Ihre Bedeutung als historisch wichtige KünstlerInnenvereinigung sieht die
Secession auch im Jahr 2002 als Auftrag, sich nicht nur als Ausstellungs-, sondern
vor allem auch als Produktionsort zeitgenössischer bildender Kunst zu verstehen.
So entstehen sämtliche Projekte im Zusammenhang der architektonischen und
kontextuellen Bedingungen des Hauses und der politischen und geographischen Gegebenheiten
seines Standortes; noch zu entdeckende künstlerische Ansätze stehen
in naher, im Idealfall befruchtender Beziehung zu bereits etablierten Positionen.
Die drei großen Säulen der klassischen Kunst Malerei, Skulptur
und Architektur dienen einem Großteil der eingeladenen KünstlerInnen
als gedankliche Grundlage, von der aus sie ihre Projekte entwickeln und innerhalb
des zeitgenössischen Diskurses positionieren. Auch den in anderen Medien
arbeitenden KünstlerInnen ist der Mut zum Experiment, das Bekenntnis zu einer
oftmals komplizierten Kunst, die von den BetrachterInnen ein hohes Maß an
Aufnahme- und Kritikfähigkeit verlangt, zu eigen. Alle programmatischen Entscheidungen
der Secession werden von den in den Vorstand gewählten KünstlerInnen
Manfred Erjautz, Matthias Herrmann, Johanna Kandl, Sandrine von Klot, Willi Kopf,
Hans Kupelwieser, Dorit Margreiter, Anna Meyer, Constanze Ruhm, Martin Walde und
Heimo Zobernig getroffen; erstmals in der Geschichte des Hauses werden mehr Frauen
in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten sein als männliche Künstler.
Alle Ausstellungen werden von einer zweisprachigen Publikation in deutsch und
englisch begleitet.
MANFRED ERJAUTZ
14. 2. 14. 4. 2002
Die konstante Erweiterung des Begriffs Skulptur steht zentral im künstlerischen
Denken von
Manfred Erjautz. Mit oftmals aus kunstfremden Zusammenhängen entlehnten Materialien
werden Arbeiten geschaffen, die als bekannt vorauszusetzende Zeichen mit neuen,
ungewohnten Bedeutungen aufladen. Die akkumulativ verwendeten Logos, ihrer ursprünglichen
Signalwirkung beraubt, verweisen auf die mögliche Leere ästhetischer
Codes und den Platz, den das imaginäre Gegenüber auf der Suche nach
Sinn und Unsinn einnehmen muss. Erjautzs Ausstellungsprojekt für die Secession
wird das Wechselspiel von Innen und Außen, Distanz und Nähe vor allem
aber die Transformation vom Privaten zum Öffentlichen und umgekehrt thematisieren.
Manfred Erjautz, geboren 1966, lebt und arbeitet in Wien.
HIER IST DORT 2
14. 2. 14. 4. 2002
In einer internationalen Gruppenausstellung greift Hier ist Dort 2 eine Diskussion
über die Bestimmung von Orten und die Unmöglichkeit jene einzunehmen
auf und bindet diese zurück an das Medium der Malerei. Der Weg zwischen den
Orten zwischen Hier und Dort, den BetrachterInnen und dem Bild ist
ein, oftmals nur vorskizzierter, Prozess, welcher die Frage aufwirft, wie in einer
medial geprägten Gesellschaft Visualisierungsprozesse funktionieren, und
welche Methoden und Strategien die Malerei bietet, diese zu untersuchen.
Die von Anna Meyer konzipierte Ausstellung zeigt sowohl im Innen- als auch Außenraum
der Secession Arbeiten von Tim Gardner, Ellen Harvey, Hildegard Joos, Michael
Krebber, Marko Lulic, Lisa Milroy, Katrin Plavcak, Melanie Smith, Andreas Siekmann,
Esther Stocker und Amelie von Wulffen.
AYSE ERKMEN
25. 4. 23. 6. 2002
Ayse Erkmen, Eudora, 2001
Das Genre der ortsbezogenen Installation wurde in den letzten 10 Jahren von vielen
KünstlerInnen als Erweiterung der Kategorien Architektur, Skulptur, Bild
und Sprache einer Revision unterzogen. Ayse Erkmen gehört zu den wichtigsten
VertreterInnen dieser künstlerischen Praxis. Ihre assoziativen Arbeiten lassen
sich nicht auf charakteristische Materialien oder Ästhetiken reduzieren,
sondern tragen eine hohe Flexibilität in sich. Erkmen transformiert in ihren
Außen- und Innenraum-Installationen alltägliche, oftmals unbemerkte
soziale und architektonische Momente in eine minimalistische Formengrammatik.
Diese konzeptuellen Interventionen sind getragen von einer analytischen Sensibilität
und eröffnen damit vielschichtige Erzählstrukturen.
Ayse Erkmen, lebt und arbeitet in Berlin und Istanbul.
