Greg Lynn / Fabian Marcaccio, Secession Project, 1999
Das Gemeinschaftsprojekt von Greg Lynn und Fabian Marcaccio versteht sich als
Verbindung von Architektur und bildender Kunst. Vergleichbar der Zusammenarbeit
von Richard Meier und Donald Judd, deren Arbeiten durch die Zusammenführung
von Skulptur und Architektur einen "idealen Raum" kreieren, entwickeln der Architekt
Greg Lynn und der Maler Fabian Marcaccio einen interdisziplinären Austausch
zwischen diesen Bereichen.
Greg Lynn / Fabian Marcaccio, Secession Project, 1999
Greg Lynn, geboren 1964 in Vermilion, Ohio, ist einer jener Architekten, die mit
dem Computer eine neue Architektur generieren. Dieser liegt Greg Lynns Auffassung
eines dynamischen Umraumes, dessen unterschiedlichste Kräfte potentiell auf
ein Gebäude einwirken können, zu Grunde. Während in der traditionellen
Architektur die vorrangige Beachtung des Faktors der Schwerkraft in Vertikalität
und Statik resultierten, so beziehen Lynns Bauwerke ihre Form aus einer Synthese
komplex wirksamer Richtkräfte. Grundlegend für Lynns Konzept ist die
Integration von Zeitlichkeit und Bewegung in den architek-tonischen Formfindungsprozeß.
Dazu speist er den Computer mit den topografischen, städtebaulichen, thermischen
etc. Gegebenheiten einer Örtlichkeit und läßt ihn anhand von Parametern
möglicher Ver-änderung den Bewegungsfluß dieser Faktoren errechnen.
In einem Animationsvorgang erzeugt der Computer amorphe räumliche Körper,
deren starke Deformationen ein sichtbares Ergebnis der vor-herrschenden raum-zeitlichen
Dynamik einer bestimmten Örtlichkeit darstellen.
Das Projekt in der Secession entwickelte Greg Lynn in erster Linie aus den architektonischen
Vorgaben des Gebäudes. Ausgehend von der Kuppel, die als sichtbarstes Zeichen
des Gebäudes die Symbolik der Secessionsbewegung verkörpert, schuf der
Architekt ein fließendes, amorphes Gebilde ohne Ecken und Kanten. Eine Konstruktion
aus Aluminiumstangen erstreckt sich von der Kuppel über die Fassade in die
Vorhalle und schließlich in den Hauptraum der Secession. Lynn nimmt mit
dieser gleichermaßen dynamisch-bewegten wie mathematisch-präzisen Form
Bezug auf den spannungsreichen architek-tonischen Gegensatz zwischen vegetabiler
Struktur der Kuppel und strenger Geometrie des Secessionsgebäudes. Zugleich
oszilliert und vermittelt seine Konstruktion zwischen den drei Kunst-gattungen:
wird sie im Außenraum in erster Linie als architektonischer Eingriff wirksam,
so entwickelt sie im Innenraum skulpturale Qualitäten und dient zudem als
Trägerelement für Fabian Marcaccios Malerei.
Fabian Marcaccio, geboren 1963 in Rosario de Santa Fe, Argentinien, geht in seiner
Malerei auf eine bewußt plakative Weise von den malerischen und formalen
Problemstellungen der klassischen Moderne sowie des amerikanischen abstrakten
Expressionsimus aus, um sich auf eine kritische und persönliche Auseinander-setzung
mit dem Erbe der Moderne einzulassen. Anstatt sich in seinen Bildern auf ein bestimmtes
malerisches Problem zu konzentrieren, verweist er in Form von Zitaten auf eine
Reihe von Fragestellungen der avantgard-istischen Malerei. Dieses Konglomerat
an Verweisen auf die Geschichte der Malerei ironisiert er, indem er die verwendeten
Zitate signalhaft isoliert und deutlich überzeichnet, so zum Beipiel die
in seinem Bildern häufig wiederkehrenden Grundgestaltungsmittel des abstrakten
Expressionismus, wie Pinselstrich, Raster und Streifen. Trotz Ironie und distanziert-spielerischem
Umgang mit der Tradition der Moderne, sind es letztlich immer noch deren malerische
Grundfragen, die Marcaccio beschäftigen und die er auf zeitgenössische
Art und Weise zu lösen versucht. So ist zum Beispiel das Verhältnis
von Figur und Grund ebenso ein Thema seiner Arbeit wie die potentielle Objekthaftigkeit
von Malerei, die aus ihrer untrennbaren Verbundenheit mit dem Bildträger
resultiert. Beim Bildträger setzt Marcaccio in seinen jüngsten Arbeiten
an, in denen er mit einer "raumgreifenden" Malerei experimentiert. Seine abstrakten
Kompositionen auf Leinwänden, die mit Nylonschnüren aufgespannt werden,
lösten sich allmählich aus der Zweidimensionalität und entwickelten
sich in skulpturalen Formationen in den Raum hinein.
Die Ausstellung in der Secession stellt eine konsequente Weiterführung dieser
Bestrebungen dar, denn Marcaccios Malerei bekleidet das Aluminiumgestänge
von Greg Lynns Raumkonstruktion und verläuft quer durch den gesamten Ausstellungsraum.
Gemeinsam erarbeiteten die beiden Künstler somit ein Konzept, das in seiner
spezifischen räumlichen Anlage architektonische, skulpturale und malerische
Qualitäten zu einer Synthese bringt.
PUBLIKATION
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GREG LYNN
/ FABIAN MARCACCIO
Texte: Matthias Herrmann, Jeffrey Kipnis
Zweisprachig. Secession 1999
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Erhältlich im
Shop
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PODIUMSDISKUSSION
Montag, 28. 6. 1999, 19.00 Uhr
Chris Dercon, Director des Boijmans Van Beuningen Museum, Rotterdam
Greg Lynn, Architekt, Los Angeles
Fabian Marcaccio, Maler, New York
Eine Veranstaltung der
Freunde der
Secession.
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Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
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