Diana Thater, Ausstellungsansicht, Secession 2000
Auch wenn die Videos der amerikanischen
Künstlerin Diana Thater fast stets projiziert werden, versucht sie Assoziationen
an das Kino des passiven Zuschauens zu vermeiden. Ihre Installationen reagieren
stets auf die spezifischen Gegebenheiten des Raumes und ver-schränken dabei
architektonische mit filmischen Motiven. Dabei sind nicht allein die flachen bewegten
Bilder von Bedeutung, sondern die Lichtkegel der Projektionen als Raum, die die
BetrachterInnen eindringend beeinflussen und verändern: sie werden als Schatten
selbst zur Figur und zerstören sich andererseits jenen Illusionismus der
Einfühlung, der Grundlage der Narration des grossen Kinos ist.
Diana Thater, Ausstellungsansicht, Secession 2000
Im Hauptraum der Secession wird Diana Thater ihre neue Arbeit "Delphine" präsentieren.
Dabei zeigen zwei auf dem Boden des Raumes liegende Videowände mit je neun
Monitoren Aufnahmen der Sonne, die einerseits mit Hilfe von Teleskopen der NASA
angefertigt und andererseits von Tauchern unter dem Meeresspiegel aufgenommen
wurden. Ein zweiter Teil der Installation umfasst vier Videos von ebenfalls unter
Wasser aufgenommenen Delphinen, die in unregelmäßigen und gebrochenen
Umrissen auf die Wände des Hauptraumes projiziert werden.
Diana Thater, Secession 2000
Für "Delphine" in der Secession verwendet Diana Thater Material, das gegenwärtig
auch bei einer Ausstellung im Carnegie Museum (Pittsburgh) zum Einsatz kommt.
Dieser Arbeitsweise hat sich die Künstlerin auch bei anderen Projekten bedient:
Für "The best animals are the flat animals - the best space is the deep space"
richtete sie an fünf verschiedenen Museen in Nordamerika vom MOMA in New
York bis zur Art Gallery der York University bei Toronto Ausstellungen ein. Der
Kontrast zwischen den verschiedenen Räumen und Ausstellungen ist auch bei
"Delphine" von Bedeutung: Verfremden die Projektionen in Pittsburgh die Vitrinen
eines Naturalienkabinetts, so beleuchten sie in Wien die glatten Wände des
Kunstraums der Secession.
Diana Thater, Secession 2000
Mit "Delphine" setzt Diana Thater die Arbeit an einem Themenkreis fort, der sie
während der ver-gangenen Jahre immer wieder beschäftigte. Aufnahmen
domestizierter oder dressierter wilder Tiere bieten ihr dabei die Folie, auf der
sie Prämissen der Kunstrezeption in Frage stellt. "Delphine" ist dabei ein
nächster Schritt - hier hat sie mit frei lebenden Delphinen unter Wasser
gearbeitet und war dabei vollständig auf das Interesse und die Kooperationsbereitschaft
der Tiere angewiesen. Die Videos sind Versuche über die Beziehungen zwischen
Tier und Mensch, und die ephemeren Projektionen im abgedunkelten Raum produzieren
gewissermaßen das Gegenteil des musealen "white cube": Die übliche
Fokussierung des Betrachters auf ein Kunstwerk versagt, weil die räumliche
Orientierung ohnehin erschwert ist und die künstlerische Arbeit keinen Ausdruck
in festen Objekten findet. Der auf Wahrnehmung von Kunst gerichteten Aufmerksamkeit
fehlt damit ihr Zentrum:
In den Blick gerät der Blick selbst. Diese
Form der Involvierung des Betrachters durch Reflexion seines Blicks ist eines
der grundlegenden Themen von Diana Thater.
PUBLIKATION
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DIANA THATER
32 Seiten, 12 Farbabbildungen
Texte: Matthias Herrmann, Diana Thater, Carol McMichael Reese
Secession 2000, ISBN 3-901926-19-4
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erhältlich
im Shop |
Diana Thater wurde 1962 in San Franciso geboren. Sie lebt und arbeitet in Los
Angeles. Ausstellungen (Auswahl): Witte de With, Rotterdam (1994); Salzburger
Kunstverein (1996); Kunsthalle Basel (1996); Skulpturen. Projekte, Münster
(1997); Kunstverein, Hamburg (1997); Museum of Modern Art, New York (1998); Carnegie
Museum of Art, Pittsburgh (1999)
Diana Thater, Secession 2000
AUSSTELLUNGSGESPRÄCH
Die Freunde der Secession veranstalten
am Donnerstag, 27. Januar 2000 um 19.00 Uhr ein Gespräch mit Diana Thater und
Hildegund Ammanshauser im Rahmen der Ausstellung.
Hildegund Ammanshauser, geb. 1955 in Salzburg, Kunsthistorikerin; Direktorin des
Salzburger Kunstvereins seit 1995.
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte
an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
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