TRINA ROBBINS
25. 4. - 23. 6. 2002
Odin Burvick, Dickie Dara, ca. 1947
Die Cartoonistin, Autorin und Pop-Historikerin Trina Robbins zählt seit den
60er Jahren zu den wichtigsten amerikanischen Comiczeichnerinnen. Bereits 1972
gründete sie gemeinsam mit anderen Zeichnerinnen das "Wimmen's Comix
Collective". Neben ihrer eigenen Produktion dokumentierte Robbins in zahlreichen
Publikationen (u.a. From Girls to Grrrlz A History of American Women's
Comics, from Teens to Zines, Chronicle Books 1999) die Geschichte des Frauencomics
in den USA aus feministischer Perspektive. Die für die Secession konzipierte
Ausstellung basiert auf Robbins' jüngst erschienenem Buch The Great Women
Cartoonists (2001), und gibt in einer umfangreichen Auswahl von Comics und Originalzeichnungen
einen Überblick über die Werke der großen Comiczeichnerinnen des
20. Jahrhunderts, ihre Anliegen und Netzwerke. Darüberhinaus werden junge
Cartoonistinnen eigens Arbeiten für die Ausstellung produzieren.
Trina Robbins lebt und arbeitet in San Francisco.
CAROLINA CAYCEDO
Mai 2002
Carolina Caycedo, O Carrinho Brica, O Carrinho Braque, 2001
Die Arbeiten von Carolina Caycedo kreisen um eine spezielle Form des Handels:
In ihren Strassen-Aktionen und prozessorientierten Projekten entwickelt sie mobile
"Märkte" für nicht-monetäre Tauschgeschäfte. So
bietet Caycedo beispielsweise den PassantInnen auf offener Strasse in einem temporären
Frisier- und Kosmetiksalon den Service eines neuen Äusseren im Austausch
gegen zwei Fotos vor und nach dem Haarschnitt. Die mobilen Gefährte, ebenso
wie das Strassen-Museum, eine sich konstant verändernde Sammlung aus Tauschobjekten,
das Caycedo 1998 als Mitglied des "Colectivo Cambalache" in Bogota gründete,
sind Bühnen der Kommunikation. Zugleich aber thematisieren sie informelle
Ökonomie als Auswirkung einer Kapitalisierung und Gentrifizierung urbaner
Regionen.
Carolina Caycedo, geboren 1978, lebt und arbeitet in London.
RIRKRIT TIRAVANIJA
5. 7. 1. 9. 2002
Rirkrit Tiravanija, Das soziale Kapital, 1998
Rirkrit Tiravanija entwirft situationsbezogene Räume für Kommunikation
und Interaktion, die Elemente von Arbeit, Service und gemeinsamen Aktivitäten
enthalten. Mit Bühnen, Plattformen und Treffpunkten fordert er die BesucherInnen
auf, den bereitgestellten Kunst- und Lebensraum aktiv zu nutzen und sich an den
von ihm initiierten sozialen Prozessen zu beteiligen. Seine Projekte setzen die
ephemere Relevanz realer menschlicher Interaktion in Beziehung zu historischen
und räumlichen Bezugspunkten, sie durchbrechen die an das institutionelle
Umfeld geknüpften Erwartungshaltungen und spielen zugleich mit den Dispositionen
des Privaten und Öffentlichen, Gastfreundschaft und Dienstleistung.
Rirkrit Tiravanija, geboren 1961, lebt und arbeitet in New York, Bangkok und Berlin.
INES DOUJAK
5. 7. 1. 9. 2002
Ines Doujak, Ohne Titel, 2001
Durch die künstlerische Arbeit von Ines Doujak zieht sich eine konsequente
Analyse historischer sowie alltäglicher Ausgrenzungsmechanismen: Rassismen
in Form ethnischer Identitätskonstruktionen, kultureller Reduktionen oder
geschlechtlicher Zuschreibungen. Ihre fotografischen, performativen und installativen
Inszenierungen sind poetisch und zugleich radikal in ihrer Funktion, Klischees
und die permanente Setzung von Normen wachzurufen, ohne diese selbst zu propagieren.
Vor dem Hintergrund, dass in der Geschichte des Rassismus das Bild über die
Schrift eine Dominanz inne hat (Paul Gilroy), kommunizieren die Arbeiten komplexe
Modelle einer kritischen Sprache der Bildpolitik. Für die Secession entwickelt
Doujak ein mehrteiliges Projekt zu Sexismen und heterosexistischen Normen. Einen
Ausgangspunkt hierfür liefern die Wageninszenierungen der Christopher Street
Day-Paraden.
Ines Doujak, geboren 1959, lebt und arbeitet in Wien.
TRESPASSING MOMENTE IN DER ARCHITEKTUR
13. 9. 3. 11. 2002
Die Organisation und die Aneignung von Raum sind in ihrem Verhältnis zueinander
historisch / ideologisch kontingent und daher veränderbar. Die Ausstellung
Trespassing sucht nach Möglichkeiten der Überschreitung vorgegebener
ordnungsbildender Faktoren und verortet diese weniger in der Erfindung utopischer
Entitäten als in der Einarbeitung von partiellen Verschiebungen. Durch die
Re-Interpretationen sowohl von realisierten als auch nur erdachten Projekten werden
programmatische und räumliche Diskontinuitäten manifest, Wechselwirkungen
zu Gesellschafts- und Subjektkonzeptionen sichtbar. Die Diskussionen mit ArchitektInnen
und TheoretikerInnen werden bereits im Vorfeld öffentlich gemacht und während
der Ausstellung in Form von Vorträgen weitergeführt.
