Es sind meist Schnappschüsse, Zeichnungen, eigene Textentwürfe und gefundenes
Material wie Zeitungsartikel und Fotografien, die Clemens Stecher aus diversen
Drucksorten ent-nimmt und die er zu Collagen zusammenstellt. So entstehen unter
anderem Tagebücher, die sich über längere Zeiträume erstrecken
können und Fotosammlungen, welche fragmentarisch "Alltagskultur", sowie biographische
Momente aus Clemens Stechers Leben zeigen.
"Was meine Collage ausmacht, ist die Zu- und Gegeneinanderstellung von verschiedenen
Bild- und Textelementen, das Ineinanderwerfen, die Kombination von verschiedenen
Teilen, die vorher so nicht zusammen waren. Sie bilden wiederum serielle Facetten
einer Linie, auf der ich versuche, die Zeit, die ich hier verbringe, authentisch
zu dokumentieren. Ich mische meine eigenen Texte mit fremden Texten, Gedichten,
vor allem auch Zitate aus der Werbung und so entsteht eine Art fortlaufender Monolog,
ein "stream of consciousness" . ." (Clemens Stecher)
Clemens Stecher, Nothing Feels Like, 1999
In einem Interview mit Wolfgang Zinggl meint Clemens Stecher, daß er seinen
"Bild-Text-Kombinationen das zurückgeben will, was sie gerade noch in manchen
Dokumentarfilmen haben", nämlich "eine direkte, effekt- und illusionsfreie
Vermittlung. (.) Da ich dabei fast immer verschiedene "Spuren" parallel bearbeite
und so verschiedenste Assoziationen (die sich mit denen der/des BetrachterIn teilweise
decken können) mitliefere, entsteht der Eindruck von Sinnestäuschung.
(Die "abgebildete Wirklichkeit" entspricht streng genommen der einer Psychose)".
Clemens Stecher, Porno, 1999
Unter Verwendung und in deutlicher Abgrenzung zur Mode- und Werbeästhetik,
die immer auch auf Formalismen der bildenden Kunst zurückgreift, verkörpern
die Arbeiten Clemens Stechers einen künstlerischen Zugriff auf unterschiedliche
Ebenen der Wirklichkeit, wie sie unter anderem auch von den medial vermittelten
Bildern und Texten repräsentiert werden. Dabei spielen nicht nur die Fragment-ierungen,
Brüche, Auslassungen und die Zusammenführung der vorgefundenen Bild-
und Textinhalte eine wesentliche Rolle, sondern vor allem seine Bearbeitung mit
Farbe, Zeichnung, mit Microsoft Word oder handschriftlich dargelegten Ausführungen
und nicht zuletzt auch seine Beschäftigung mit dem Medium der Malerei.
PUBLIKATION
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Essay von Hedwig Saxenhuber, einem
Dialog mit Wolfgang Zinggl und Clemens Stecher, sowie umfangreichem Bildmaterial.
Der Katalog erscheint in englischer und deutscher Sprache.
CLEMENS
STECHER 24 Seiten, 9 Farbabbildungen, 1 s/w-Abbildung
Secession 1999
CLEMENS
STECHER wurde 1968 geboren, er lebt und arbeitet
in Wien. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen (Auswahl): "Under
Thirty", Galerie Metropol, Wien (1992); "Eine freie Akademie auf Zeit", Kunstverein
München (1994); "Körpernah", Galerie Krinzinger, Wien (1994); "Skizzen,
Modelle, Notizen", Raum aktueller Kunst, Wien (1995); "Zeitschnitt 96", Kunstraum
Innsbruck (1996); "Junge Szene ,96", Secession, Wien (1996); Brasilica, Wien (1996);
"Pictures of Lily", 30 Underwood St. Gallery, London (1997); "Open a gallery";
T19 Galerie, Wien (1998); "Null", Haus der Familie Bernsteiner, Wien (1999)