1897 spaltete sich Gustav Klimt mit einer Gruppe von 18 Künstlern aus Protest
gegenüber dem konservativen Ausstellungsprogramm vom Künstlerhaus ab
und gründete die Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession.
Im Frühjahr 1998 eröffneten sie ihre erste Ausstellung und formulierten
damit programmatisch den Willen zu einer gänzlich neuen, modernen Kunstauffassung.
Vor diesem historischen Hintergrund thematisiert die von Robert Fleck kuratierte
Ausstellung "Das Jahrhundert der künstlerischen Freiheit 100 Jahre Secession"
Erkenntnisse, Einflüsse und Auswirkungen einer Ausstellungspraxis, die sich
seit nunmehr hundert Jahren ausschließlich der zeitgenössischen, internationalen
Kunst verpflichtet hat. Der Programmatik der Gründungsmitglieder folgend,
finden 1998 in den Räumlichkeiten der Secession ingesamt zehn Ausstellungen
statt, die aktuelle internationale Entwicklungen und Standpunkte der zeitgenössischen
Kunst vorstellen. Die KünstlerInnen wurden eingeladen, sich vorwiegend mit
neuen, eigens für die Secession konzipierten Arbeiten zu präsentieren.
Zu allen Ausstellungen erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache.
Das Ausstellungsprogamm 1998 wurde vom Vorstand der Künstlervereinigung erstellt,
der sich aus folgenden KünstlerInnen zusammensetzt: Werner Würtinger
(Präsident), Erwin Bohatsch, Manfred Erjautz, Inge Graf, Matthias Herrmann,
Johanna Kandl, Peter Kogler, Willi Kopf, Brigitte Kowanz, Margherita Spiluttini,
Martin Walde, Erwin Wurm.
MARCUS GEIGER
30. 1. 15. 3. 1998
Marcus Geiger, Wealth of Nations, Warschau,
1991
Marcus Geiger, geboren 1957 in Muri (CH) hat in seinen künstlerischen Interventionen
der letzten Jahre konzeptuell mit dem Begriff des "Kunstwerks" experimentiert.
Seine Installationen mit bunten Frotteestoffen und Nadelfilz, mit "Kunstobjekten"
namhafter KünstlerInnen des 20. Jahrhunderts, positionieren das "Kunstwerk"
auf ambivalente Weise zwischen alltäglichem Gebrauchsgegenstand und Kunstwerk
und halten dem Betrachter damit eine Erfahrung offen, die jede eindeutige Lesart
unterbindet. Die Ausstellung in der Secession thematisiert die hundertjährige
Geschichte des Hauses. In und gegen diesen Kontext konstituiert Marcus Geiger
seine Arbeit und erweitert ihn zu einer funktionalen "malerischen" Installation.
ELISABETH GRÜBL
30. 1. 15. 3. 1998
Elisabeth Grübl, Installation Vertikaljalousien
in Verbindung mit einem Bewegungsmelder, 1996
Im Mittelpunkt der künstlerischen Auseinandersetzung Elisabeth Grübls
steht der Raum. Mit subtilen Interventionen, die den Grenzbereich zwischen Architektur
und Bildhauerei ausloten, greift Elisabeth Grübl in gegebene Innen- und Außenräume
ein und entwirft minimalistisch anmutende Rauminstallationen, die dem Betrachter
eine Doppelfunktion als Rezipient und als Objekt der Installation zuweisen. Elisabeth
Grübl wurde 1961 in Tamsweg/Salzburg geboren und studierte bei Bruno Gironcoli
an der Akademie der Bildenden Künste in Wien.
"DAS JAHRHUNDERT DER KÜNSTLERISCHEN FREIHEIT.
