Urs Frei, Secession, 1999, Foto Christian Wachter
Urs Frei (geboren 1958 in Zürich) entzieht sich mit seinen Arbeiten und seiner
künstlerischen Praxis bewußt und konsequent den klassischen Kategorien
künstlerischen Schaffens.
Urs Frei, Secession, 1999, Foto Christian Wachter
Aus Abfall und alltäglichen Gegenständen wie Holzbrettern, Eimern und
Säcken stellt er Gebilde her, die er mit leuchtenden Farben bemalt und entweder
am Boden liegend, an der Wand oder von der Decke hängend ausstellt. Die Arbeiten
sind weder eindeutig als Malerei noch als Skulptur rezipierbar. Genauso wie Frei
die Frage nach dem künstlerischen Medium in Schwebe hält, zieht er keine
klare Grenze zwischen Kunstprodukt und Kunstproduktion. Er unterscheidet nicht
zwischen dem Ausstellungsraum und der Arbeitssituation im Atelier, wo er seine
Objekte permanent zu neuen Konstellationen arrangiert, um diese fotografisch festzuhalten.
Tatsächlich läßt sich das Oeuvre des Künstlers als ein Zyklus
aus aufeinanderfolgenden Auf- und Abbauten begreifen.
Auch in der Secession setzt Urs Frei dasselbe Prinzip ein: er bringt eine große
Menge an Material sowie fertige Arbeiten mit und installiert sie bezugnehmend
auf den Ort.
Trotz der angestrebten visuellen (v.a. farblichen) Gesamtwirkung von Freis Konstellationen
im Raum, kann man nicht von Installationen sprechen, da jedes Werk auch einen
ausgeprägten Eigenwert besitzt. Durch die malerische Behandlung der Oberflächen
mit bunten Lackfarben wird das Gebrauchsmaterial der Objekte ästhetiziert
und diese zu abstrakten Kompositionen transformiert. Zugleich aber behaupten seine
Objekte das Unspektakuläre und Nebensächliche. In diesem Sinne sind
seine prall gefüllten und mehrfach verschnürten Plastiksäcke nur
in zweiter Linie metaphorisch, nämlich als Resultat aggressiven Bandagierens
zu verstehen. Allem voran dienen die Abschnürungen der Herausbildung und
Sichtbarmachung elementarer plastischer Volumina.
PUBLIKATION
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URS FREI
Texte: Patricia Grzonka, Matthias Herrmann
Zweisprachig. Secession 1999
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