Lucy Orta, Hortirecycling Enterprise Act II, 1999
Lucy Orta, Hortirecycling Enterprise Act II, 1999. Foto: Pez Hejduk

 
Die in Paris lebende, englische Künstlerin Lucy Orta verläßt mit ihrer Arbeit den statischen Kunstraum und überschreitet die Grenzen der bildenden Kunst indem sie Bereiche wie Modedesign, soziales Engagement, Poesie und Aktionskunst verbindet.


Lucy Orta, Hortirecycling Enterprise Act II, 1999
Lucy Orta, Hortirecycling Enterprise Act II, 1999. Foto: Pez Hejduk
 

Als Antwort auf die drastischen Bilder von kurdischen Flüchtlingen während der USA-Invasion im Irak, kreierte die ausgebildete Modedesignerin 1991 erstmals eine "Refuge Wear", die in ihrer multiplen Funktionalität den Kriegsopfern sowohl Schutz als auch Überlebenschancen gewährte. Die Künstlerin selbst beschreibt ihre Arbeit als "Immediate Assistance for Urgent Situations/Natural/Social an d Political Catastrophes - Shelter/Protection for People Living in Precarious Situations". In den Jahren darauf setzt Lucy Orta ihre Arbeit in den Straßen und Metro-Stationen von Paris fort. Für Pariser Obdachlose entwarf sie Kleidungsstücke, die ausgestattet mit Kapuzen und Ärmelöffnungen für mehrere Personen gleichzeitig Verwendung finden. Durch die kollektive Nützung der "Refuge Wear" entsteht ein Wärmeprozeß, der den Kunstkritiker Kodwo Eshun Parallelen zu Joseph Beuys Idee der "Sozialen Plastik" ziehen läßt. Multifunktional läßt sie sich zu modalen "Zelten" transformieren und bildet so ein prototypisches "Dach über dem Kopf". Workshops mit Obdachlosen, Gefangenen, in Pflegeheimen, Universitäten und Hochschulen begleiteten diese künstlerischen Interventionen Lucy Ortas. "But I am not trying to provide solutions. The prototypes are a starting point to underline the need for a sense of community." (Lucy Orta)
 
In den aktuellen Arbeiten beschäftigt sich die Künstlerin mit alternativen Systemen für gerechte Nahrungs-mittelverteilung, öffentliche Meinungsumfragen und Lobbying. Die Tatsache, daß Bauern in den EU-Länder trotz weltweiter Hungersnöte jährlich Millionen Tonnen von frischen Agrarprodukten vernichten müssen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, regte die Künstlerin zu einem Projekt im Rahmen einer Ausstellung in der Le Forum Saint-Eustache Gallery an. Als Buffet wurden selbstgekochte Speisen aus weggeworfenen Früchten und Gemüse vom Pariser Markt "Les Halles" serviert. Dieses Projekt mit dem Titel "Hortirecycling Enterprise" findet in der Secessionsausstellung seine Fortsetzung. Ausgesondertes und unverkaufbares Obst und Gemüse des an die Secession angrenzenden Naschmarktes wird von der Künstlerin gesammelt und mit Hilfe von Trollys, fahrbaren "Verarbeitungseinheiten", die mit Waschbecken, Schneideflächen und Kochplatten ausgestattet sind, zur Secession befördert. Über einen Kran werden die Früchte in den Ausstellungsraum im ersten Stock gehoben, um dort von Lucy Orta verkocht, konserviert und in Gläsern abgefüllt zu werden. Die Aktion "Hortirecycling Enterprise Act II" zieht sich über mehrereTage. Die Ergebnisse dieses Projektes sind während der gesamten Ausstellungszeit im Grafischen Kabinett zu sehen und gewinnen durch das subtile Arrangement der Künstlerin eine poetische Präsenz.


PUBLIKATION

Lucy Orta, 1999 LUCY ORTA

10 Seiten, 28 Farbabbildungen
Texte: Jen Budney, Matthias Herrmann
Zweisprachig. Secession 1999

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Erhältlich im Shop

 
LUCY ORTA wurde 1966 in Sutton Coldfield, Birmingham geboren, lebt und arbeitet in Paris. Ausstellungen (Auswahl): "Refuge Wear", Louvre & the Pont des Arts, Paris (1994), "Nexus Archtecture Collective Wear - 16 persons", Biennale Venedig (1995), "Identity + Refuge", Salvation Army, Paris (1995), "Refuge Wear", Soho Metro, New York (1996), "All in One Basket", Gallery Forum St. Eustache, Paris (1997), "PS1 Open", PS1 Contemporary Arts Center, New York (1997), "Trade Routes, History & Geography, Nexus Architecture, Johannesburg Biennale (1997), "Personal Effects - The Collective Conscious, Museum of Contemporary Art, Sydney Australien (1998), "Urban Armour", Art Gallery of Western Australia, Perth (1998), "Addressing the Century", The Hayward Gallery, London (1998), "Nexus Architecture Intervention", Haus der Kulturen, Berlin (1999) Bibliografie (Auswahl): "Process of Transformation", Monographie. Edition Jean-Michel Place, Text: Pierre Restany, Mark Sanders, Christina Morozzi, Jen Budney, Paris (1999); "Refuge Wear, Lucy Orta", Monographie, Edition Jean-Michel Place, Text: Paul Virilio, Jerôme Sans, Jean-Michel Ribettes, Paris (1996)
 


GREG LYNN / FABIAN MARCACCIO   GITTE VILLESEN
AUSSTELLUNGSPROGRAMM 1999


 
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