MANFRED ERJAUTZ
AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2002
Hauptraum
14. 2. – 14. 4. 2002


Manfred Erjautz: Raumansicht, Foto Matthias Herrmann
Manfred Erjautz: Raumansicht, Foto Matthias Herrmann


Die Arbeiten von Manfred Erjautz verhandeln die Erfahrungen des Individuums innerhalb sich ständig verflechtender und gegenseitig irritierender Bereiche wie Innen und Außen, Privat und Öffentlich, und unternehmen kompensatorische Versuche, eine Positionierung der eigenen Person in diesen Feldern zu etablieren und damit einer konstatierten Überforderung entgegen zu stellen.


Me/We, 2002, Neonlogo, Straßenlampe, Foto Matthias Herrmann
Me/We, 2002, Neonlogo, Straßenlampe, Foto Matthias Herrmann


In Weiterführung früherer Arbeiten, die mit akkumulativ verwendeten Logos auf die mögliche Leere ästhetischer Codes hinweisen, hat Manfred Erjautz für die Ausstellung in der Secession sein eigenes Logo entwickelt. Eine aus seinen Initialen ME gebildete Neonlampe hängt am Fuß einer Straßenleuchte, welche die Dachkonstruktion der Secession durchstößt. Durch die paradoxe Beleuchtungssituation erscheint gleichnishaft als schwacher Schatten des ME ein WE auf dem Fußboden. Das Ich projiziert selbst eine Gemeinschaft, die es zugleich überstrahlt. Welche Dimension hat die Persönlichkeit im Verhältnis zur Öffentlichkeit und wie konstruiert sich Öffentlichkeit, wenn jede Diskretion um die Person verschwindet? Wie kann man sich in einer Welt scheinhafter Beziehungen und Verhältnisse positionieren und bewegen?


Converse Exit 01, 2002, C-Print auf Aluminium, Foto Matthias Herrmann   
Converse Exit 01, 2002, C-Print auf Aluminium,
Foto Matthias Herrmann



Im Sinne dieser Fragen ist die Intervention zu sehen, die Erjautz im Ausstellungsraum vornimmt. Indem die Tür in der hinteren Wand des Hauptraumes durch eine Glasscheibe ersetzt wird, erfährt der Raum eine Öffnung und Erweiterung. Der Blick wird so auf einen im Außenbereich platzierten Marmorschneemann freigegeben. Die Suggestion von Nähe, die scheinbare Möglichkeit des Zutritts zum Garten und die gleichzeitige unüberbrückbare Distanz, die durch diesen architektonischen Eingriff geschaffen werden, finden ein Pendant in der Außenskulptur "Gefangen in der Gegenwart".


TK 1, 2002, Lego, Kohlensäure, in Kooperation mit Thomas Köhler
TK 1, 2002, Lego, Kohlensäure, in Kooperation mit
Thomas Köhler, Foto Matthias Herrmann



Der den Hauptraum durchschneidende Ausblick wird kontrapunktisch mit großformatigen Fotografien, die unter anderem Fenster- und Türsituationen zeigen, weiter geführt. In ihrer skulptural-architektonischen Formation konstruieren sie eine komplexe Räumlichkeit, die den fixierten Betrachterstandpunkt der Zentralperspektive auflöst. Die atmosphärisch lichtdurchtränkten Passagen sind das Ergebnis eines langen Bildfindungsprozesses, in dem Manfred Erjautz seine Motive zunächst zeichnend notiert, bevor er in der Realität nach einer Entsprechung sucht und diese dann fotografisch festhält. In ihrer diffusen Modulation und Unschärfe demonstrieren die Bilder, wie sehr die Welt draußen Reflex der eigenen Imagination ist und sie nicht mehr mit dem Blick des Wissenden aus dem Denkraum heraus zu fokussieren ist.


Gefangen in der Gegenwart, 2000/2002, Marmor, Aluminium, Edelstahl
Gefangen in der Gegenwart, 2000/2002, Marmor, Aluminium,
Edelstahl, Foto Matthias Herrmann



Auflehnung gegen ein nicht zu greifendes Außen und sich in Gewalt äußernde Wut als Reaktion auf die verletzte Schutzzone des Privaten thematisiert die Diaserie "Gunshot". Ohne erkennbaren Gegner schießt der Künstler in seinem Studio mit einem von ihm gebauten Legogewehr um sich, bis er schließlich von einem Rückschlag, dessen Ursprung nicht geklärt wird, getroffen zu Boden sinkt. Wenn sich kein Gegenüber demaskieren lässt, ist das Resultat Erschöpfung, verbraucht sich der Kraftakt, bleibt die Kugel im Nichts stecken.


PUBLIKATION

Manfred Erjautz MANFRED ERJAUTZ

32 Seiten, 20 Farbabbildungen
Text: Matthias Herrmann
Secession 2002, ISBN 3-901926-39-9

___________________

Erhältlich im Shop



MANFRED ERJAUTZ, geboren 1966, lebt und arbeitet in Wien. Einzelausstellungen (Auswahl): 2001 Galerie Grita Insam, Wien; Galerie Eugen Lendl, Graz 1999 Neue Galerie am Landesmuseum Johanneum, Graz; Kunsthalle Szombathely, Patricia Faure Gallery, Santa Monica (mit Werner Reiterer, Michael Kienzer) 1998 Ausstellungsraum Mezzanin, Wien (mit Michael Kienzer); Studio Stefania Miscetti, Rom (mit Michael Kienzer) 1997 Galerie Fotohof, Salzburg; Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl): 2001 Connecting Worlds - Contemporary Sculpture from the EU, Kennedy Center, ; L.A. International Biennial; Washigton 2000 Delay, Forum Stadtpark, Graz; Lebt und arbeitet in Wien, Kunsthalle Wien; Widerstand: Art and Politic from Austria, Art Space Rhizom, Aårhus; Fotografie - die Sammlung, Neue Galerie der Stadt Linz 1999 Rosa für Jungs - Hellblau für Mädchen, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin; 6/7, The Living Museum, Reykjavik

 
AUSSTELLUNGSGESPRÄCH
Sonntag 14. 4. 2002, 15 Uhr in der Secession mit Manfred Erjautz und Rainer Fuchs  



HIER IST DORT 2
AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2002


 
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
 
Urte Schmitt-Ulms
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
presse@secession.at