Anita Leisz, Secession 2000
Eigenwilligkeit und Mehrdeutigkeiten zeichnen
die Arbeiten von Anita Leisz aus, die sich der Einordnung in den Kanon künstlerischer
Techniken entziehen; ein formal vermeintlich klar definierbares Medium wie das
des Comics benutzt sie, um labyrinthische Exkurse zwischen Realität und Fiktion
auszuführen. Bei dem in der Secession realisierten Projekt ist im Hauptraum
das Modell eines Handskelettes zu sehen, das in der Galerie mit den Unterarmknochen
fortgesetzt wird; dort an den Wänden aufgetragene kurze Texte bieten Anknüpfungspunkte
für die Erfindung von Geschichten, die sowohl aus den Erfahrungen der Künstlerin
wie auch jenen der Besucher ihr Material beziehen können.
Anita Leisz, Florian Pumhösl,
Secession 2000
Konzeptionell führt die Arbeit
damit Ansätze weiter, mit denen die Künstlerin sich in den vergangenen
Jahren beschäftigt hat: Ihre "Sprechblasenplakate", die 1995 in Wien unter
anderem auf großformatige Werbeplakate geklebt wurden, erzählten keine
Geschichte; als leere Flächen luden sie Passanten ein, selbst Inhalte einzuschreiben,
Reaktionen auf die teilweise überklebten Werbungen oder andere kurze Graffiti.
Für die Comicfigur
Den Rest, mit der sie etwa um die gleiche Zeit
zu arbeiten begann, erfand sie ein Leben in Grenzbereichen, das die inkonsistenten
und offenen Plots schlaglichtartig beleuchteten, anstatt sein Schicksal detailliert
auszubreiten. An ihre Ausstellung in der Wiener Galerie Krobath & Wimmer im vergangenen
Jahr schließt einerseits das kulissenhafte der überdimensionalen Skelettteile
in der Secession an, vor denen der Besuch der Ausstellung zur Performance geraten
kann; andererseits werden hier wie dort abgeschlossene einfache Sätze und
Satzfragmente eingesetzt, die allgemeine Erfahrungen vermitteln, ohne an Personen
gebunden zu sein. Die Texte funktionieren so als Lager, von dem aus Möglichkeiten
von Situationen zwischen Realität und Fiktion zugänglich werden.
Anita Leisz, Florian Pumhösl,
Secession 2000
Anita Leisz löst damit in der
Kunst gängige didaktische Beziehungsstrukturen auf - der Text funktioniert
gegenüber dem Kunstgegenstand als gleichwertige Einheit, anstatt ihm als
Interpretation oder Titel untergeordnet zu sein. Gleiches gilt für den Katalog:
Mit ihrer Arbeit reagiert Anita Leisz auf die Texte der Autoren ebenso wie diese
wiederum den Ausgangspunkt ihres Schreibens in den Arbeiten der Künstlerin
finden. Damit werden die Fähigkeiten des Erinnerns und Ergänzens bei
den Besuchern angesprochen: Sie führen sowohl die räumlich getrennten
Teile des Skelettes zusammen wie sie auch die Beziehungen zwischen den verschiedenen
Textformen und der plastischen Arbeit herstellen. Interpretation wird damit zum
Prozess ohne endgültige Ergebnisse und lässt sich weder räumlich
noch zeitlich limitieren.
PUBLIKATION
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ANITA LEISZ
24 Seiten, 10 Farbabbildungen, 3 s/w-Foto
Texte: Matthias Herrmann, Jörn Schafaff, Andreas Spiegl
Secession 2000, ISBN 3-901926-23-2
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erhältlich im
Shop |
Anita Leisz, Installation, 1999,
Galerie Krobath Wimmer, Photo: Jens Preusse
Anita Leisz, geb. 1973 in Leoben, lebt in Wien.
Ausstellungen (Auswahl): 1999 Galerie Krobath & Wimmer; Studiocity II, Kunstverein
Wolfsburg, Studiocity I, Wien; 1998 Den Rest - Die letzten Ereignisse, Kunstverein
Ludwigsburg; 1997 Time Out, Kunstverein Nürnberg; Tunnel Vision, Depot Wien
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