Linda Bilda, Ausstellungsansicht, Photo: Pez Hejduk
Ein zentrales Thema der Arbeiten
von Linda Bilda ist die Produktion von (Gegen)Öffentlichkeit. Dieses Interesse
verfolgt die Künstlerin sowohl in ihren (Komik)Zeichnungen, welche publiziert
in Zeitschriften und eigenen Magazinen gesellschaftskritische Textproduktionen
kraftvoll in Szene setzen, als auch als Mitglied des Redaktionskollektivs der
feministischen Kunstzeitschrift "Die weisse Blatt" oder als Begründerin
des mittlerweile legendären "Artclub Wien".
Mit dem österreichischen Avantgarde-Filmemacher Ernst Schmidt jr. (1938-1988)
verbindet Linda Bilda das Interesse an kollektiven Arbeitsprozessen zur Förderung
nicht-hierarchischer Bilder der Gesellschaft sowie das Erarbeiten von Text-Bild-Verhältnissen,
die visuelle und sprachliche Materialien aus konventionellen Texturen lösen
und zu neuen Sequenzen komponieren.
Diese intensive Beschäftigung mit der künstlerischen Haltung Schmidt
jr. sowie das Interesse neben seinem filmhistorischen und -theoretischen Werk
auch bisher großteils unveröffentlichte Manuskripte und Konzepte der
Öffentlichkeit zu präsentieren bilden die Basis für die Ausstellung
Linda Bilda for Ernst Schmidt jr. in der Galerie der Secession. Die Ausstellung
Linda Bilda for Ernst Schmidt jr. intendiert keine Retrospektive des 1988 verstorbenen
Filmemachers, vielmehr beleuchten die von Linda Bilda recherchierten Archivmaterialien
das bemerkenswerte Schaffen Schmidt jr. punktuell, um es zugleich anhand von ausgewählten
Themenkreisen in aktuelle Kunst - und Mediendiskurse zurückzuschleusen.
Die Informationen bestehend aus Korrespondenzen, Plakaten, Filmkadern, Konzepten
und Fotos, welche mithilfe verschiedener Techniken (u.a. Fotoemulsion, Frottage)
auf die Wände der Galerie übergetragen sind, organisieren sich um die
Felder Ökonomie des (Avantgarde)Films und des Filmschaffens, Musik, das Crossover
von Film und bildender Kunst, Erfolg und Nichterfolg, Geschichte versus Subgeschichte
(das Bewahren und das Verschwinden von Informationen) sowie kollektive künstlerische
Vorgangsweisen. Eine Expanded Cinema Installation, die Uraufführung eines
temporären Ausstellungskonzeptes und die Einbeziehung von Positionen zeitgenössischer
Video-KünstlerInnen (wie z.B. Terese Schulmeister oder Anna Kowalska, Mikki
Muhr und Ulrike Müller), integrieren das Bestreben Schmidt jr. den filmischen
Raum und die Förderung einer Filmkultur in einem erweiterten Kontext zu denken.
Ernst Schmidt jr. war unabhängiger Filmemacher und Filmhistoriker in einer
Person und eine zentrale Figur der österreichischen Avantgardefilm-Szene
der 70er Jahre. Sein filmisches Werk umfasst experimentelle Dokumentarfilme (u.a.
über den Wiener Aktionismus), Filme, welche Material oder das Kino selbst
reflektieren, Expanded Cinema Aktionen, Konzeptfilme, welche in gesellschaftliche
Mechanismen eingreifen, sowie einen erzählerischen Spielfilm oder Animationsfilm.
"Das Medium selbst ist in erster Linie Thema des Filmemachers. Die Veränderbarkeit
des Mediums, ob im Detail oder als Ganzes, ermöglichte neue Informationen.
Eine freie Information bedeutet zugleich eine von konventionellen Normen abgesetzte
Information. Kein Film soll einem anderen gleichen. Dem Filmemacher stehen stets
neue veränderbare und erweiterbare Möglichkeiten zur Verfügung.
Dennoch hat Ernst Schmidt jr. kein fixiertes Konzept von Film. Für ihn ist
Film ein Medium zur Auseinandersetzung nicht nur mit sich selbst, sondern auch
mit dem eigenen Kontext, mit Musik, bildender Kunst und Literatur, sowie Problemen
gesellschaftlicher Realität. Sein gesamtes filmisches Werk ist ein einziges
Vergehen gegen die Normen der Filmsprache, der Technik und des Genres, ein Spielen
damit und ein ständiges Infragestellen, auch der Werte und Normen der Avantgarde".
(Ernst Schmidt jr. über Ernst Schmidt jr.)
Diese intermediale und kompromisslose Perspektive auf die Filmkultur formulierte
Ernst Schmidt jr. bereits früh als Co-Autor (gemeinsam mit Hans Scheugl)
der Publikation "Eine Subgeschichte des Films. Lexikon des Avantgarde-, Experimental-
und Undergroundfilms" (1974) und anderen zahlreichen Veröffentlichungen
/Texten.
PUBLIKATION
Zu der Ausstellung erscheint eine von Linda Bilda konzipierte und zusammengestellte
umfassende Publikation mit einer Neuveröffentlichung zentraler filmhistorischer
und -theoretischer Texte von Ernst Schmidt jr. sowie einer detaillierten Filmdokumentation
seiner Werke.
Linda Bilda, Secession (Hg.): Drehen Sie Filme, aber keine Filme!, Triton Verlag,
Wien 2001
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LINDA BILDA/Ernst
Schmidt jr.
"Drehen Sie Filme, keine Filme"
285 Seiten, 5 Farbabbildungen, 78 s/w-Abbildungen
Texte: Ernst Schmidt jr., Linda Bilda, Matthias Herrmann
Secession/Triton Verlag 2001, ISBN 3-85486-100-1
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Erhältlich im
Shop
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FILM
Eine Werkschau der Filme von Ernst Schmidt jr. wird parallel zur Ausstellung im
Schikaneder Kino gezeigt.
BIOGRAFIE
Linda Bilda, geboren 1963, lebt und arbeitet in Wien.
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte
an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
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