HIER IST DORT 2
AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2002
Galerie, Grafisches Kabinett, Foyer, Außenraum
14. 2. – 14. 4. 2002

Tim Gardner, Ellen Harvey, Hildegard Joos, Michael Krebber, Marko Lulic, Lisa Milroy, Katrin Plavcak, Melanie Smith, Andreas Siekmann, Esther Stocker und Amelie von Wulffen


Ellen Harvey, Bad Boy, 2002
Ellen Harvey, Bad Boy, 2002


Die von Anna Meyer konzipierte Gruppenausstellung Hier ist Dort 2 diskutiert am Beispiel der Malerei Visualisierungsprozesse zwischen Realität und Abstraktion in einer medial geprägten Gesellschaft. Die künstlerischen Praktiken verfolgen hierbei weniger das Bestreben, eine dieser beiden Extrempunkte einzunehmen oder einen Raum zu fassen, als vielmehr den Weg der Visualisierung semantisch zu besetzen.


Marko Lulic, Smeared Billboards1, 2002
Marko Lulic, Smeared Billboards1, 2002


Dieser Weg zwischen den Orten - zwischen "hier" und "dort", zwischen den BetrachterInnen, gesellschaftlichen Strukturen und dem Bild, zwischen Realität und Abstraktion - bleibt oftmals ein nur vorskizzierter. Die Arbeiten unterstreichen so einerseits die Unmöglichkeit, einen Ort einzunehmen, und heben anderseits die Intention hervor, Bildproduktion nicht als Abbild einer Wirklichkeit zu verstehen. Der Begriff des Ortes soll vielschichtig zu lesen sein, sei es räumlich, philosophisch, poetisch, abstrakt, politisch aber auch methodisch.


Katrin Plavcak, Strandbad, 2001. H.+H. Joos, Binaire 1974
Katrin Plavcak, Strandbad, 2001. H.+H. Joos, Binaire 1974


Hier ist Dort 2 debattiert diese Thematik im Medium der Malerei, ohne allerdings deshalb die malerische Methodik medienimmanent zu formulieren. In einer großen Spannbreite an Produktionstechniken durchspielen die ausgewählten Werke Formen und Gesetze von Visualisierungsprozessen als Basis einer Auseinandersetzung mit den Bedingungen von Sichtbarkeiten. Malerei bedeutet und ermöglicht in diesem Zusammenhang eine Distanz einzuführen und das visuelle Programm alltäglicher, vorherrschender Informationen und deren Politiken zu brechen. So verschiebt die Ausstellung die Bestimmung von Orten hin zu einer Besetzung von Orten, in der die Koordinaten sozialer Räume verhandelt werden und deren mediale und gesellschaftliche Konstruiertheit zur Frage wird.


Michael Krebber, H.+H. Joos
Michael Krebber, H.+H. Joos


Die in Mexiko lebende Künstlerin Melanie Smith untersucht beispielsweise, wie Ästhetik das soziale Verhalten beeinflusst, während Andreas Siekmann in seinen Computerzeichnungen Stadtentwicklung in ein Szenario setzt, welches von Börsenspekulation und einer sich wandelnden Öffentlichkeit geprägt ist. In ihren von Fotocollagen durchbrochenen Wandarbeiten verarbeitet Amelie von Wulffen die Einschreibungen eines gesellschaftlichen Wissens in Architekturen in Relation zu biografischen Blicken. Die malerischen Interventionen Ellen Harveys im Außenraum verknüpfen romantische Landschaftsmalerei mit einer Tradition des Graffiti.


Katrin Plavcak, Refugees, 2002
Katrin Plavcak, Refugees, 2002


Katrin Plavcak zieht die Störungen einer sich alltäglich einschleichenden Bequemlichkeit in das Bild selbst, sei es in Form von Ironie oder Humor aber auch irritierender, Distanz evozierender Perspektiven. Als Teil eines komplexen Systems aus medialen und kunsthistorischen Referenzen integriert Michael Krebber in seine künstlerische Praxis Malerei zur Erweiterung eines Diskurses über Wahrnehmungsraster. Tim Gardner führt die Fotografie in eine Tradition der Aquarellmalerei zurück, so dass die mediale Prägung des urbanen Alltags zum Ereignis des Ortes wird. Die sozialen Räume, die Lisa Milroy in großflächigen Tafelbildern schildert, inszenieren "reale" Momente einer Individualität, wie Kommunikation, Freizeit, Shopping.


Lisa Milroy, Flowers, 2000
Lisa Milroy, Flowers, 2000


Gleich einem Kontra- und zugleich vielfachen Referenzpunkt zu diesen Arbeiten fungieren die Werke von Hildegard Joos, eine der wichtigsten VertreterInnen der Op-Art. Ihre Arbeiten stehen innerhalb der Ausstellung insbesondere in einem Wechselspiel zu der künstlerischen Position Esther Stockers.



Esther Stocker, Ohne Titel, 2002


Doch während Joos die Gesetze der Geometrie und Punktsymmetrie auslotet, findet in den Arbeiten von Esther Stocker eine "Verschiebung von Wahrnehmungsobjekten zur Wahrnehmung selbst" (Martin Prinzhorn) statt. Für Hier ist Dort 2 wird Stocker ein Wandbild im Foyer der Secession entwickeln. Marko Lulic bezieht sich in seiner Arbeit auf Versuche zu Beginn der Moderne, Malerei, Architektur und Postermalerei zu verbinden: seine Arbeit für die Fassade der Secession ist ein sich fortgeschrittener Techniken bedienendes, gemaltes Poster, das die Formate von Tafelbild und Computerausdruck vereint.


Amelie von Wulffen,  O.T., 2000/02
Amelie von Wulffen, O.T., 2000/02


Hier ist Dort ist mit mehreren, internationalen Stationen konzipiert. Die erste Ausstellung fand vom 8. August bis 30. September 2001 im Salzburger Kunstverein statt und zeigte Arbeiten von Peter Doig, Anna Meyer und Lisa Milroy.


H.+H. Joos, Michael Krebber, Katrin Plavcak
H.+H. Joos, Michael Krebber, Katrin Plavcak


Alle Photos: Matthias Herrmann, 2002.


 Andreas Siekmann, Casino Totale, 1999-2000
 Andreas Siekmann, Casino Totale, 1999-2000


PUBLIKATION

Hier ist Dort 2 HIER IST DORT 2

40 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen
Texte: Matthias Herrmann, Annelie Pohlen
Secession 2002, ISBN 3-901926-40-2

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Erhältlich im Shop


AUSSTELLUNGSGESPRÄCH
Donnerstag 14. 2. 2002, 18 Uhr
mit Annelie Pohlen (Bonner Kunstverein), Anna Meyer (Konzeption der Ausstellung) und den KünstlerInnen Marko Lulic, Katrin Plavcak, Esther Stocker und Amelie von Wulffen



MANFRED ERJAUTZ
AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2002


 
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Urte Schmitt-Ulms
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