Konzept von ESCAPE*spHERE in Zusammenarbeit mit Angelika Fitz.
Projekt-Dokumentation: www.secession.at/trespassing
HENRIK HÅKANSSON
13. 9. - 10. 11. 2002
Henrik Hakansson, Out of the Black into the Blue, 1997
Die Arbeiten von Henrik Håkansson kreisen um Bio- und Ökosysteme, Mikrokosmen
einer sich auflösenden Natur sowie provisorische Biotope in urbanisierten
Landschaften. In seinen experimentellen Anordnungen, welche u.a. Insekten, Amphibien
und Reptilien observieren, tauchen immer wieder Motive einer Kapitalisierung von
Natur und ausbeutenden Überwachung durch Kontrollapparaturen auf. Doch in
ihren Konstellationen entziehen sie sich einer eindeutigen Zuordnung, changieren
zwischen Umweltaktivismus, Wissenschaftsforschung bzw. Popkultur und kunsthistorischen
Verweisen und bilden in ihrer offenen Topografie keine Zufluchtsorte, weder in
der Ästhetik des medialen (Wissenschafts-)Bildes noch der Figur einer landschaftlichen
Idylle.
Henrik Håkansson, geboren 1968, lebt und arbeitet in Galtaback und Berlin.
SUE WILLIAMS
22. 11. 2002 2. 2. 2003
Sue Williams, Big Red O, 2001
In Sue Williams Arbeit werden formale und inhaltliche Fragen zeitgenössischer
Malerei und Zeichnung parallel nebeneinander gestellt und beantwortet, ohne dass
einer der beiden Komplexe den anderen überdecken oder verschleiern würde.
Standen die frühen Arbeiten in konkretem gedanklichen Naheverhältnis
zu feministischen Grundsätzen und Forderungen aufgelöst in zeichnerischen
und textlichen Sprengseln in der Malerei, aber auch in unüblich komplexer
Titelgebung so erweitert Williams in der neueren Produktion sowohl ihr gedankliches
als auch das rein malerische Vokabular. Der üppigen, in der Skala jedoch
reduzierten Farblichkeit steht der Mut zur Leere, zur "reinen", gleichzeitig
großzügigen Abstraktion gegenüber, die im Wissen um das reiche
Werk der Künstlerin vielfältige Bedeutungsebenen zulässt.
Sue Williams, geboren 1954, lebt und arbeitet in New York.
KOO JEONG-A
22. 11. 2002 2. 2. 2003
Koo Jeong-a, Snowy, Sunny Day, 1997
Koo Jeong-a kreiert kleine Universen, die das Alltägliche sichtbar machen
und es zugleich transzendieren. Ihre Installationen bestehen aus Objekten wie
Papierresten oder Sand, die auf alltägliche Handlungen verweisen, jedoch
autonom geworden sind und keine wiedererkennbare Funktion besitzen. Angesiedelt
an der Grenze der Wahrnehmung fordern ihre räumlichen Arrangements dazu auf,
die Poesie dieser Ding-Landschaften zu entdecken. Ausgeführt mit großer
Präzision und meditativer Konzentration erzeugt Koo Jeong-a durch minimale
Verschiebungen der Realität Kompositionen, die provisorisch wirken, aber
dennoch nichts Zufälliges haben und so die Grenze zwischen Ordnung und Unordnung
auflösen. Hierbei bestimmt die Notwendigkeit der Sorge um die Dinge ihr skulpturales
Handeln.
Koo Jeong-a, geboren 1967, lebt und arbeitet in Paris.
MICHAEL BEUTLER
22. 11. 2002 2. 2. 2003
Michael Beutler, o.T., 2001
Beutlers Konstruktionen beziehen ihre Strukturen gleich entnommenen Abdrücken
aus dem Raum. Die Transformation vorgefundener Architekturen, sei es materiell
oder räumlich versetzt, bewirkt Verschiebungen, die die Formensprache der
Substanzen zu einer inhaltlichen werden lässt. Seine Arbeiten greifen einen
bildhauerischen Diskurs der letzten Dekade auf und formulieren diesen zugleich
in der Bearbeitung aktueller Themen - wie Fragen der Globalisierung oder urbaner
Lebensmythen - und der Wahl der Materialien, die an eine Trash- und LowTech-Kultur
erinnern, weiter. In komplexen Raumskulpturen, die sowohl semantische Auseinandersetzungen
mit vorgegebenen Ausstellungsarchitekturen als auch Interventionen im öffentlichen
Raum umfassen, wird der Text der Materialität oftmals Teil temporärer
Behausungen für die BesucherInnen.
Michael Beutler, geboren 1976, lebt und arbeitet in Glasgow und Frankfurt am Main.
STÄNDIGE PRÄSENTATION
Gustav Klimt: DER BEETHOVENFRIES
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