Produktion und Ausstattung der Filme - Jean-Paul Bourdier
Ausstellungsgestaltung - Adolf Krischanitz  
 

TRINH T. MINH-HA "Naked Spaces" 135 Mins. Color Film. Copyright: Trinh T. Minh-ha
Trinh T. Minh-ha, Naked Spaces, 135 Mins. Color Film. Copyright: Trinh T. Minh-ha
 
 
Die Filme und theoretischen Werke von Trinh T. Minh-ha vermischen verschiedene Schreib- und Erzählformen; die gegenseitige Herausforderung des Theoretischen und des Poetischen, diskursiver und "nicht-diskursiver" Sprachen erzählen von Trinh T. Minh-has Widerstand gegen Kategorisierungen und Begrenzungen, der quer durch Ethnizitäten und Kulturen ausgetragen wird. In der Secession zeigt sie fünf Filme und gibt Einblick in ihre Publikationen der vergangenen Jahre.
 

Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk
Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk


"Ich arbeite immer von den Grenzlinien mehrerer sich verschiebender Kategorien. Ich weite die Grenzen der Dinge aus, lerne über meine eigenen Beschränkungen und wie sie zu verändern sind," beschrieb Trinh T. Minh-ha in einem Gespräch ihre Methode. Diese Denkweisen lassen sich auch an ihren theoretischen Texten nachvollziehen, die herrschende Diskursabgrenzungen souverän ignorieren: Ihr erstes Buch Un Art sans Oeuvre (1981) enthält ein Kapitel, das die Arbeiten von Jacques Derrida und Antonin Artaud zu Texten des Zenbuddhismus in Beziehung setzt. An die Stelle einer Interdisziplinarität, die zumeist die Beschränkungen der Bereiche intakt lässt und sich in deren bloßer Addition erschöpft, setzt sie offen definierte Felder mit zufällig oder strategisch gezogenen und stets beweglichen Grenzen. Und an die Stelle einer Sprache, die durch Kategorisierungen eindeutige Identitäten produziert, setzt sie in ihren Texten wie in ihren Filmen ein Sprechen, "das sich selbst reflektiert und einem Subjekt sehr nahe kommen kann, ohne sich seiner zu bemächtigen; ein Sprechen, das, sobald es abgeschlossen ist, lediglich Momente eines Übergangs aufweist, die wiederum weitere mögliche Momente eines Übergangs ermöglichen."
 

Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk
Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk


Bei den Interviews zu Surname Viet, Given Name Nam wird erst mit der Zeit deutlich, dass einige der Gespräche nicht im herkömmlichen Sinn authentisch sind, sondern einem Buch entnommen und nachgestellt wurden. Irritierend ist dabei nicht nur, wie Trinh T. Minh-ha ihre Filme anlegt, sondern auch, was sie zeigt: Reassemblage und Naked Spaces - Living Is Round entstanden im Senegal und in Westafrika. Dass man bei einer gebürtigen Vietnamesin eher mit Filmen über ihr Herkunftsland rechnen würde, ist Trinh T. Minh-ha bewusst und gehört zu den in den Filmen verhandelten Themen.
 

Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk
Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk


