Ines Doujak, Vater Arsch, 2002
In ihren Fotografien und Installationen inszeniert Ines Doujak Räume, die
es ermöglichen, die Setzung von Normen zu untersuchen und als strukturelles
und konstituierendes Element von Gesellschaft wachzurufen. In ihrer ersten Einzel-Ausstellung
fokussiert die Künstlerin die Themen Heterosexismus und Heteronormativität,
die nicht nur Subjektivität und Begehren, sondern auch Sprache, Wissen und
Kultur, Familie, Staat und Ökonomie organisieren.
Ines Doujak, Vater Arsch, 2002
Die Annäherung erfolgt über die Sprache des Visuellen als dominante
Kraft der Festschreibung und intendiert eine Diskussion von Normativität
anhand der Norm und nicht der Abweichung. Ines Doujak zeigt in ihrem Projekt für
die Secession, dass es möglich ist, Unterschiede als nicht-hierarchische
Verhältnisse zu behandeln und gleichzeitig soziale Macht- und Gewaltstrukturen
sichtbar zu machen.
Ines Doujak, Vater Arsch, 2002
Das Ausstellungsprojekt wird an zwei Orten stattfinden: Auf der Regenbogen Parade
am 29. Juni 2002 inszeniert Ines Doujak einen Wagen. In der Secession wird die
Ausstellung in der Galerie und im Grafischen Kabinett zu sehen sein.
Die Entscheidung der Künstlerin, einen Wagen auf der Parade zu inszenieren,
folgt dem Interesse zu zeigen, dass die regulativen Momente des Heterosexismus
und Formen der Selbstnormalisierung alle Teile der Gesellschaft - und insofern
auch die Parade - durchziehen. Auch die Erhöhung über die Hetero-Norm
in der oppositionellen Abweichung, wie sie die ProtagonistInnen auf der Parade
in Szene setzen, bestärkt letztendlich zugleich die Organisation des Anderen
auf der definitions-mächtigen Basis einer heterosexuellen Geschlechterdifferenz.
Ines Doujak, Vater Arsch, Regenbogen Parade 2002
So verlagert Ines Doujak die Aktion vom Wagen als Achse der Ordnung auf den Umraum:
während auf dem Wagen ausschließlich fotografische Figuren zum Thema
Heterosexismus zu sehen sein werden, sind um den Wagen PerformerInnen und TänzerInnen
mit Kostümen und Hüten aus Reifen, auf denen Bilder appliziert sind,
gruppiert.
Ines Doujak, Vater Arsch, Regenbogen Parade 2002
Die Regenbogen oder Christopher Street Day Parade steht für die öffentliche
Forderung nach einer Gleichstellung von Lesben, Schwulen und Transsexuellen mit
Heterosexuellen. Sie erinnert an die Ereignisse in der Christopher Street / New
York 1969, wo es nach Übergriffen der Polizei auf Homosexuelle erstmals in
der Lesben- und Schwulenbewegung offenen Widerstand und Demonstrationen auf der
Straße gegeben hatte.
Ines Doujak, Vater Arsch, 2002
In der Galerie der Secession greift Ines Doujak den Umzug der Parade-Wagen allegorisch
auf. Zentral im Raum platziert, bilden aus Holz gebaute, mittelgroße Lastwagen
eine Wagenburg. Diese erinnert an Wildwestfilme und zugleich an gesellschaftliche
Ordnungs- und Abgrenzungsmechanismen. Auf Grund der Größe verschieben
sich allerdings die Blickverhältnisse. Die BesucherInnen blicken auf die
Wagenburg und ihre Szenarien.
Ines Doujak, Vater Arsch, Regenbogen Parade 2002
Im Rücken der BesucherInnen, entlang der gesamten Wandfläche des ersten
Galerieraums zieht sich eine Fototapete mit einer Reihe von großflächigen
Inszenierungen von Menschen und Tieren in nächtlichen Umgebungen. Die Tiere
sind lebensgroße, weiße Attrappen, die von Tierpräparatoren als
Rohlinge verwendet werden. Die bearbeiteten (verkleideten) Rohlinge werden nach
Geschlechterpaaren und heterosexuellen Familienstrukturen geordnet in Museen ausgestellt.
In den allegorischen Settings nehmen die Frauen und Männer unterschiedliche
Konstellationen ein, die an Traumlandschaften und Zitate komplexer Erzählungen
erinnern. Wie in früheren Arbeiten komponiert Ines Doujak domestizierende,
herrschaftliche und performative Gesten aus einer feministisch geprägten
Perspektive: so liegen zwei Frauen eng nebeneinander auf dem Boden eines Rettungs-Ruderbootes,
Personen stehen mit erhobenen Händen und dem Gesicht zur Wand zwischen den
weißen Tierattrappen, ein Mann versucht eine Tür zu öffnen, während
sich ein Kind mit verbundenem Kopf an seinen Beinen festhält; durch die Beine
einer Frau schiebt sich eine brennende Hand.
Ines Doujak, Vater Arsch, Regenbogen Parade 2002
Während das Innere der Wagenburg real und als phantasmatische, leere Mitte
von den BesucherInnen nicht betreten werden kann, wird die Zone zwischen der Wagenburg,
der normierten Ordnungs- und Siedlungsarchitektur, und der Fototapete, Bühne
der Geschlechterdifferenzen, zum Ort des Sehens und Bestimmens. Indem Doujak in
ihrer Installation immer wieder unterschiedliche Blickverhältnisse anbietet,
diese aber keine Auflösung oder Ersetzung der hierarchischen Strukturen ermöglichen,
werden die BesucherInnen in ein Tableau gesetzt, das die Diskussion der Norm im
Prozess der Normierung intendiert. Es ist dies aber kein statisches Verhältnis,
sondern eine Zone des Kampfes in der Herstellung von Repräsentationen.
Ines Doujak, Vater Arsch, 2002
Im Grafischen Kabinett füllen lange Papprohre, die senkrecht von der Decke
bis zum Boden reichen, den Raum. An ihnen sind an beweglichen Streifen 200 Fotografien
angebracht, die ursprünglich auf den Kostümen der TänzerInnen appliziert
waren. Während die BildträgerInnen auf der Parade eine Bewegung der
Bilder erzeugten, geraten diese hier durch das Durchschreiten der BesucherInnen
in Aktion.
INES DOUJAK geboren 1959, lebt und arbeitet in Wien
Ausstellungen 2001/2000 (Auswahl): I feel a song coming along, Kunstverein Düsseldorf,
Galerie Hohenlohe & Kalb, Wien; Du bist die Welt, Wiener Festwochen; Widerstand,
Rhizom, Aarhus; The Subject and Power (the lyrical voice), Haus der Künste,
Moskau; Don´t let it in, don´t let it out, Galerie Knoll, Budapest;
infection manifesto, Kunstverein Bonn; Gouvernementalität, Expo 2000, Hannover;
Erlauf erinnert sich, Erlauf, NÖ; Dinge, die wir nicht verstehen, Generali
Foundation, Wien
PUBLIKATION
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INES DOUJAK
Vater Arsch
40 Seiten, 32 Farbabbildungen und Schutzumschlag
Texte: Antke Engel, Matthias Herrmann, Ruth Noack/Roger M. Buergel
Secession 2002, ISBN 3-90901926-43-7
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Erhältlich im
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Die Ausstellung wurde realisiert mit Unterstützung von:
Lang & Lang Werbeproduktion
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Tamara Schwarzmayr
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