieren,
das entlang eines von Robbins entworfenen Skripts die unterschiedlichen Positionierungen
reflektiert und zeigt. "The result I think, is the visual voice of Cartoonist
Everywoman between covers. We are here, and we draw comics." (Trina Robbins,
März 2002)
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TRINA ROBBINS
She draws Comics
40 Seiten
Texte: Matthias Herrmann, Trina Robbins
Comics: Trina Robbins, Penny van Horn, Lee Binswanger, Joan Hilty, Lauren Weinstein,
Leanne Franson, Fly, Isabella Bannerman, Sharon Rudahl, Lark Pien, Roberta Gregory,
Paige Braddock, Molly Kiely, Anne Timmons, Mary Fleener, Sabrina Jones, Donna
Barr, Caryn Leschen, Diane DiMassa, Joyce Chin, Leela Corman, Mary Wilshire, Marie
Severin, Sandra Bell-Lundy, Joyce Farmer, Katherine Arnoldi, Carol Tyler and Julia
Green, Stephanie Piro
Secession 2002, ISBN 3-901926-41-0
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erhältlich im
Shop |
AUSSTELLUNGSGESTALTUNG
Um den publizierenden Aspekt der Zusammenstellung zu betonen, wurde für die
Ausstellungsgestaltung das Grafikerteam Toledo i Dertschei eingeladen. Die von
ihnen entwickelte grafische Trägerstruktur setzt ebenso beim Material Papier
wie bei den charakteristischen typografischen Elementen des Comics an und integriert
das weite Spektrum der Stile und Geschichten in eine Lesebühne.
Künstlerinnen der Ausstellung:
Jessica Abel, Katherine Arnoldi, Isabella Bannermann, Valerie Barclay, Donna Barr,
Alison Bechdel, June Brigman, Lee Binswanger, Ariel Bordeaux, Paige Braddock,
Odin Burvick, Joyce Chin, Anna Maria Cool, Leela Corman, Julia Green, Diane DiMassa,
Colleen Doran, Julie Doucet, Debbie Drechsler, Jan Eliot, Joyce Farmer, Mary Fleener,
Fly, Ellen Forney, Ramona Fraydon, Leanne Franson, Phoebe Gloeckner, Roberta Gregory,
Ethel Hays, Marian Henley, Lea Hernandez, Joan Hilty, Fran Hopper, Dorothy Hughes,
Sabrina Jones, Molly Kiely, Fay King, Virginia Krausmann, Kathryn LeMieux, Caryn
Louise Leschen, Marty Links, Sandra Bell Lundy, Lee Marrs, Barbara (Willy) Mendes,
Dale Messick, Martha Orr, Nina Paley, Rina Piccolo, Lark Pien, Stephanie Piro,
Barb Rausch, Lily Renée, Trina Robbins, Sharon Rudahl, Mary Schmich, Ariel
Schrag, Kelly Seda, Marie Severin, Christine Shields, Barbara Slate, Leslie Sternbergh,
Hilda Terry, Anne Timmons, Carol Tyler, Penny Moran Van Horn, Lauren Weinstein,
Mary Wilshire
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte
an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
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