Gitte Villesen, Ingeborg The Busker Queen, 1999
In einfachen und unprätentiösen Bildern erzählt Gitte Villesen
in ihren Videoarbeiten vom Alltag und den persönlichen und sozialen Bedingtheiten
einzelner Personen aus ihrem Bekanntenkreis. Die Videoarbeiten verletzen niemals
die persönliche Integrität und Würde der Porträtierten. Im
Gegenteil, sie dokumentieren die Ausstrahlung von Personen, die den Gesetzmäßigkeiten
alltäglicher Erfordernisse und routinierter Verrichtungen einen Freiraum
abzuringen vermögen, indem sie ihre Freude am Spielerischen und ihre Phantasie
ausleben.
Gitte Villesen, Kathrin Makes Them and Bent Collects Them,
1999
Die Videoaufnahmen entstanden meist in ihrem Heimatort Ansager und in Kopenhagen,
wo Gitte Villesen lebt und arbeitet. Es sind immer Bekannte oder Freunde, die
die Künstlerin auf zurückhaltende und einfühlsame Weise porträtiert,
und deren Betrachtungen über das Leben, über persönliche Erinnerungen
und Empfind-ungen zum Thema der Videoarbeiten wurden. Kathrine, Bent, Ingeborg
und Søren Welling sind die DarstellerInnen der neuesten Arbeiten Gitte
Villesens, die sie in ihrer Ausstellung in der Secession zeigt. Kathrine ist Spitzenklöpplerin
und Bent sammelt Spitzen. Ingeborg ist, so scheint es, von Kurositäten und
seltsamen Naturerscheinungen besessen. Der inzwischen verstorbene Søren
Welling schuf sich in seinem Kleinstadtmuseum eine eigene Welt: die fast vollständige
Rekonstruktion einer dänischen Kleinstadt mit Kirche, Schule, Theater, traditionellen
Inneneinrichtungen, die gegen Ende des vorigen Jahrhunderts zu einer ländlichen
Kleinstadt gehörten. Gemeinsam ist den Dar-stellerInnen die Verbundenheit
mit der dänischen Provinz, die etwas Skurriles und Unvermitteltes an sich
hat. Dies wird nicht nur durch die einfache low-tech-Darstellungsweise der Videoaufnahmen
betont, sondern auch durch Gitte Villesen selbst, die als zurückhaltende
Beobachterin und Kamerafrau immer in den Videoarbeiten präsent ist. Ihre
Anmerkungen, mit denen sie die DarstellerInnen auffordert, etwas über ihre
Leidenschaften zu sagen, bestimmt zwar nicht den Gang der Ereignisse, gibt ihm
aber eine gewisse Richtung.
PUBLIKATION
Die Ausstellung in der Secession war für Gitte Villesen Anlaß, erstmals
eine umfassende Publikation über ihre Arbeiten der letzten Jahre zu veröffentlichen.
Zu allen Arbeiten hat Gitte Villesen einen Begleittext verfaßt, in dem sie
die Begegnung mit den Menschen und die Begleitumstände ihres Zusammentreffens
beschreibt. In einem weiteren ausführlichen Essay befaßt sich die dänische
Autorin Sanne Kofod Olsen über die Thematik des "Lokalen" in den Arbeiten
Gitte Villesens.
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GITTE VILLESEN
Texte: Matthias Herrmann, Sanne Kofod Olsen, Gitte
Villesen
Zweisprachig. Secession 1999
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Erhältlich im
Shop
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GITTE VILLESEN wurde 1965 in Ansager, Dänemark, geboren.
Sie lebt und arbeitet in Kopenhagen. Ausstellungen (Auswahl): Manifesta 2, Luxembourg
(1998); "Come Closer - Kunst der 90er Jahre aus Skandinavien und ihre Vorläufer",
Liechtensteinische Staatliche Kunstsammlung, Vaduz (1998); "New Documentaries",
Museum of Modern Art, New York (1997); "Electronic Undercurrents", The National
Museum of Fine Arts, Kopenhagen (1996); "Tre gange Ludo", Galleri Nicolai Wallner,
Kopenhagen (1995); "Opening Show", Galleri Struts, Oslo (1994); "Fibillet", Nansengade,
Kopenhagen (1993) Bibliographie (Auswahl): Lars Bang Larsen, "Gitte Villesen -
Existentielle Geographien", in Ausstellungskatalog "Come Closer", Liechtensteinische
Staatliche Kunstsammlung, Vaduz (1998): Nicolai Wallner, "Every Time I See You",
in: Hyperfoto, No. 2 (1995); Angelika Kindermann, "Kunst der Welt aus dem Norden",
in: Art, No. 8 (1996); Lars Bang Larsen, "Nudity and Small Talk", in: Index, No.
1/96
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