100 JAHRE SECESSION"
3. 4. 21. 6. 1998
Daniel Faust, Inside and Around, 1993
Anläßlich ihres Jubiläums veranstaltet die Secession eine große
transhistorische Ausstellung, die das "Jahrhundert der künstlerischen Freiheit
" im Zeitraffer Revue passieren läßt. Die Schau zeigt die Secession
als älteste noch bestehende, speziell der modernen Kunst gewidmete Ausstellungsinstitution
der Welt. Hauptwerke der Moderne, die bereits einmal hier zu sehen waren, werden
wieder ausgestellt und mit neuester zeitgenössischer Kunst verbunden. Am
Ende des Jahrhunderts scheint es angebracht, die Spannweite des heutigen künstlerischen
Denkens und die untergründige Einheit der Moderne aufzuzeigen. Die Ausstellung,
die von Robert Fleck kuratiert wird, unternimmt es ähnlich den "Internationalen
Kunstausstellungen", die die ersten Jahrzehnte der Secession prägten, mit
etwa 280 Werken von 130 Künstlern quer durch das Bestehen der Secession.
Außergewähnliche Leihgaben privater und öffentlicher Sammlungen
kamen als Beitrag zu dem mit Interesse erwarteten Jubiläum des Hauses zustande.
JUNGE SZENE
8. 7. 30. 8. 1998
Junge Szene, 1998
Seit 1983 präsentiert die Secession in ihrer Ausstellungsreihe "Junge Szene"
Standpunkte und Positionen junger KünstlerInnen, die in der Kunstöffentlichkeit
wenig bekannt oder nicht etabliert sind. Projektiert als Versuch einer Positionierung
neuer künstlerischer Tendenzen, hat sich die "Junge Szene" der vergangenen
Jahre dabei ausschließlich auf die Vorstellung österreichischer KünstlerInnen
beschränkt. Die Ausstellung 1998 trägt der Vernetzung und Internationalisierung
aktueller künstlerischer Projekte und Entwicklungen Rechnung und hebt deshalb
auch durch die Einbeziehung von Arbeiten internationaler KünstlerInnen die
lokale Beschränkung auf.
MIKE KELLEY/PAUL McCARTHY
11. 9. 8. 11. 1998
Mike Kelley/Paul McCarthy, Fresh Acconci,
1995
Mike Kelley (geb. 1954 in Detroit) und Paul McCarthy (geb. 1945 in Salt Lake City)
interpretieren in ihren Arbeiten Elemente der populären Gegenwartskultur.
Sie beziehen unterschiedliche Ausdrucksformen aus den Bereichen der Comics, der
Musik und des Films in ihre Projekte mit ein und erweitern diese durch Performances
und szenische Installationen. Für die Secession planen die beiden amerikanischen
Künstler eine alle Austellungsräume umfassende Installation. Die Ausstellung
wird neben bereits bestehenden Arbeiten, die aus gemeinsamen Projekten entstanden
sind, neueste Einzel- und Gemeinschaftsarbeiten präsentieren.
FABIO ZOLLY
Sommer/Herbst 1998
Fabio Zolly, Subway, N.Y. (Video), 1997
Die Suche nach urbanen Erkennungszeichen prägen die Arbeit des 1955 in Spital
a.D. geborenen Fabio Zolly. Filmisch festgehaltene Schatten von Flugzeugen und
urbanen Gegenständen, Röntgenbilder von Reisekoffern oder Bilder von
Kanaldeckel aus verschiedenen Städten der Welt verweisen in den Arbeiten
von Fabio Zolly auf die Mobilität unserer Gesellschaft. Sie stehen symbolhaft
für ein transitorisches Dasein zwischen den Orten und deren Wahrnehmung.
In der Secession zeigt Fabio Zolly eine Auswahl seiner neuesten Videoarbeiten.