Es geht Trinh T. Minh-ha weder in ihren Filmen noch in ihrer theoretischen Auseinandersetzung darum, Grenzen zu leugnen oder zu verwischen: "Für mich ist die Frage der Hybridität oder der kulturellen Differenz nie eine Frage der aufgehobenen Grenzen gewesen. Wir erfinden permanent Grenzen, aber diese Grenzen, die politisch, strategisch oder taktisch sein können - wie die Umstände es gerade erfordern, und verschiedene Umstände erzeugen jedesmal eine andere Art von Grenze -, sollten nicht als Selbstzweck begriffen werden. Die Idee des nomadischen Ichs, die in unserer Zeit neuen Auftrieb bekommen hat, ist hier sehr relevant. Das dislozierte Ich oder das erschaffen-werdende Ich wird heute herangezogen, um die Veränderungen und Brüche bei der Konstruktion und Zerstörung von Identitäten zu erklären, und dafür braucht es spezifische, aber mobile Grenzen. Zum Beispiel, wann nenne ich mich eine Feministin, wann bezeichne ich mich nicht als Feministin, wann betrachte ich mich als Teil des Ostens, und wann sage ich, dass in mir auch der Westen ist? Wenn ich über den Westen spreche, spreche ich nicht über irgendeine Realität, die außerhalb von mir liegt. Es geht nicht darum, Grenzen zu verwischen oder sichtbar zu machen. Es geht darum, sie zu verschieben, sobald sie anfangen, zu Einschränkungen zu werden (...)."
 
 
Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk
Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk


PUBLIKATIONEN

TRINH T. MINH-HA
Buch

64 Seiten, 10 Farbabbildungen, 8 s/w-Abbildungen
Texte: Marina Grizinic, Matthias Herrmann, Adolf Krischanitz, Akira Mizuta Lippit, Trinh T. Minh-ha
Secession 2001, ISBN 3-901926-37-2

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Erhältlich im Shop
   
TRINH T. MINH-HA
TEXTE

20 Seiten, 3 s/w-Abbildungen
Texte: Trinh T. Minh-ha, Akira Mizuta Lippit, Homi Bhabha, Gwendolyn Foster
Secession 2001

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Erhältlich im Shop



Für die Präsentation der Filme von Trinh T. Minh-ha hat Adolf Krischanitz ein architektonisches Konzept entwickelt, durch das erstmals eine Zusammenschau aller fünf Filme von Trinh T. Minh-ha möglich wird.
 
 
Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk
Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk


BIOGRAFIE
Trinh T. Minh-ha, Filmemacherin, Autorin und Musikerin. Geboren in Vietnam, emigrierte 1970 nach Amerika. Lebte und unterrichtete in Paris von 1974 bis 1975, in Dakar (Senegal) 1977 bis 1980. Studierte Musik und Komposition sowie Französische Literatur und Musikethnologie in Vietnam, auf den Philippinen, in Frankreich und in den USA. Zahlreiche Publikationen: u.a. "Woman, Native, Other" (Writing Postcoloniality and Feminism) 1989, "When the Moon Waxes Red" (Representation, Gender and Cultural Politics) 1991, "Framer Framed (Filmscripts and Interviews) und Mitherausgeberin von "Out There: Marginalisation in Contemporary Culture", 1990. Trinh T. Minh-ha unterrichtet Women´s Studies an der University of California, Berkeley und Film an der San Francisco State University.
 

Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk
Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk


Wir danken folgenden Unternehmen für ihre Unterstützung: Joh. Backhausen & Söhne GesmbH, Gerriets Handel GmbH, Franz Wittmann Möbelwerkstätten GesmbH und Filzfabrik Fulda Vertriebs-GesmbH.
 
 
Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk
Trinh T. Minh-ha, Secession 2001, Photo Pez Hejduk


AUSSTELLUNGSGESPRÄCH
Im Rahmen der Ausstellung Trinh T. Minh-ha findet am Mittwoch, 7. 3. 2001 um 19 Uhr ein Ausstellungsgespräch mit Marina Grzinic und der Künstlerin statt.  

Marina Grzinic, geb. 1958, lebt und arbeitet in Wien; Philosophin, Medienkünstlerin, freischaffende Medientheoretikerin, Kunstkritikerin und Kuratorin; aktuelle Veröffentlichung: Fiction Reconstructed. Eastern Europe, Post-Socialism and the Retro-Avant-Garde, Edition selene und Springerin, Wien 2000. 
 
 
 
AXEL STOCKBURGER    DAS EXPERIMENT 1
AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2001

 
 
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
 
Katharina Schniebs
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
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