Pierre Huyghe, Motion Studie, 1999
Pierre Huyghe, geboren 1962 in Paris, hat für die Secession eine Installation
konzipiert, die den Beginn einer neuen Auseinandersetzung mit den Funktionsmechanismen
von Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozessen markiert und die er mit weiteren Ausstellungen
fortsetzen wird.
In zahlreichen Arbeiten Pierre Huyghes bildet der Film, mit seinen imaginativen
Qualitäten und dem spezifischen Verhältnis zwischen der Erfahrung von
Fiktion und Wirklichkeit, den Ausgangspunkt seiner Überlegungen. Anstatt
selbst Filme zu produzieren, überprüft Pierre Huyghe seine Er-kenntnisse
und Beobachtung aus Filmen an der Wahrnehmung und Interpretation der Realität.
Beispielsweise läßt er in seiner Version von Alfred Hitchcocks Filmklassiker
"Rear Window" die Rollen von James Stewart und Grace Kelly von Laiendarstellern
nachspielen und thematisiert damit unterschiedliche Fragen: Was wäre, wenn
jede Person ihr Leben als Rolle in einem Film und sich selbst als Schauspieler
in diesem Film auffassen würde? Oder, was wäre, könnten wir den
realen Ereignissen und Situationen des Alltags wie Filmsettings begegnen und sie
lediglich als Realität eines imaginierten Films begreifen? In seinem Ausstellungsprojekt
in Bordeaux ("Traffic", 1996) hatte Pierre Huyghe diese Wechsel-beziehung zwischen
Realität und Fiktion auf andere Art thematisiert. Er organisierte zu diesem
Zweck eine Autobusfahrt durch die Stadt. Die Strecke, die der Bus abfuhr wurde
den Teilnehmern während der Fahrt mit nahezu simultanem Zeitablauf auf einem
Video vorgeführt. Dieses Video hatte der Künstler am Tag zuvor aufgenommen,
indem er dieselbe Strecke mit seiner Videokamera abfuhr. Die scheinbare Übereinstimmung
der beiden beobachtbaren Situationen (live bzw. auf Video) demonstrierte die Austausch-
und Verwechselbarkeit von Wirklichkeit und Fiktion.
Pierre Huyghe, L'ellipse, 1998
In den jüngsten Ausstellungsprojekten von Pierre Huyghe wird der Besucher
verstärkt zum aktiven Teilnehmer. Die Installation in der Secession vereint
verschiedene Elemente der Filmproduktion, wie Drehbuch, Rekonstruktion und Transkription
und soll einen "Procès du temps libre" (einen Prozeß, der die Freizeit
thematisiert) initiieren. Sie wird durch ein elektronisches Spiel eröffnet,
das in Inter-aktion mit der Architektur des Ausstellungsraumes entsteht und den
Betrachter zum Akteur dieser fiktiven "Freizeitlandschaft" werden lässt.
PUBLIKATIONEN
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PIERRE
HUYGHE
6 Seiten, 14 Farbabbildungen
Texte: Pierre Huyghe, Jérôme Sans
Zweisprachig. Secession 1999
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Erhältlich im
Shop
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PIERRE
HUYGHE
198 Seiten, 71 Seiten mit Farbabbildungen
Text: Liam Gillick, Philippe Parreno
Secession, Kunstverein München, Kunsthalle Zürich, Le Consortium/Dijon
1999, ISBN 3-923357-14-1
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Erhältlich im
Shop
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Die Ausstellung wird von Jérôme Sans betreut.
Ausstellungen (Auswahl): "L'usage de l'interprète", FRAC Languedoc Roussillon,
Montpellier (1995); "Storytellers", Le Consortium, Dijon (1997); "Africus", Biennale
de Johannesbourg (1997); ARC, Musée de la Ville de Paris (1998); "Fast
Forward", Kunstverein Hamburg (1998); Manifesta 2, (1998); Marian Goodman Gallery
(1998).
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