Gregor Schneider, Secession,
2000
"Ich habe die berechtigte Hoffnung, dass,
wenn wir die Dinge sehr ernst nehmen und tun, dass wir die Welt verändern
können," bemerkte Gregor Schneider in einem Interview. Der Ernst seiner künstlerischen
Arbeit hat seinen Gegenstand in dem Haus ur in Mönchengladbach-Rheydt, das
er seit Jahren stets umbaut und mit seiner unsichtbar bleibenden Nachbarin Hannelore
Reuen teilt. In der Galerie der Secession wird Gregor Schneider Kellerräume
des Hauses einbauen.
Schneiders Eingriffe in die Substanz des unauffälligen Hauses in Rheydt sind
oberflächlich kaum bemerkbar. Besucher können eine Folge von Räumen
betreten ohne mehr wahrzunehmen als spartanische Interieur und diffuses Licht
hinter Vorhängen, in denen ein leichter Wind spielt. Tatsächlich steht
das Fenster etwas offen, doch dahinter bläst ein fast lautloser Ventilator,
statt der Sonne leuchten Neonröhren und der Blick geht nicht ins Freie, sondern
auf die fensterlose Wand eines unzugänglichen Raumes. Schneider schafft ein
Trompe l'oil in drei Dimensionen, dessen Raumbegrenzungen so gesetzt sind, dass
die ursprüngliche Gestalt des Zimmers nicht mehr erkennbar ist.
In den Schichtungen der Wände, Böden, Decken und Fenster hat sich Geschichte
sedimentiert, die nur noch um den Preis ihrer Zerstörung rekonstruierbar
ist, ohne dass sie deswegen verschwunden wäre. Dabei inszeniert Schneider
kein Geheimnis, das prätentiös als leeres Zeichen immer wieder nur auf
sich selbst verweist - wer nicht um die dahinterliegenden Schichtungen weiß,
wird kaum mehr wahrnehmen können als einen eigentümlich ver-rückten
Kellerraum. Statt sich in der Attitüde des allwissenden Schöpfers zu
gefallen hat der Künstler planvoll den Überblick in den verschachtelten
Zimmern verloren. Ihm gelingt die Konstruktion unbekannter Räume, die dem
Einbruch des Unheimlichen ebenso offenstehen wie dem des Utopischen.
Schneiders Interesse gilt damit den Erfahrungen von Grenzen, an denen Sichtbarkeit
und Erkenntnis nicht mehr selbstverständlich zusammengehen. Die Gesichtslosigkeit
der anonymen Räume - Keller wie der ausgestellte könnte man ähnlich
auch in Wiener Altbauten finden - lässt sie austauschbar werden. Damit aber
beginnt auch das utopische Potenzial mobil zu werden. Schneiders Räume schärfen
eine Aufmerksamkeit, die im Alltag die verwischten Spuren längst verschollener
Ereignisse aufzufinden vermag.
PUBLIKATION
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GREGOR
SCHNEIDER
8 Seiten, 13 s/w-Fotos
Text: Noemi Smolik
Secession 2000
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erhältlich im
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Gregor Schneider wurde 1969 in Rheydt, Deutschland, geboren; er lebt und arbeitet
dort. Ausstellungen (Auswahl): Galerie Massimo de Carlo (1999, Mailand); Konrad
Fischer Galerie (1999, 1993, Düsseldorf); 53. Carnegie International, Carnegie
Museum of Art (1999, Pittsburgh); Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris
(1998); Galerie Wako (1998, Tokio); Galerie Luis Campaña (1997, 1995, Köln);
Galerie Foksal (1997, Warschau); Portikus, Kunsthalle Frankfurt a.M. (1997); Haus
Lange (1994, Krefeld)
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