Merlin Carpenter, Ausstellungsansicht, Secession, 2000
Merlin Carpenter, Ausstellungsansicht, Secession, 2000
 
 
Für die Ausstellung "As a Painter I Call Myself the Estate of" wird der Hauptraum der Secession mit hohen Stellwänden neu aufgeteilt, so dass ein Zentralraum und darum ein breiter umlaufender Gang entstehen. Die Bilder sind nach ihrem Entstehungsdatum in Gruppen geordnet; doch statt einen chronologischen oder biographischen Einblick in Carpenters künstlerische Entwicklung anzubieten, untersuchen und reflektieren die Bilder, wie sich im vergangenen Jahrzehnt Kunstproduktion und -rezeption verändert haben. Mit stets spürbarem Humor werden narrative Modelle, der Neue Realismus und das Verhältnis zwischen Kunst und Waren zum Gegenstand der Ausstellung - nicht zuletzt, weil außer den Bildern auch ein Motorboot präsentiert wird. Damit wird das Setting das eines Showrooms - nichts ganz ungewöhnliches für die Secession, die auch auf eine lange Geschichte als Galerie der Künstlervereinigung zurückblicken kann. Beabsichtigt ungeklärt bleibt allerdings, ob nun die Bilder dem erlesenen Luxusobjekt einen Hintergrund bieten oder ob gerade umgekehrt der teure Gegenstand den Gemälden zusätzlichen Glanz verleihen soll. Carpenter wiederholt damit im Medium der Installation eine Auseinandersetzung, die sich auch seinen Bildern ablesen lässt.
 

Merlin Carpenter, Ausstellungsansicht, Secession, 2000
Merlin Carpenter, Ausstellungsansicht, Secession, 2000


Dass Carpenter gerade die Malerei als Medium seiner Auseinandersetzungen wählt, ist kaum zufällig: als Königsdisziplin der Kunst begegnete sie im 20. Jahrhundert einer nachhaltigen Skepsis, die unter anderem genau ihre Dekorativität und Verwertbarkeit betraf. Allerdings zehrte solche Kritik oft von der Hoffnung auf Kunstformen, die sich beidem entziehen könnten - eine Illusion, der Carpenter keinen Augenblick unterliegt.
 

Merlin Carpenter, Ausstellungsansicht, Secession, 2000
Merlin Carpenter, Ausstellungsansicht, Secession, 2000


Sein Interesse gilt der Demystifikation der Malerei; er insistiert darauf, dass sie auf formaler Ebene nicht etwa geheimnisvoll sei, sondern vollständig lesbar und dass diese formale Ebene allerdings für den Inhalt von Bedeutung wäre: sie entscheide, ob überhaupt etwas auf dem Bild wäre. In dieser Entmystifikation liegt schließlich auch eine Perspektive von Carpenters Kunst: Statt die Erforschung und den Ausbau von Metaebenen zu betreiben, schlägt er vor, doch das Experiment Malerei fortzusetzen und die Ergebnisse zu erwarten.
 

Merlin Carpenter, Ausstellungsansicht, Secession, 2000
Merlin Carpenter, Ausstellungsansicht, Secession, 2000


PUBLIKATION

MERLIN CARPENTER

48 Seiten, 21 Farbabbildungen, 5 s/w-Fotos
Texte: Merlin Carpenter, Anthony Davis, Diedrich Diederichsen
Secession, 2000, ISBN 3-901926-21-6

vergriffen
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Merlin Carpenter, Ausstellungsansicht, Secession, 2000
Merlin Carpenter, Ausstellungsansicht, Secession, 2000


Merlin Carpenter wurde 1967 in Pembury geboren und lebt und arbeitet in London. Ausstellungen (Auswahl): Girlfriend (2000, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig); Survivors (1999, Galerie Christian Nagel, Köln); Chant No 1 (1998, Galerie Max Hetzler, Berlin); Doppelganger (1998, The Top Room, London); Voluntary Effort (1995, Tom Solomon's Garage, Los Angeles); Les Jeunes (1993, Galerie Bruno Brunnet, Berlin)
 

Merlin Carpenter, Ausstellungsansicht, Secession, 2000
Merlin Carpenter, Ausstellungsansicht, Secession, 2000

 

GREGOR SCHNEIDER
AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2000
 
 
 
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Tamara Schwarzmayr
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