Eröffnungsrede Dorit Margreiter
Schmid/Scholz beschäftigen sich mit Fragen, die sich aus dem Zusammenhang
von 'Kunst' und 'Pop' ergeben. Wie sie zu der Fragestellung kommen, hat mehrere
Ursachen. Einer der Ausgangspunkte ist - wie das Thema zunächst annehmen
ließe, kein theoretischer, - sondern ein Objekt. Schmid/Scholz machten sich
vor zwei Jahren zum Ziel ohne jegliche Vorkenntnisse einen Synthesizer zu bauen,
der schließlich in exzessiver Kleinstarbeit und Recherche - dabei bezog
man die Information fast ausschließlich aus dem Internet und User-groups
- produziert wurde. Das fertige Produkt, das zunächst kein konkreteres Ziel
verfolgte als Musikinstrument für eigene Sessions zu sein, stieß jedoch
im Kunst- wie im Popumfeld auf Aufmerksamkeit und Wohlwollen. Sie schreiben:
"Der analoge Modularsynthesizer (das Objekt) befand sich bisher in verschiedensten
Kontexten und wurde jeweils unterschiedlich gelesen, wobei das Objekt an sich
unverändert blieb und die permanente Umdeutung der Begrifflichkeiten von
den jeweiligen Gewohnheiten der Betrachtung und der räumlichen Situation
abhängig war. Das Feld der unterschiedlichen Herangehensweisen und Interpretationen
war überraschend breit. Uns ist es für die Betrachtung des Objekts weniger
wichtig, über dessen Status als Kunst oder Pop nachzudenken. Stattdessen
benutzen wir die ästhetische und historische Unterscheidung der Genres in
Verbindung mit einer Vielzahl unterschiedlicher Formen der Präsentation,
um der Arbeit den Status eines "diskursiven Objekts" zu geben."
Die Frage, inwieweit Begrifflichkeiten und Bedeutungszuschreibungen zeit- und
kontextabhängig sind und somit immer wieder neu gedacht werden müssen,
versuchen Schmid/Scholz in ihrer Arbeit auf verschiedenen Ebenen zu stellen. Die
für das Grafische Kabinett erarbeitete Präsentation beinhaltet eine
Zusammenstellung möglicher Antworten, die aber einer permanenten Revision
unterliegen. Gezeigt wird ein mehrteiliges Video, das u.a. Personen aus dem Feld
Kunst, Pop und Theorie befragt aber auch sie selbst in diesen Komplex mit einbindet.
Der Theoriekomplex 'Pop/Kunst' wird dabei zwar als bereits umfangreich bearbeitet
erkannt, Schmid/Scholz setzen jedoch genau da an, wo das Nebeneinander der beiden
Diskursfelder scheinbar selbstverständlich wird und führen die Befragten,
sich selbst und schließlich die BetrachterInnen des von ihnen erarbeiteten
Ensembles zum Beginn der Fragestellungen zurück. Die Intention, die Arbeit
bewusst innerhalb des Feldes Ausstellung zu platzieren, verstärkt der in
das Grafische Kabinett eingelassene ,white cube'. Die ,Recycling' Podeste, die
Sockel und Sitzgelegenheit zugleich sind und frappant an Teile der Ausstellung
,Between und Including' von Renée Green erinnern, signalisieren Zufälligkeit
oder formale Gleichgültigkeit, werden aber durch die Wahl des Ausstellungstitels
,artifacts shared the assumption that ev' wieder ästhetisch definiert.
Schmid / Scholz, Secession 2001
Das Ende des Prozesses, der eigentlich schon vor zwei Jahren mit dem Bau des Synthesizers
begonnen wurde, steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest, den Verlauf kann man
aber mittels der gepinnten Bildstrecke, die im Laufe des Projekts noch verändert
wird, verfolgen, bzw. sich selbst in diesen Prozess einklinken.
BIOGRAFIEN
Michael Schmid, 1979 geb. in Oberösterreich Seit 1999 Studium an der Akademie
der bildenen Künste bei Prof. Renée Green.
Christoph Scholz, 1974 geb. in Kaiserslautern Seit 1999 Studium an der Kunstuniversität
Linz bei Prof. Erwin Reiter.
PUBLIKATION
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DAS EXPERIMENT
1
Schmid/Scholz
6 Seiten
Texte: Matthias Herrmann, Dorit Magreiter, Michael Schmid, Christoph Scholz, Barbara
Steiner
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Erhältlich
im Shop |
Für die freundliche Unterstützung der Ausstellung danken wir:
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