Muntean/Rosenblum, Secession 2000
 

Die in Wien lebenden Markus Muntean und Adi Rosenblum agieren seit 1992 gemeinsam im Kunstbetrieb. Ihre Arbeiten sind medial wie methodisch an tradierten Gattungsgrenzen insofern interessiert, als sie diese verschieben, überschreiten, auflösen. Einer der Schwer-punkte ihrer künstlerischen Produktion sind Gemälde, die sich allerdings tradierten Kategorisierungen entziehen und weder akademischen Kriterien entsprechen noch jenen einer avantgardistischen Antimalerei.
 
Adi Rosenblum und Markus Muntean reagieren mit ihrer Installation "Where else" auf den auratisierenden Gehalt zweier Räume der Secession. Gegeneinander geführt werden dabei das Graphische Kabinett im ersten Stock und der Galerieraum im Keller des Hauses: Ist die Ästhetik des ersteren eher klassisch-museal, so strahlen die Räumlichkeiten letzterer eine Allzweck-Funktionalität aus: sie für Aus-stellungen zu verwenden ist nur eine Möglichkeit. Eine andere wäre die Einrichtung eines Schnell-Restaurants - und eben das tun Muntean/Rosenblum: Die Räume sind mit dem essentiellen Mobiliar der Gasträume von Fast-Food-Lokalen eingerichtet, mit Bänken, Tischen, Kunstflora und Leuchtkästen, die Billigkeit und Anonymität ebenso ausstrahlen wie sie einladend und dennoch ungastlich sind. Jene Nichtsigni-fikanz und Austauschbarkeit, die diesen weltweit uniformen Räumen eigen ist, wird von "Where Else" auf vielfältige Weise reflektiert.

  
      
Muntean/Rosenblum, Secession 2000 
 

Im Ausstellungsraum hält das Mobiliar dabei präzise die Waage zwischen Künstlichkeit und Kunst: Eigens für den Anlass aus dünnem Holz gebaut sind die Tische, Bänke und Stühle eher Modell als Möbel. Im eigentlichen Sinne fast unbenutzbar werden sie zur Kulisse: In billige und wie zur Dekoration eingefügten Wechselrahmen hängen Reproduktionen von Gemälden und Photos der Künstler; diese sind als Originale teilweise im Graphischen Kabinett gehängt.
 
Die Gemälde verbinden dabei die räumlich separierten Teile der Ausstellung, indem sie die beiden Szenarien bildlich zusammenführen: Angefertigt mit den klassischen Materialien und Techniken des Tafelbildes orientieren sie sich motivisch an den Ikonographien der Werbephotographie der Lifestyle-Industrie und verschneiden sie mit Elementen des Comic, Formen der Bildproduktion also, die sich gegenwärtig zwar einiger diskursiver Aufmerksamkeit erfreuen, aber als Kunstformen nur selten an-erkannt werden. Die nie als Loser oder Yuppies denunzierten Protagonisten der Bilder von Muntean/Rosenblum zeigen Ausschnitte anonymer Zeiten in anonymen Räumen, also jener Be-findlichkeiten, die die neunziger Jahre zu einem neuen Fin de Siécle hatten werden lassen.

 
PUBLIKATION

MUNTEAN/ROSENBLUM

72 Seiten, Farbabbildungen
Texte: Matthias Herrmann, Dominic Molon, Beatrix Ruf

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erhältlich im Shop
  
 
Ausstellungen (Auswahl): Galerie Kidmat Eden, Tel Aviv (1996); City Racing Gallery, London (1997); Galleria Franco Noero, Turin (1999); Chicago Project Room (1999); Galerie Kargl, Wien (1999); Kunsthaus Glarus (2000); Jack Tilton Gallery, New York (2000)  
 
 

DIANA THATER
AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2000
 
 
 
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