HERBERT BRANDL
20. 11. 1998 17. 1. 1999
Herbert Brandl ist der wichtigste österreichische Vertreter jener Malergeneration,
deren künstlerische Praxis über einen reinen Malereidiskurs hinausgeht: Seine
Kunst hat Kontext und Minimalismus ebenso verarbeitet wie arte povera. Figur und
Abstraktion sind keine zentralen Themen mehr, altbekannte Motive wie Landschaft,
Blume, Körper oder eben abstraktes Bild sind ihm nur Hilfsmittel, sein Medium
in der Welt zu positionieren und zu hinterfragen. Obwohl sich die Gemälde oft
weit ins Reich der reinen Schönheit vorwagen, so enthalten sie doch verborgene
Texte, die auf Zugedecktes und Geschichte hinweisen.
ROBERT LETTNER
20. 11. 1998 17. 1. 1999
Robert Lettner, Aus der Serie I, 1996
Ausgehend von der Suche nach aktuellen Formen des Realismus in der Malerei interessiert
Robert Lettner, geboren 1943 in Elne, Frankreich, neben der Darstellung von gesellschaftlich
politischen Themen vor allem die Analyse der Bildproduktion. Der Versuch Freilichtmalerei
als Struktur aufzufassen, gelang ihm in seinen jüngsten Arbeiten, wo er seine
Spontanzeichnung, die in der Landschaft entstanden ist, der Digitaltechnik zur
Weiterbearbeitung überläßt. Das Ergebnis dieser Verschmelzung
eines organischen Vorgangs, der Zeichnung, abhängig von Psyche und künstlerischen
Fähigkeiten, mit einem anorganischen Medium, dem Computer präsentiert
Robert Lettner in seiner Ausstellung für die Secession unter dem Titel "Bilder
zur magischen Geometrie". Die Bildtafeln, ca. 2 x 2,5 m im Digitaldruck, sind
in Zusammenarbeit mit Peter Kainz und Walter Worlitschek, entstanden.
MICHAEL ZINGANEL
20. 11. 1998 17. 1. 1999
Michael Zinganel, Morning Walks, 1997
Michael Zinganel, geboren 1960 in Bad Radkersburg, setzte sich bis Ende der 80er
Jahre vorwiegend mit Rauminstallationen auseinander. Auf reine Formen reduzierte
Skulpturen in Verbindung mit Videos bildeten Eingriffe in vorgefundene Raumsituationen
und versuchten die Bedingtheit unserer Wahrnehmung aufzuzeigen. Diese Installationen
wurden in jüngster Zeit zunehmend von partizipatorischen Projekten abgelöst,
die den Künstler immer mehr in seiner Rolle als sozialkritischen sowie politisch
agierenden Architekten erkennen lassen. Mit seinen aktuellen Arbeiten übt
Michael Zinganel nicht nur theoretische Kritik an modernistische Planungsmethoden,
sonderen setzt diese auch in konkreten, sozialen Interventionen um.
MARC ADRIAN
18. 11. 1998 17. 1. 1999
Marc Adrian, 1996
Marc Adrian, geb. 1930 in Wien, experimentiert seit Mitte der 50er Jahre mit unterschiedlichen
künstlerischen Medien. Sein besonderes Interesse gilt dabei den Problemen
der optischen Semantik in Bildern, Objekten, Texten und Filmen.
In der Secession zeigt Marc Adrian eine Auswahl seiner Filme, die durch Verfremdung
wie Farbmanipulation, Diskontinuität der Montage oder Fragmentierung der
Sprache einen aktiven Rezeptionsprozeß evozieren. Marc Adrians Arbeiten
reagieren auf zeitgenössische, künstlerische Tendenzen und erweisen
sich manchmal rückblickend ihrer Zeit ein Stück voraus. So lassen sich
etwa in seinen Filmen aus den frühen 50er und 60er Jahre Ansätze erkennen,
"die minimalistische Raumstrukturen, wie sie in den bildenden Künsten damals
gesucht wurden, eine zeitliche Dimension verleihen" (T. Rothschild).
STÄNDIGE PRÄSENTATION
Gustav Klimt: DER BEETHOVENFRIES
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