Christopher Wool, Lesters Siter (My Brain), 2001
Christopher Wool, Lesters Siter (My Brain), 2001


Der amerikanische Künstler Christopher Wool setzt in der Secession die Präsentation von Arbeiten fort, welche die Grenzen des Genres Malerei bzw. die Malerei innerhalb des Prozesses der Malerei hinterfragen. Wesentlich ist Wools Arbeiten eine kontinuierliche Auflösung und Rematerialisierung der Komposition. Sie sind eine ständige Analyse von Form, Linie, Farbe, Rahmen, Anordnung und Repräsentation. Die Bedeutung seiner Arbeiten liegt in den Aufhebungen und Entwertungen, die seine Bilder bestimmen. Die Bilder demonstrieren statt einer "konkreten" Aussage den Prozess physischer oder intellektueller Arbeit im Akt des Kunstschaffens und verkörpern ein ständiges Bewusstsein für den Entstehungsprozess des Werkes an sich.


Christopher Wool, MyFucking Brain, 2001
Christopher Wool, MyFucking Brain, 2001


Christopher Wool ist zum einen mit schablonenartigen Wort-Bildern, zum anderen mit Bildern mit Ranken- und Blumendrucken bis hin zu tapetenartigen Mustern bekannt geworden. Dabei überlagert er Siebdrucke, Abdrucke, Malerei- und Spray-Schichten. Die Textarbeiten, die ab 1987 entstanden, veranschaulichen die Beschränkungen von Sprache und ihrer symbolischen Bedeutung. Genannt seien "RIOT", "PRANKSTER" oder "SELL THE HOUSE SELL THE CAR SELL THE KIDS". Die Wörter dieser Text-Gemälde, deren Lesbarkeit nicht zuletzt durch die Begrenzung des Bildes und die Platzierung der Buchstaben kaschiert wird, erfahren durch Wool eine Umdeutung. Das Wort als plastisches Material in der Malerei steht immer gegen das Wort als Syntax. Ein Thema dabei ist das Unaussprechliche, also das konstante Versagen der Sprache. In den frühen 90ern erweiterte Wool diese Form der Typografie durch eine scheinbar dekorative Ornamentik, die an gerollte und gewalzte Tapetenmuster erinnert. Evident ist aber auch hier, dass das Florale nicht als Ornamentik begriffen wird, sondern eine Neubestimmung des Dargestellten angestrebt wird. Allen Bildern ist bei genauer Betrachtung der Bruch der Perfektion eigen, um unter anderem eine Verletzbarkeit sichtbar zu machen. Mit subtilen Verschiebungen und Eliminierungen von Details eröffnet Wool einen von verschiedensten Anspielungen geprägten Raum. Ein weiteres Thema ist die Dualität Original/Reproduktion, wobei die Reproduktion mittels Überlagerungen und Eingriffen selbst wieder zum Original wird.


Christopher Wool, 2001
Christopher Wool, 2001


Für seine Einzelpräsentation im Hauptraum der Secession hat Christopher Wool neben 20 Zeichnungen 32 großformatige Arbeiten auf Aluminium und Leinwand ausgewählt, die alle im letzten Jahr und großteils eigens für die Ausstellung entstanden sind. Sie zeichnen sich unter anderem durch eine neue Farblichkeit aus.

Die Architektur des Raumes wurde von Christopher Wool mit dem Anliegen entworfen, in einem labyrinthischen Stellwandsystem gezielte Blicke in den Raum zu ermöglichen und die ausgestellten, immer seriellen Bilder mit diagonalen Querverweisen in Beziehung zu setzen. Die Hängung irritiert die Wahrnehmung des Betrachters, um auch das Thema der Repräsentation greifbarer zu machen.



PUBLIKATION
Christopher Wool zeichnet als Autor von zahlreichen Künstlerbüchern verantwortlich, der zur Ausstellung erscheinende Katalog steht ebenfalls in diesem Kontext.

CHRISTOPHER WOOL

48 Seiten mit Farbabbildungen
Text: Matthias Herrmann
Secession 2001, ISBN 3-901926-36-4

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BIOGRAFIE
Christopher Wool, geboren 1955 in Chicago, lebt und arbeitet in New York.
Einzelausstellungen (Auswahl): 2001 Luhring Augustine Gallery, New York; 2000 Fine Art, New York; 1999 Centre d'Art Contemporain, Geneva; 1998 Museum of Contemporary Art, Los Angeles; Carnegie Museum of Art, Pittsburgh; Kunsthalle Basel; Galerie Max Hetzler, Berlin; 1997 Luhring Augustine Gallery, New York; 1996 Galerie Gisela Capitain, Köln; 1995 Galerie Samia Saouma, Paris; 1994 Bruno Brunnet Fine Arts, Berlin

 
 
LINDA BILDA   DAS EXPERIMENT 7
AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2001


 
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