Ayse Erkmen, Kein gutes Zeichen, Foyer

In ihren Installationen übersetzt Ayse Erkmen Leerstellen und offene Fragen, die Architekturen und Umgebungen hinsichtlich ihrer Intention, ihrer Logik und Funktion hinterlassen, in eine minimalistische Formengrammatik. Die mehrteilige Installation für die Secession greift die Trennung zwischen Eingangsbereich und Ausstellungsraum auf und setzt an der sich daraus ergebenden Spannung zwischen unterschiedlichen ideellen Momenten des Gebäudes und deren Umfeld an.



Ayse Erkmen, Kein gutes Zeichen, Hauptraum

Im Mitteltrakt des Hauptraums bewegen sich über die Glasdecke helle Lichtbalken. Sie markieren die Unterseite von zwei Plattformen, die oberhalb der Decke des Ausstellungsraums montiert sind und normalerweise der Reinigung der Glasflächen dienen. In ihrer künstlichen Hervorhebung thematisieren sie eine Überschneidung von Illuminierung und Tageslicht, die die Ausstellungssituation bestimmt.



Ayse Erkmen, Kein gutes Zeichen, Hauptraum

Während die Plattformen kontinuierlich, horizontal über die gesamte Länge des Raumes auf- und abgleiten, führt Erkmen links und rechts in den Seitentrakten eine zweite Bewegung ein. Zwei Videoprojektionen, ebenfalls aus dem "Off" auf die Glasdecke projiziert, zeigen jeweils einen weißen Kreis auf schwarzem Grund, der in einem variierenden Rhythmus aufblitzt. Die Impulse besetzen die Glasdecke einerseits mit Signalzeichen, andererseits verweisen sie auf Motive des frühen Avantgardefilms und seine Licht- und Wahrnehmungsexperimente, die durch die strukturelle Abstraktion ein "anderes Sehen" verfolgten.



Ayse Erkmen, Kein gutes Zeichen, Hauptraum

Indem Erkmen in ihrer Installation die Aktion auf die Glasdecke und gleichzeitige Raumgrenze verlagert, konstruiert sie eine Situation, in der Elemente des Avantgardefilms und des White Cubes an einer ideellen und architektonischen Bruchstelle aufeinander treffen: der Mythos von einem neutralen Raum, die künstlerische Praxis, sich der Logistik und Bildsprache der kommerziellen (Film)Industrie zu verweigern, sowie die ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Implikationen von Repräsentationen über die Abstraktion in die ästhetische Erfahrung einzuführen. Parallel verlagert Erkmen das Motorengeräusch der fahrenden Plattformen in den Raum selbst und führt somit neben einer visuellen eine akustische Ebene ein.

Dieser Szenerie ist eine Diaserie im Foyer der Secession vorangestellt, die die Kreisform erneut aufgreift.



Ayse Erkmen, Kein gutes Zeichen, Foyer

Der Kreis, im Hauptraum offen und abstrakt, zeigt hier die Oberfläche von Kaffee, projiziert auf die Rosette oberhalb des Eingangs, einem zentralen Teil der vom Jugendstil geprägten Architektur. Die Aufnahmen, welche den Rand der Kaffeetasse aussparen, variieren in der Anordnung und Dichte der durch das Aufkochen entstandenen Schaumbläschen, die in der sukzessiven Abfolge der Projektion immer neue Formationen einnehmen.



Ayse Erkmen, Kein gutes Zeichen, Hauptraum

Das Sujet des "Kaffees" im Eingangsbereich und die Installationen im Hauptraum bleiben in ihren gesellschaftlichen und historischen Implikationen mehrdeutig lesbar. Und sie provozieren in ihrer Kombination zueinander, in Relation zum Titel des Projektes, zu den sie umgebenden Innen- und Außenräumen oder auch in Bezug auf die Frage eines Transfers kultureller Erzählungen in einen Ausstellungskontext. Zugleich betont Erkmen in ihrer Arbeit die Zeitweiligkeit: das Ephemere einer Interpretation aber auch einer künstlerischen Praxis der ortsbezogenen Installation.


Das Projekt für die Secession knüpft formal und inhaltlich an frühere Arbeiten von Erkmen an. Dieser Aspekt findet explizit Ausdruck im Ausstellungskatalog, der neben einem Textbeitrag von Fatih Özgüven in großformatigen Abbildungen - u.a. der Arbeiten Das Haus (DAAD Galerie, Berlin, 1993), Eingang (Inclusion/ Exclusion, Künstlerhaus, Graz, 1996), Sculptures on Air (Münster Skulpturen Projekt, 1997), Shipped Ships (Frankfurt am Main, 2001) - Querverweise innerhalb Erkmens künstlerischer Praxis bietet.



PUBLIKATION

AYSE ERKMEN
Kein gutes Zeichen

30 Seiten mit 13 Farbabbildungen
Texte: Matthias Herrmann, Fatih Özgüven
Secession 2002, ISBN 3-901926-42-9

___________________

erhältlich im Shop

 
 
AUSSTELLUNGSGESPRÄCH

mit Ayse Erkmen und Brigitte Huck
Dienstag, 18. 6. 2002, 19.00 Uhr in der Secession

AYSE ERKMEN lebt und arbeitet in Berlin und Istanbul.
Ausstellungen (Auswahl): 2001 Looking at You, Museum Fridericianum, Kassel; Tische der Kommunikation, Städtische Galerie im Museum Folkwang, Essen; Berlin Biennale, Postfuhramt; Shipped Ships, Main, Frankfurt am Main; Kuaförde iki Kadin, Chambal, Eudora, Emre ve Dario, Maçka Sanat Galerisi, Istanbul; 2000 Half of, Galerie Deux, Tokyo; Man muss ganz schön viel lernen um hier zu funktionieren, Frankfurter Kunstverein; Zeitwenden, Museum Moderner Kunst, 20er Haus, Wien; Biennial of Kwanju, Korea; 1999 Under the Same Sky, Kiasma, Helsinki; Zeitwenden, Kunstmuseum Bonn; Fireworks, De Appel, Amsterdam; Dream City, Villa Stuck, München


BRIGITTE HUCK lebt und arbeitet in Wien.
Studium der Kunstgeschichte in Wien. 1979/80 Museum of Modern Art, New York, 1986-92 Ausstellungskuratorin am MAK, seit 1994 freie Kuratorin und Kunstkritikerin in Wien. 1994-2000 Kuratorin für die Biennale von São Paulo, Co-Kuratorin der EVN Sammlung, Beiratstätigkeit, freie Mitarbeiterin im ORF. Zahlreiche Ausstellungen, Projekte und Publikationen zur zeitgenössischen Kunst.




TRINA ROBBINS  CAROLINA CAYCEDO AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2002


 
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
 
Karin Jaschke
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
presse@secession.at